Gemeinsam und großzügig Haltung für eine Kultur für alle / 16. September 2026 Von Uta Atzpodien Wie sehr ein zukunftsorientierter Austausch beseelen kann, durfte ich kürzlich erleben: Die Utopie-Konferenz in Lüneburg klingt nach, die ich Ende August für eine Recherche besuchen durfte. Es ging um „Großzügigkeit, eine Utopie?“, begleitet von einem Quartett, das sich aus inspirierenden und einigen vermutlich bekannten Persönlichkeiten zusammensetzte, der Transformationsforscherin Maja Göpel, der Philosophin Barbara Bleisch, dem Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt und dem Soziologen Aladin El-Mafaalani. Es war ein dichter Reigen an Veranstaltungen mit etlichen versöhnend-spannenden Impulsgebenden. Wo liegen politische Potenziale der Großzügigkeit? In welchem Verhältnis stehen Knappheit und Großzügigkeit zueinander? Wie können wir dem verbreiteten Misstrauen entgegenwirken? Und was bedeutet es, wenn Großzügigkeit als Vertrauensvorschuss wirkt? Mitgestaltet und unterstützt von vielen jungen Menschen entstand zwischen den bundesweit angereisten Teilnehmenden ganz unterschiedlicher Herkünfte eine bewegende Atmosphäre, um dem Problemknäuel der aktuellen Lage, der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft und der sich verbreitenden Lähmung zu begegnen. Inspirierend begleitet mich die kulturelle Aufgabe, die auf positive Bilder des miteinander Wirkens Einfluss haben kann, Freiheit zur Teilhabe ermöglichen kann und Solidarität mit denen, die uns nicht ähnlich sind. Offenporige Verständigungsräume sind gefragt. Uta Atzpodien - Foto: Ralf Silberkuhl Mit dem Wuppertaler Kulturgipfel, der letzte Woche in der börse stattfand, hat die lebendige Wuppertaler Kulturszene auf eine vibrierende Tradition aufgebaut, wie sie in den letzten zehn Jahren intensiv miteinander weitergewachsen ist. Über die quirlige Teilnahme, das wache Interesse vieler Aktiver der Kulturszene hat er ein kraftvolles Zeichen gesetzt. Themen, wie Finanzen, kulturelle Bildung und für die Kultur relevante Vorhaben wie das entstehende Pina Bausch Zentrum, die BUGA, Perspektiven für die Kaufhof-Immobilie mit Stadtbibliothek und VHS und darauf aufbauend ein Kulturentwicklungsplan, waren zentral, konnten zugleich nur angesprochen werden. Die notwendigen Aushandlungsprozesse sollen „gemeinsam“ geschehen, so betonte es der begeisterte frische Dezernent für Kultur, Sport, Sicherheit und Ordnung Hagen Lippe Weißenfeld in dieser ersten öffentlichen Begegnung mit der vielfältigen Kulturszene und lud zum aufeinander Hören, einem kontinuierlichen Abgleichen unterschiedlicher Sichtweisen ein. Auch hier klangen Utopien und deren konkrete Umsetzung an. Zum Kulturgipfel geladen hatten der Kulturrat und das Kulturbüro. Zur heutigen agilen Lebendigkeit der Kulturszene hat das 2017 gegründete )) freie netz werk )) KULTUR enorm beigetragen. By the way: Da beide Namen nebeneinander zuweilen verwirren, könnte eine real-utopistisch-großzügige Verbindung ein „)) freies netz werk )) KULTUR-Rat“ sein, wie es die Kunststation Wuppertal kürzlich vorschlug. Großzügigkeit ist besonders in Zeiten finanzieller Knappheit gefragt, sie hilft, den Wert der Kultur für unsere Gesellschaft zu erkennen. Besonnenheit braucht es bei Zahlen, klar, jedoch auch Weitblick: Am Sonntag haben im strömenden Regen ca. 1000 Beteiligte Pina Bauschs „Nelken Line“ zum Leben erweckt und von der Lichtburg am Alten Markt bis zum Schauspielhaus ein starkes Zeichen für Kultur gesetzt. Diese hat mit Leidenschaft spürbar gemacht, wie sehr Wuppertal von einer aufrechten Haltung und gar weltweiten Hingabe profitieren kann: So vermag es das Pina Bausch Zentrum, zu einem von beflügelnder Utopie geprägten Magneten zu werden und die Stadt gemeinsam und großzügig anzukurbeln. Feedback an ➜ kolumne@fnwk.de 17