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Tiorsten Krug // Die Pandemie treibt Prozesse voran

Radio TALKultur Radio TALKultur

Radio TALKultur

Kunst & Kultur in Wuppertal im Radio vom 9. April 2021

Zukunftslabor Zukunftslabor

Zukunftslabor

Kompass für Transformationspotenziale in Wuppertal

Der Film // Büro für künstlerische Praxis Der Film // Büro für künstlerische Praxis

Der Film // Büro für künstlerische Praxis

Jetzt ansehen // Der Film im Under Construction Festival / Pina Bausch Zentrum 2020

CULTURE - Die Kulturkarte CULTURE - Die Kulturkarte

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Unsere interaktive Karte für Wuppertaler Kulturorte. Auf Entdeckungsreise gehen...

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Hände, die Lichter anzünden und Menschen zusammenführen

1001 Lights

Wuppertaler Verein Tanzrauschen holt Multichannel-Videoinstallation „1001 Lights“ in deutsche Städte.

Von Monika Werner-Staude

Es geht um einen Beitrag zu einem wichtigen Jubiläum, das 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland feiert. Ein Beitrag, der offen ist in alle Richtungen, der Raum zum Nachdenken schafft über das eigene Dasein. Und Judentum in Deutschland mal nicht mit Holocaust und Vernichtung verbindet. Sagt Kerstin Hamburg, Vorstandsvorsitzende von Tanzrauschen. Der Verein hat sich der Förderung der Tanzfilmkultur verschrieben.

1001 Lights – Im Netz gibt es einen Trailer

Er startet in diesem Jahr mit einem neuen Projekt durch, das nicht nur atmosphärisch dicht und bedeutsam, sondern auch flexibel ist - und so bestens zur Zeit und ihren sich ständig ändernden Beschränkungen durch die Corona-Pandemie passt.

„1001 Lights“ wurde binnen eines Jahres durch Marlene Millar und Philip Szporer (Mouvement Perpétuel) Montréal, gefertigt. Das Projekt ist so konzipiert, dass die Besucher nach Belieben ein- und aussteigen können. Die Beleuchtung ist schwach und erinnert an den geschützten Raum, in dem die Schabbat-Kerzen angezündet werden, was eher an einen Ort des Innehaltens und der Besinnung mit diesen Spuren von Menschlichkeit erinnert.

Hände und immer wieder Hände. Sie folgen unbekannten Choreografien, vollführen tänzerische Bewegungen, bedecken Gesichter, klatschen, verwringen sich ineinander. Zünden Kerzen an. Erhellen die Dunkelheit oder schenken dem hellen Tag etwas Festliches.

All das festgehalten in einzelnen Aufnahmen, die nebeneinanderstehen, übereinander geblendet oder wie Pixel zu Mosaiken zusammengefügt werden. Dazu Stimmengewirr, flüsternd, beschwörend. Gebete, Rituale, Wünsche. Eine Soundcollage aus menschlichen Stimmen und sich entzündenden Streihhölzern. Frauen, die Kerzen anzünden und Tänzerinnen, die Hand-Choreografien vollführen.

„1001 Lights“ ist eine 15-minütige „multi-channel video projection installation“, die in Dauerschleife abgespielt wird - auf mehreren Monitoren, deren jeweilige Aufstellung Raum- oder Schaufenster-Erlebnis erlaubt. Die kanadischen Künstler Marlene Millar und Philip Szporer haben mit ihrer Montrealer Produktionsfirma Mouvement Perpétuel die Installation 2016 geschaffen. Seither tourt sie durch die Welt.

