)) freies netz werk )) KULTUR

Es wird einmal...

Search

 

 

 

 

 

 

Was erwarten Sie von der Kunst?

Die Neugier ist eine stetige Reise zum Nullpunkt // 29. Mai 2024

Von Max Christian Graeff

„Hochstapler!“ zischte er mir nach, als sich unsere Wege in der Stadt kreuzten. Er ist ein Teilnehmer aus einem Kurs-Angebot, das Interessierte jeglicher Erfahrung zum Wahrnehmen ihrer schreibenden Fähigkeiten animieren soll. Viele kommen seit Jahren gerne in die Schreibwerkstatt, tauschen Texte und Fragen aus und versuchen ihre Lust aufs Erzählen mit Aspekten der Gegenwart anzureichern. Immer wieder kommen jedoch auch Menschen, die ohne Arbeit an sich selbst in einen vagen Traum von Geltung, Ruhm und Reichtum vorstoßen wollen, als sei der Wunsch schon eine Leistung.

Max Christian Graeff - Foto C. Paravicini
Max Christian Graeff - Foto C. Paravicini

Solche Vorstellungen können im Rahmen der Erwachsenenbildung nur enttäuscht werden, zumal es – meiner Überzeugung nach – beim Schreiben wie bei allen Künsten auf Fleiß, Selbstkritik, Handwerk und natürlich auch auf Neigung und Talent ankommt. Und aufs Bewusstsein, dass man anderen Menschen Lesenszeit raubt. So ist es für manche Teilnehmende unbefriedigend, dass ich für ihren kleinen Kursbeitrag weder eherne Regularien für ein individuelles, stets extrem diverses Schaffen liefere noch eine „Gelinggarantie“ biete – wie bei der weltberühmten Wuppertaler Kochmaschine für Nichtkochende.

Aus der Sicht des Kursteilnehmers stimmt es: Sobald ich mich als Autor bezeichne, bin ich ein Hochstapler. Die bisherigen Bücher in großen Verlagen sind vergriffen und vergessen; nur eines ist in Übersee noch lieferbar. Sie haben kaum die Tinte eingebracht, die ich beim Schreiben trank. Erfüllung des Selbstbildes auf Kosten anderer Menschen oder der papiergebenden Natur suchte ich nie; die Miete kommt durch Dienste aller Art herein. Dabei schreibe ich täglich Verwendungstexte: Artikel, Projektinformationen, Buchbeiträge, all das, was sein muss und funktionieren soll. Daneben lektoriere und korrigiere ich Texte anderer, sofern sie ihre Absicht sonst nicht erreichen. Abertausende Menschen in vielen Berufen arbeiten auf diese Weise als Klempner und Monteurinnen der gesellschaftlichen Kommunikation am Wort, ohne jeden Gedanken an Kunst und Ruhm.

Diese Selbstverständlichkeit steht auf der Kippe wie ein Antarktisgletscher: nicht nur durch die unberechenbaren Irrfahrten der Künstlichen Intelligenzen aller Konzerne oder die Behauptungsschlachten auf den omnipräsenten Gefälligkeitskanälen, sondern auch durch sich weiterhin wandelnde Bewertungskriterien: Süffige Zeitvertreibe, Lebenshilfen und Rechthabereien aller Art und gern auch das Selbstbild nicht in Frage stellende Historie gilt im Markt als ideal; offene Fragen, Betrachtungen des Klimawandels und gesellschaftlicher Erosion oder gar Dichtung und Poesie nehmen nur die Abgebrühten, die Abenteurerinnen in die Ferien mit.

Gereist wird heuer so viel wie nie zuvor, vielleicht unter dem Eindruck, dass dies zwangsläufig bald ein Ende hat. Der Umsatz des lesenden Weltreisens durch Neugier, Kunst und Wissensdurst macht nur einen verschwindend kleinen Bruchteil davon aus.

„Literatur auf der Insel“ in der Insel über dem Café Ada feiert am 7. Juni mit dem Autor Navid Kermani das zehnjährige Jubiläum. Er ist garantiert kein Hochstapler! Und auch das „Karussell“ als Wuppertaler Literaturmagazin dreht sich wieder. Es geht nicht um das Wohlfühlen, nicht um „schöne Momente“ und problemfreien Genuss. Sondern schlicht um den Grund des Lesens – und den des Schreibens. In der Frage, was sie eigentlich will, fängt die tatsächliche Kunst bei jedem Satz am Nullpunkt an.

Was kann aufregender sein?

Ihre Meinung an kolumne@fnwk.de

37

 

PARTNER & FÖRDERER

Stadtsparkasse Wuppertal

Stadt Wuppertal / Kulturbüro

 

Vorsitz / Vorstand

Lars Emrich // 1. Vorsitzender
Zara Gayk // 2. Vorsitzende
Beide sind einzeln vertretungsbefugt und bilden laut § 26 BGB den Vorstand des Vereins.

Uta Atzpodien // Vorstand

Vereinsregister –
Amtsgericht Wuppertal: VR 30873
Finanzamt Wuppertal-Elberfeld: 132/5901/5166

 


NEWSLETTER

Melden Sie sich für den Newsletter von )) freies netz werk )) KULTUR an !

Wichtig!

Nach dem Anmelden erhalten Sie eine E-Mail an die angegebene Adresse. Folgen Sie bitte den Anweisungen in dieser Nachricht und bestätigen Sie damit Ihre Anmeldung.
Nur so werden Sie zukünftig den Newsletter von )) freies netz werk )) KULTUR erhalten.

 

KONTAKT

Sie möchten mehr über unseren Verein und unsere Projekte erfahren?

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!


Postanschrift

)) freies netz werk )) KULTUR e.V.

c/o Atelier Gayk
Trooststr. 5
42107 Wuppertal

Konto- & Spendenverbindung

Stadtsparkasse Wuppertal
IBAN: DE87 3305 0000 0000 8343 66
BIC: WUPSDE33XXX
Konto: 8343 66
BLZ: 33050000

Webhosting / Redaktion

Zara Gayk

 

)) freies netz werk )) KULTUR – 2024 Nutzungsbedingungen Datenschutzerklärung
Nach oben