Wer bestimmt, was denkbar ist? Über den Wunsch nach gesellschaftlicher Teilhabe statt Pseudobeteiligung / 4. November 2026 Von Kati Trempler „Der Ausschluss vom Gespräch erzeugt Wut.“ So endete meine letzte Kolumne. Und dieser Satz hat sich in den vergangenen Wochen erstaunlich häufig bestätigt. Kati Trempler - Foto: Line Beckmann Seit bekannt ist, dass Wuppertals Großprojekte auf dem Prüfstand stehen, treffen sich zahlreiche Akteurinnen und Akteure rund um das entstehende Pina Bausch Zentrum (PBZ), um über die Zukunft des Hauses zu sprechen. Es ist unglaublich, auf welch unterschiedlichen Ebenen wir gerade versuchen, das PBZ zu retten. Während wir über Konzepte und gesellschaftliche Teilhabe sprechen, werden andernorts Modelle entwickelt, Kosten berechnet und politische Entscheidungen vorbereitet. Super: Schließlich arbeiten alle. Dann kam die Einladung des Kulturdezernenten zur heutigen gemeinsamen Sitzung von Kultur- und Finanzausschuss. Endlich sollen die vier Modelle für die Zukunft des PBZ vorgestellt werden. Auch Thusnelda Mercy und ich gehören dem Kulturausschuss als sachkundige Einwohnerinnen an, um dort die freie Szene zu vertreten. Doch die Freude währte nicht lange, als wir feststellten, dass eigentlich nur die Mandatsträgerinnen und Mandatsträger der Fraktionen hätten eingeladen werden sollen. Sachkundige Einwohnerinnen nicht vorgesehen. Mir ist bewusst, dass die Verwaltung zunächst die Politik informieren muss, bevor sie mit ihren Vorschlägen an die Öffentlichkeit geht. Schließlich haben wir unsere Ratsmitglieder gewählt, damit sie uns vertreten. Und nicht, damit wir ihnen bei jeder Gelegenheit auf dem Schoß sitzen. Allerdings schließt die repräsentative Demokratie die Beteiligung der Stadtgesellschaft nicht aus. Im Gegenteil: Gerade bei einem Projekt, das gesellschaftliche Teilhabe zu einem seiner zentralen Versprechen erklärt, wäre es doch naheliegend, diejenigen frühzeitig einzubeziehen, die das Haus später mit Leben füllen sollen. Beteiligung ist schließlich keine Veranstaltung, die erst beginnt, wenn die PowerPoint fertig ist. Dabei hätten wir durchaus ein paar Fragen. Und weil wir heute nicht dabei sein dürfen, geben wir sie den gewählten Vertreterinnen und Vertretern der Bevölkerung gerne mit auf den Weg. Gewissermaßen als kleinen Fragenkatalog aus der Stadtgesellschaft. Erstens: Wann wird ein Betriebskonzept entwickelt, das die Konzepte des Forums Wupperbogen berücksichtigt? Denn bevor wir entscheiden, wie groß und teuer ein Haus sein darf, wäre es vielleicht hilfreich zu wissen, was darin eigentlich stattfinden soll. Zweitens: Wie genau wurden die 25 Prozent Risikozuschlag berechnet, die bei den Baukosten des PBZ veranschlagt werden? Wir fragen aus rein wissenschaftlichem Interesse. Zahlen haben schließlich die angenehme Eigenschaft, dass man sie erklären kann. Drittens: Wer entscheidet darüber, wer künftig die Vorlaufphase leiten wird? Und könnte bei dieser Entscheidung vielleicht auch die Expertise der Stadtgesellschaft und der freien Szene berücksichtigt werden? Schließlich passt die Vorstellung, dass eine einzelne Person sämtliche Entscheidungen trifft, nicht ganz zu einem Haus, das Beteiligung zu einer seiner tragenden Säulen erklärt. Nie werde ich mich daran gewöhnen, Beteiligung als etwas zu verstehen, das die Verwaltung organisiert, wenn die wesentlichen Vorarbeiten abgeschlossen sind. Wir möchten nicht erst im Nachhinein eingeladen werden, um Fragen zu stellen, Anregungen zu formulieren und auf bunten Zetteln festzuhalten, was wir uns wünschten. Ich nenne das Pseudobeteiligung. Wie wäre es, wenn wir es auch hier so machten, wie die Oberbürgermeisterin mit dem Wuppertal-Plan und die Stadtgesellschaft frühzeitig in die Entwicklung von Zukunftsperspektiven einbezögen? Schließlich soll hier ein Ort entstehen, an dem Stadtgesellschaft und freie Szene selbst gestalten dürfen. Ein Haus, das gesellschaftliche Teilhabe verspricht, sollte vielleicht schon bei seiner Entstehung damit anfangen. Ich wünsche den Ratsmitgliedern heute eine erkenntnisreiche Sitzung und hoffe, dass sie unsere Fragen stellen. Feedback gerne an ➜ kolumne@fnwk.de vorheriger Artikel In Umbrüchen Zukunft finden 14