Als die Mutter des jüdisch-kanadischen Filmemachers starb, hinterließ sie ihm die Kerzenständer des Schabbat-Rituals. Jeden Freitagabend hatte sie kurz vor dem Sonnenuntergang die Schabbatkerzen angezündet - weniger aus religiösen und mehr aus traditionellen Gründen. „Ein Moment der Erneuerung und bedeutsame Meditation“, so Szporer. Mit „tänzerischem Element“, ergänzt Filmemacherin Marlene Millar, die mit Szporer seit Mitte der 1990er-Jahre zusammen arbeitet. Gemeinsam schufen sie „1001 Lights“, die das Ritual „hochemotional, anschaulich und aus einem choreografischen Blickwinkel“ heraus vermittelt, erklärt Kerstin Hamburg.

Die Wuppertalerin kennt Szporer und Millar schon einige Jahre. Als sie ihr das Projekt 2019 vorstellten, war sie direkt begeistert. “Ich finde es sehr sympathisch, weil es nicht streng und orthodox ist, sondern aus dem alltäglichen jüdischen Leben stammt.“ Es gehe um ein Ritual, den Übergang vom Alltag in die Pause vom Alltag, ins Wochenende, „und darum zu gucken, was uns Menschen miteinander verbindet“, erzählt sie.

Weil 2021 1700 Jahre jüdischen Lebens in Deutschland gedacht wird, stellt das Bundesministerium des Innern für Bau und Heimat rund 22 Millionen Euro für Projekte zur Verfügung, die mitfeiern wollen. Tanzrauschen bewarb sich mit der Idee, „1001 Lights“ auf eine Reise durch Deutschland zu schicken. Im Dezember suchte eine Jury aus, im März kam der positive Entscheid.Tanzrauschen kann loslegen, muss aber noch einen Eigenanteil stemmen, will nun Wuppertaler Unternehmen als Sponsoren gewinnen, die überregional auftreten.

Außerdem wirbt der Verein um Partner in maximal 20 Kommunen, die die Installation bis zum 31. Dezember zeigen wollen, auch mit Tanzrauschen ein Rahmenprogramm entwickeln können. Der Startschuss fällt, flankiert durch Beiträge aus der Bürgerschaft, in der Bremer Schwankhalle am 28. April Der einzige bislang feststehende Termin. „Es sei denn, in Wuppertal findet sich noch früher eine Location“, wirbt Hamburg um Bewerbungen oder Vorschläge. Gesucht werden Locations, die Bezug zu jüdischem Leben und Tradition haben und öffentlichkeitswirksam sind. In Städten wie Köln oder Aachen, Cottbus oder Hoyerswerda, München oder Berlin. Die Installation kann auf kleinen Monitoren oder großen Leinwänden, drinnen oder draußen und an mehreren Orten gleichzeitig gezeigt werden. Vorteil der digitalen Technik.>/p>

Das Projekt soll dem erzwungenen Rückzug der Menschen in der Coronakrise mit “Offenheit und einer Emotionalität, die jeder versteht“, entgegentreten, wünscht sich Hambug. Und dass viele Menschen das Angebot sehen können.

)) Quelle – Westdeutsche Zeitung // 11. April 2021

)) Im Netz – FESTJAHR #2021JLID
   Kalender zum Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

)) Im Netz – TANZRAUSCHEN Website

 

Das Freie Netzwerk Kultur fragte im Netz: „Quo vadis 2021?“ Im Fokus stand der Zustand der Branche angesichts der Pandemie.

Wuppertaler Künstler zwischen Resignation und Zusammenschluss

Von Kristina Hinz

Wie geht es weiter mit Kunst und Kultur? Wo stehen die einzelnen? Welche Pläne und Perspektiven gibt es? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Kunst- und Kulturschaffenden Wuppertals beim digitalen Zoom-Meeting am Donnerstag. Das Freie Netzwerk Kultur stellte dafür die Plattform bereit.

