Für Vertrauen muss die Wahrheit stimmen 4. Februar 2026 Von Tine Lowisch Seit diesem denkwürdigen Montag, seit der ersten Sitzung des neu zusammengestellten Rats in diesem Jahr bin ich sehr unglücklich verliebt in meine Stadt. Die Kunst-, Kultur- und Kreativwirtschaft in Wuppertal war doch auf einem guten Weg? Da wurde sich über viele Jahre hinweg immer wieder eingebracht, zusammengerauft und dann doch Vertrauen aufgebaut? Missverständnisse, Paradoxien und Klischees im Umfeld eines immer weiteren Kunst-und Kulturbegriffs konnten so nach und nach auch mal entschlüsselt werden. Tine Lowisch - Foto: Claudia Scheer van Erp Ich denke, wir waren mit einem Kulturdezernenten Matthias Nocke sehr gut unterwegs durch eine engagierte, vernetzte Wuppertaler Kulturlandschaft, die die Begriffe Hochkultur und freie Szene nicht mehr nur als Zuordnung einer zu- oder abgesprochenen Qualität verwendet und verstanden wissen will, sondern vielmehr als das, was diese Begriffe auch bedeuten: Wer in der sogenannten Hochkultur arbeitet, ist innerhalb einer Kulturinstitution fest beschäftigt und das Personal hat eben seinen Preis. Wer in der freien Szene arbeitet, ist entweder künstlerisch freiberuflich, also wirtschaftlich selbstständig, oder macht ein Kunst- und Kulturangebot auf freiwilliger oder ehrenamtlicher Basis. Aus diesen Kreativquellen, aus fest, frei und willig schöpft jede Stadt ihr gesamtes Kulturangebot als Mehrwert, vor allem, wenn sie haushälterisch arm ist. Wir hatten einen engagierten Kulturdezernenten, der die Sachzwänge hierbei immer im Auge behalten und austariert hat. Der verstanden hat, dass Kulturpolitik dabei lediglich die Aufgabe hat, nach besten Kräften gute Rahmenbedingungen zu schaffen, und eigentlich nicht die Aufgabe hat, Kulturprogramme zu kuratieren, also inhaltlich Einfluss auf künstlerischen Ausdruck zu nehmen. Gerne erinnere ich mich dazu an die Kulturtrasse 2017. Da hat die Wuppertaler Kulturszene auf allen Ebenen vertrauensvoll und produktiv zusammengearbeitet und so ein epochales Ereignis geschaffen, das zum Umdenken in der Kulturpolitik in ganz NRW einlud. Und dann kam alles anders: Wuppertal wurde immer ärmer und die Budgets aus zum Beispiel gemeinwohlorientierten Stiftungsvermögen oder auch andere frei verfügbare Mittel mussten immer häufiger darauf verwendet werden, ausschließlich institutionelle Kultureinrichtungen innerhalb vieler Krisen zu stärken und zu stützen. Diese haben sich so ganz gut halten und inhaltlich sogar dazulernen können. Ab und zu übernimmt man hierbei sogar Formate, die in Zusammenarbeit mit der freien Szene geprobt werden, denn innerhalb der Wuppertaler Kultur hilft man sich aus. Die Aufgabe, die jetzt auf die Wuppertaler Kulturpolitik zukommen wird, ist bei dieser Ausgangslage aus meiner Sicht ganz klar: Das Pina Bausch Zentrum muss kommen – genau so, wie es bereits angekündigt und geplant ist. Wenn es also dem zugrunde liegenden Konzept weiter folgt, liegt bei seiner inhaltlichen Ausrichtung als eine Stadtentwickelnde, international renommierte, erste Adresse allerdings der Fokus hoffentlich weiter auf einem kraftvollen Forum Wupperbogen, als fest in die Stadtgesellschaft verankerndem Standbein. Ein viertes Handlungsfeld, indem also auch die Protagonisten der freien Wuppertaler Kunst-und Kulturszene aus allen Sparten eine wichtige Rolle spielen werden und im Gegenzug dafür ihr Publikum bereitwillig mitbringen. Gehen wir diesen gemeinsam beschrittenen Wuppertaler Weg weiter, damit ein 24-Stundenbetrieb in moderner PBZ Architektur aus dieser Stadt heraus in dieser Stadt überhaupt erst gewuppt werden kann. Wie gesagt, wir waren auf einem guten Weg, auch wenn er steinig war. Ihre Meinung an ➜ kolumne@fnwk.de vorheriger Artikel Die Zukunft bleibt unversicherbar 78