Für eine Kultur des Miteinanders 16. August 2023 Von Björn Krüger Ein neues Schuljahr hat begonnen. Viele Kinder erleben die ersten Schultage ihres Lebens. Sie haben „Platz gemacht“ – denn auch in den Kindertagesstätten der Stadt tummeln sich in diesen Tagen zahlreiche Mädchen und Jungen, die eingewöhnt werden und ihre ersten Kindergarten-Tage erleben. Eine wunderschön turbulente und spannende Zeit, auch für die Eltern. Doch leider mischen sich zur wohligen Aufregung in diesem Jahr wieder Sorgen in Bezug auf den aktuellen Personalmangel in unseren Bildungseinrichtungen. Nicht allein die WZ berichtete wiederholt davon. Björn Krüger - Foto: Tobias Weidemann Junge Mütter und Väter stehen vor der großen Herausforderung, Familie und Berufsleben zu vereinen. Das war zwar schon sportlich, als ich vor 27 Jahren zum ersten Mal Vater wurde, aber seitdem hat sich viel verändert. Denn es geht hier tatsächlich um viel mehr als die vermeintliche „Work-Life-Balance“. Hefte raus, mitschreiben! Hier kommt ein wichtiger Satz (nicht nur fürs Rechenheft von Christian Lindner): „Bindung ist die Grundlage für Bildung.“ Und damit landen wir wieder in der Schule und bei der Eingewöhnung im Kindergarten: Kinder brauchen Resonanz. Sie brauchen verlässliche Bindungsstrukturen und Möglichkeiten der Partizipation, aus denen Selbstvertrauen und Stärke wachsen können. Zudem erleben unsere Kinder auf diese Weise schon ganz früh, wie Demokratie funktioniert. Wenn der Bildungsalltag jedoch von Unterrichtsausfall und Personalmangel bedroht ist, bleibt unseren Kindern genau dies verwehrt. Aber auch wir „großen Kinder“ brauchen Resonanz, Austausch und Gemeinschaft. Künstlerische Möglichkeitsräume und Angebote der kulturellen Bildung bieten dafür einen hervorragenden Platz. Denn Kunst und Kultur leben vom Austausch und der Vielfalt. Und so stehen wir Kulturschaffenden Wuppertals selbstredend mit unserer künstlerisch-kreativen Arbeit auch für eine „Kultur des Miteinanders“. Für all dies ist es lohnend, sich gemeinsam stark zu machen, davon bin ich überzeugt. Denn dann werden Dinge in Bewegung gebracht. Ein schönes, aktuelles Beispiel: Durch Impulse aus der freien Szene Wuppertals hat sich die Stadt auf den Weg gemacht, an einem „Gesamtkonzept Kulturelle Bildung“ zu arbeiten. Hier harmonieren freie Kunstschaffende und städtische Institutionen. Das schaffen wir sicher auch in anderen Bereichen. Außerdem funktioniert das auch im Kleinen: Beim Kioskbesitzer an der Wiesenstraße, der dem Jungen das Eis gibt, obwohl er nicht genügend Geld dabeihat. Bei der Rentnerin, die ehrenamtlich einmal die Woche ein Kind aus dem KulturKinderGarten abholt und zur Logopädie bringt, weil die Eltern dies nicht leisten können. Beim Vater, der im Sandkasten auf dem Spielplatz ein Förmchen nach dem anderen befüllt, um den „Kuchen-Verkauf“ seiner Tochter anzukurbeln, anstatt ständig aufs Smartphone zu blicken. Wenn wir „großen Kinder“ mit solchen Beispielen vorangehen, dann werden unsere Kinder sicher davon profitieren. Nicht vergessen: Schon in 20 Jahren sind diese die nächste Elterngeneration unserer Stadt, auf die dann wahrscheinlich wieder ganz andere Sorgen warten, die wir heute noch gar nicht erahnen können. Lasst uns gemeinsam an einem „Wuppertal des Miteinanders“ arbeiten, auf das wir uns jeden neuen Morgen wieder freuen können. Eines unserer Begrüßungslieder im KulturKinderGarten endet mit den Worten „Zusammen sind wir stark“. Ich glaube daran! Sie auch? Ihre Meinung bitte an kolumne@fnwk.de 1387