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Freier Eintritt als kultureller Bildungsmotor für alle

Der Kulturpass für Jugendliche ist eine begrüßenswerte Form der Teilhabe // 21. Juni 2023

Von Tine Lowisch

Vor ein paar Jahren habe ich im Rahmen dieser Kulturkolumne schon einmal über die Vorzüge nachgedacht, einfach mal die eigene Stadt kulturell beherzt zu erkunden. Allerdings: bei freiem Eintritt. Das war vor der Pandemie noch einfacher und ich konnte mein Experiment 2018 sehr abwechslungsreich gestalten. Jetzt, nach der Pandemie, unter deren Folgen die Kulturbranche bis heute extrem leidet, würde es für mich wahrscheinlich schwieriger werden, ohne Budget „in der eigenen Stadt viel zu erleben, wenig zu verbrauchen und gut beschäftigt zu sein“.

Tine Lowisch - Foto: Claudia Scheer van Erp
Tine Lowisch - Foto: Claudia Scheer van Erp

An einer Struktur, in der Kunst- und Kulturangebote von allen Menschen kostenfrei wahrgenommen werden können, sollte aus meiner Sicht aber trotz allem unbedingt immer weiter getüftelt werden, bis uns eine Lösung einfällt. Bei der Aufrechterhaltung des Kulturbetriebs ist insgesamt doch sowieso Subvention im Spiel. Refinanzierung durch Einnahmen – das passt nach meinem Verständnis einfach nicht mehr in unsere Zeit mit ihren offenen sozialen Verwerfungen und auch nicht zur Vorstellung von kultureller Teilhabe als Bildungsauftrag im 21. Jahrhundert. Aber, na gut – auch hier bleibe ich geduldig. Förderprogramme, die die Projektkosten kultureller Bildungsangebote zu 100 Prozent übernehmen, gibt es ja, wenn auch sehr vereinzelt.

Mit dem Kulturpass für 18-Jährige, der am 14. Juni an den Start ging, lotet man die Folgen einer Übernahme von Kosten als Option also nun weiter aus. Bundesweit wird eine potenziell sehr relevante, weil nachwachsende Altersgruppe (etwa 750 000 Personen) versuchsweise mit einem Budget ausgestattet, das pro Kopf 200 Euro für ein laufendes Jahr beträgt: ein „Geburtstagskind-Taschengeld“, das den Jugendlichen den Einstieg in die Kultur erleichtern soll. Einlösen können die jungen Erwachsenen diesen zweckgebundenen Zuschuss altersgerecht auf einer digitalen Plattform, die als App oder auch als Website nutzbar ist.

Die Registrierung auf dieser Plattform ist für lokale Kulturanbieter bereits seit Mai möglich. Sie können dort zum Beispiel Konzerte, Theater- und Kinovorstellungen einstellen. So wird vor allem die gruppenbildende, erlebnisorientierte Kulturbranche vor Ort unterstützt. Aber auch die Anschaffung von Büchern, Ton– und Bildträgern oder Noten und auch Instrumenten als persönlichkeitsbildender, aktiverer Einstieg in die Welt der Kultur ist für die 2023 volljährig werdenden Mitglieder unserer Gesellschaft mit dem Kulturpass möglich.

Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das Gießkannenprinzip schon mal so gut fand. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte zum Start der Maßnahme: „Der Kulturpass für 18-Jährige in Deutschland (…) ist die Chance, gerade auch Kultur fernerstehenden Jugendlichen den Einstieg in die kulturelle Welt zu erleichtern. Dafür ist es aber wichtig, dass der Kulturpass in kulturelle Bildungsmaßnahmen eingebunden wird, um mehr kulturelle Teilhabe zu erreichen...“ Neben allen anderen „Bausch-Stellen“ wünsche ich mir das am allermeisten. Ein Prozess der Vernetzung von Akteuren und Zielgruppen, der bei uns im April 2021 startete, führte in Wuppertal zu einem tragfähigen Kommunalen Gesamtkonzept für Kulturelle Bildung, welches Anfang dieses Jahres sogar ausgezeichnet wurde.

Die ersten Umsetzungen der Maßnahmen erfolgen somit 2023. Kombiniert mit den Erfahrungen der Nutzung des Kulturpasses ergibt sich so vielleicht irgendwann einmal: freier Eintritt als kultureller Bildungsmotor für alle.

Anregeungen und Kritik unter kolumne@fnwk.de

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