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Im Kunstherbst zählt, was unzählbar ist

23. August 2023

Von Max Christian Graeff

Heute früh erstaunte mich die Einladung zu einem Zukunftskunst-Festival, nicht nur aufgrund sprachlicher Dürftigkeit: „Tauchen Sie tief in die faszinierende Geschichte von NFT’s, entdecken Sie bemerkenswerte Enthüllungen über einzigartige Projekte. Das Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen beiden Ökosystemen zu demonstrieren. Die Initiative beruht auf den erfolgreichen Ecosystem Nights von Crypto Oasis in Dubai.“ Das sechstägige Gebrause für 1000 Kunstsammelnde in einer alpinen Steueroase fordert: „Erkennen Sie die Majestät digitaler Kunst.“ Bei NFTs (Non-Fungible Tokens) geht es um nur als Dateien existierende Kunstwerke, deren Kryptocode das Besitzverhältnis fälschungssicher nachweist. Das Generieren der virtuellen Unikate erzeugt nebenbei eine gigantische Abwärme; dies mal zu den „Ökosystemen“.

Max Christian Graeff - Foto: C. Paravicini
Max Christian Graeff - Foto: C. Paravicini

Nun bin ich nicht nur rückwärtsgewandt; es gibt hervorragende digitale Kunst, avantgardistisch, progressiv und erkenntnisreich. Bei diesem Festival geht es jedoch lediglich um Investment, das dem analogen, greifbaren Kunstmarkt hohe Umsätze entzieht, denn auch jedes Schwarzgeld kann man nur einmal ausgeben. Solche Erziehung zur Unkörperlichkeit der Kunst halte ich – wie jede Entfremdung von Authentizität und Leidenschaft – nicht nur für bekloppt, sondern für äußerst bedenklich. Für die Vision, dass unsichtbare Werke aus verborgenem Strom relevante ästhetische Prozesse hervorrufen können, bin ich vermutlich zu alt – oder zu arm. Ich freue mich stattdessen auf die lokalen Kunstereignisse des Herbstes, bei denen man handfest schauen, lachen, möppern und (außer vielleicht beim Picasso-Beckmann-Ereignis im Museum) natürlich auch kaufen kann: auf „Kunst kanns“, die WOGA, diverse Galerieausstellungen...

Am 1. September feiert die geliebte, unverzichtbare Kunststation im Bahnhof Vohwinkel „zehn Sommer ohne Pause“. Eckehard und Tine Lowisch laden dazu den Didgeridoo-Spieler Marvin Dillmann ein, um Lowischs Werke in den eindrucksvollen Räumen an der Schnittstelle von Raum, Sound und Skulptur zu erleben. Es wird eine Rückschau sein, denn die Galerie – vielmehr ein Ort der Arbeit, ein Labor für Kunst und Gesellschaft – wird Ende des Jahres schließen. Wer weiß, vielleicht wird es zugleich eine Vorschau auf die nächsten Projekte der beiden Kunstmenschen, die in ihrer Bahnhofsdekade nicht nur Vohwinkel, sondern die ganze Stadt zu verändern halfen und unter „Zukunftskunst“ etwas ganz anderes, im besten Sinne Angreifbares verstehen.

Wenn sich Gewohntes ändert, heißt es schnell, da wäre etwas nicht geschafft worden, was oft nicht nur unzutreffend, sondern auch ungerecht ist. Vom Nichtschaffen ist um mich herum gerade sehr oft die Rede, was an vielen 60sten Geburtstagen liegt. Da wird pauschal bewertet und bilanziert, unter Herbeiziehung alles Nichterreichten, Gescheiterten. Das, was den Verhältnissen zum Trotz dennoch geschafft und geschaffen wurde, wird – sofern es nicht gülden blinkt – meist übersehen. In der Kunst- und Kulturarbeit muss jedoch ganz anders gezählt werden und vieles Wertvolle hat nun mal keinen etablierten Wert. Von welch beschämenden Tarifen leben zum Beispiel all die Tanzenden, mit denen unsere Stadt sich seit Jahrzehnten schmückt? Die meisten Kunstschaffenden überleben nur in einer Doppelexistenz. Nach den Jahrzehnten, in denen wir durch kitschige Vorstellungen von Erfolg und Komfort die Welt an den Abgrund trieben, wäre es wohl wieder Zeit, auch den Mut zu jedem neuen Vorhaben und zum Weitermachen als Währung anzusehen. Womöglich bleibt diese für viele Menschen kryptisch, doch das ist ja gerade modern.

Ihre Meinung wie immer an: kolumne@fnwk.de

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