Transparente Demokratie und Kulturförderung Über den langen, aber nicht unergründlichen Weg der Demokratie // 14. Januar 2026 Von Kati Trempler Transparenz ist ein großes Wort. In der liberalen Demokratie bedeutet es, dass Entscheidungen selten schnell fallen, sondern dass sie einen langen Weg nehmen: durch Ausschüsse, Arbeitsgruppen, Vorlagen, Haushaltsentwürfe und politische Abstimmungen. Dieser Weg ist öffentlich, aber nicht immer leicht zu überblicken. In dieser Kolumne möchte ich einmal nachzeichnen, wie Zuschusserhöhungen in der Kultur ihren Weg nehmen. Kati Trempler - Foto © Line Beckmann Es ist ein Prozess mit vielen Stationen, in denen sich entscheidet, was später auf der Bühne möglich ist. Um die Vergabe von Mitteln in der freien Szene transparenter zu gestalten, hat das Kulturbüro 2024 ein neues Vergabeverfahren für institutionell geförderte Einrichtungen der freien Kulturszene eingeführt. Dazu zählen die Insel, das Loch, das Kulturzentrum Immanuel, die Tanz Station Barmer Bahnhof uvm. – allesamt kulturelle Ankerpunkte, die einen sogenannten Betriebskostenzuschuss von der Stadt Wuppertal erhalten, um kontinuierlich arbeiten zu können. Diese Zuschüsse werden nicht automatisch erhöht, um Kostensteigerungen aufzufangen – sie müssen beantragt werden. Im Rahmen des Verfahrens wurden alle bereits geförderten Wuppertaler Kultureinrichtungen aufgefordert, eventuell notwendige Erhöhungen ihrer Zuschüsse zu beantragen. Das allein ist schon anspruchsvoll – erschwerend kam hinzu, dass sich diese Erhöhungen auf die Jahre 2026 und 2027 beziehen sollten. Die Institutionen mussten also frühzeitig abschätzen, welche Kostensteigerungen auf sie zukommen würden. Um über diese Anträge zu entscheiden, wurde eine Arbeitsgruppe gegründet. Ihm gehören der Kulturdezernent, Vertreterinnen und Vertreter der Parteien sowie der freien Szene an. Ein demokratisch breit aufgestelltes Gremium, dessen Aufgabe es war, die Bedarfe zu prüfen und einen politisch tragfähigen Vorschlag zu erarbeiten. Insgesamt ging es um beantragte Zuschusserhöhungen von rund 700 000 Euro pro Jahr. Eine Zahl, die erst dann verständlich wird, wenn man sie in Relation setzt: Die Gesamtausgaben Wuppertals für Kultur liegen um ein Vielfaches höher (91 Millionen Euro). Auch die häufig zitierte Besucherinnenzahl dient hier lediglich als Maßstab zur Einordnung: Die Wuppertaler Bühnen und das Sinfonieorchester – unverzichtbare Säulen der städtischen Kulturlandschaft – erreichen jährlich rund 100 000 Gäste. Die freie Szene kommt auf etwa 215 000 Besucherinnen und Besucher (siehe Kulturbericht 2024). Während die städtischen Bühnen jährlich rund 44 Millionen Euro Zuschuss erhalten, stehen der freien Szene für ihre Arbeit etwa 2,6 Millionen Euro zur Verfügung. Auch diese Zahlen sind im Verhältnis zum Gesamthaushalt mit seinen 1,8 Milliarden Euro eher klein. Die Arbeitsgruppe kam zu einem klaren Ergebnis: 22 der 23 eingereichten Anträge wurden positiv bewertet. Der politisch abgestimmte Vorschlag wurde an den Kämmerer weitergeleitet. Zunächst also eine gute Nachricht – ein Zeichen von Anerkennung und Verständnis für die realen Kosten kultureller Arbeit. Doch Demokratie hat, wie gesagt, lange Wege. Im aktuellen Haushaltsplan finden sich diese Erhöhungen bislang nicht wieder. Zwischen Einsicht und Umsetzung liegt noch die letzte, entscheidende Etappe der demokratischen Choreografie. Um die Zuschusserhöhungen in den letztlich gültigen Haushalt zu bringen, über den der Stadtrat im Frühjahr entscheiden wird, werden die Akteure und Akteurinnen der Institutionen der freien Kulturszene nun den Weg über die Parteien antreten müssen. Sie werden erklären, rechnen und werben müssen – nicht für Privilegien, sondern für Planbarkeit und Fairness. Feedback gerne an ➜ kolumne@fnwk.de 300