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Erzählen lernen heißt, die Welt zu ändern

Kulturelle Jugendbildung braucht freie Kunst // 5. Oktober 2022

Von Max Christian Graeff

Das war ein merkwürdiger Feiertag – so ganz ohne fehlendes Geschrei der Rabauken von der Grundschule nebenan, weil ja sowieso Ferien sind. Dafür lockte mich das Amselgezeter endlich mal vom Schreibtisch fort und zum entstehenden Hügelbeet, und kaum war der erste Kubikmeter Erde bewegt, blieben zwei flanierende Damen stehen und seufzten: „Ach, das ist so schade um den schönen Rasen!“ Die dunklen Worte, die ich ihnen leise hinterherwarf, muss der Apfelbaum gehört haben, denn in dem Moment fiel mir ein riesiger fauler Appel von weit oben auf den Dez und sofort noch ein zweiter hinterher. Das war wohl dieser Doppelbums, von dem der Kanzler sprach. Worte wirken eben, egal was du sagst …

Max Christian Graeff - Foto: C. Paravicini
Max Christian Graeff - Foto: C. Paravicini

In der zweiten Ferienwoche findet mein Kurs zum „Büchermachen“ für die Kulturelle Jugendbildung des Jugendamtes tatsächlich statt, nachdem in diesem Jahr alle vorigen Kurse aufgrund spontaner Massenfliegerei abgesagt wurden. Es ist jedes Mal spannend, welche Wünsche da kommen; fünf Tage sind für selbstgebundene Großromane, die noch gar nicht geschrieben sind, einfach zu kurz. Falls jemandem nichts einfällt (was allerdings kaum passiert), kann sie oder er ruhig in der Wirklichkeit beginnen, zum Beispiel mit dem strafenden Apfelbaum, und schauen, wie es weitergeht; oft endet es dann irgendwo im Weltraum, in einer fernen und meist besseren Zeit. Und natürlich mit Tuschflecken an den Klamotten, denn einige wollen ausprobieren, was sie noch nicht kennen und die gute alte Zeichenfeder gehört einfach dazu. Ihr ungewohnter Strich ändert jede Schrift, jede Geschichte und manchmal eben auch ein Hemd. Seitens der Mütter hoffe ich, dass das Staunen übers Büchlein den Ärger überdeckt …

Die Fantasie hat immer schon Flecken gemacht; ohne geht es nicht. Auch der Farben-, Pinsel- und Papierverbrauch fürs Schreiben, Malen und Leimen ist nicht von schlechten Eltern: zu viel, um ihn vom Kurshonorar zu bezahlen; manchmal findet man eine Spende. Aber damit ausgerechnet in den Kursen geizig zu sein wäre Sparen am falschen Ende, was schon oft genug passiert. Leider auch in der kulturellen Jugendbildung, die, gemessen an den wachsenden Aufgaben und an ihrer Auswirkung auf unsere Gesellschaft, immer noch zu wenig Mittel hat. Im kürzlich genehmigten Stadthaushalt regiert der sogenannte „globale Minderaufwand über die genehmigten Mehrbedarfe“, und der beträgt, wenn ich es richtig verstand, ein Fünftel von dem, was durch Teuerung, Ausbau und Notwendigkeit dringend zusätzlich gebraucht würde. Das ist erschütternd, wenn man an das ganze Geld denkt, was anderswo fließt oder durch die Luft fliegt – womit nun aber nicht die Buga gemeint ist, mit der viel zusätzliche Lebens- und Lernqualität auch für Kinder und Jugendliche zu erhoffen ist.

Kunst und Kultur in Schulen und Jugendhäusern sind nicht nur nett und schön. Sie sind die Leitplanken des Älterwerdens und das Fundament dafür, dass auch die schwierigste Zeit nicht stehenbleibt. Künstlerinnen sollten wieder in die Schulen, Kinder und Jugendliche ins Theater, in die freie Szene, in die Ateliers, wenn nicht nur Zahlen oder die Sprachen der Kriege ihr Leben bestimmen sollen. Die Pisa-Studie 2022 betrachtet erstmals auch das kreative Denken bei 15-Jährigen, als Kompetenz, Ideen zur effektiven Lösung realer Probleme, als Fortschritt und wirkungsvolle Ausdrucksformen der Vorstellungskraft zu produzieren. Die Ergebnisse erscheinen erst Ende 2023. Wir dürfen nicht aufs Fallobst warten, denn in diesem Sektor des Zusammenlebens wäre jedes Energiesparen fatal.

Anregeungen und Kritik: kolumne@fnwk.de

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