Ideensammlung in der API Bildende Kunst // Fotomontage Zara Gayk
Ideensammlung in der API Bildende Kunst

Freischaffende Musiker, Bildhauer, Veranstalter, Vereinsverantwortliche: Die Hintergründe der Teilnehmer sind unterschiedlich und ebenso ihr Umgang mit der Corona-Krise. Stattfinden kann wenig. „Wir sind der aktuellen Situation mehr als ausgeliefert“, sagte etwa Mira Sasse. Während die einen backen, einen Kopfstand erlernt haben und das erste Stück von Beethoven auf Klavier spielen können – im Privaten –, müssen sie im Beruflichen nach zwei Tagen die Ausstellung wieder schließen oder wiederholt Veranstaltungen absagen. Das führt zu Resignation.

„Wir sind gerade dabei, unsere Tour ein drittes Mal zu verschieben, was auch heißt, dass ich seit einem Jahr keine Showbühne mehr betreten habe. Und ich muss ehrlich zugeben, dass ich wusste, dass mich das belasten wird, doch es belastet mich weit mehr als ich das angenommen habe“, erzählte David J. Becher vom Vollplaybacktheater.

Von Lars Emrich, dem künstlerischen Leiter des Wuppertaler Kinder- und Jugendtheaters, gab es ähnliche Worte: „Ich komme mir vor, wie in einer übermäßigen Inszenierung von ‚Warten auf Godot‘. Es ist ein Warten auf das Ende einer Pandemie. Es ist zermürbend“, sagte er. „Das letzte Jahr war davon geprägt, zu verschieben, zu improvisieren und Alternativpläne zu erstellen, die sowieso wieder hinten rüber gekippt sind.“

Eine „übermäßige Inszenierung von »Warten auf Godot«“

Die Institution des Theaters müsse unter die Menschen gebracht werden. Dementsprechend tut er sich schwer mit digitalen Formaten. Kinder und Jugendliche sollten kein weiteres Bildschirmangebot erhalten.

Es gibt auch positive Wirkungen. „Ich finde, dass wir in der Politik ein ganzes Stück weitergekommen sind“, sagte Lukas Hegemann, der die „Börse“ leitet, im Hinblick auf die Netzwerkpotenziale digitaler Formate. Martina Sailer von „kunst kann‘s“ verriet: „Corona hat bei mir dazu geführt, dass ich mich für den Stadtrat habe aufstellen lassen.“

Und das Netzwerk wächst. Die Tanzstation Barmen und die Gedok Wuppertal sind zum Beispiel neu eingetreten. Es ist ein Austausch untereinander, ein gegenseitiges Unterstützen und Motivieren. „Es sind die Einzelpositionen mal benannt und vorgestellt worden. Ich glaube, das war total wichtig, weil die Leute hungrig sind nach Begegnungen. Das fehlt uns allen“, freute sich Uta Atzpodien.

Kunstschaffende sehen die Bedeutung oder besser das Potenzial im Austausch, in der Kommunikation und in der Vernetzung - bestes Beispiel dafür ist der Jour fixe des Freien Netzwerks Kultur.

)) Quelle – Westdeutsche Zeitung // 27. März 2021

 

Thusnelda Mercy und Pascal Merighi gründen einen Tanzraum in Wuppertal, um die Szene zu vernetzen und junge Künstler zu fördern.

Ein kreativer Raum zwischen Oper und Bahngleisen

Von Bernadette Brutscheid

Noch ist es ruhig, doch im großen Saal des denkmalgeschützten Gebäudes des Barmer Bahnhofs laufen im Hintergrund schon die Vorbereitungen. Hier, zwischen Opernhaus und Bahnsteigen, entsteht ein auf Coworking ausgerichteter digitaler und analoger „Tanzraum plus“ für multidisziplinäres Co-kreatives Arbeiten, initiiert von Thusnelda Mercy und Pascal Merighi. Die beiden ehemaligen Ensemblemitglieder des Tanztheaters Pina Bausch gestalten einen Ort, der in Kooperation mit der nationalen und internationalen freien Tanzszene wachsen soll. „Wir sehen uns als die Impulsgeber und Säulen des Projekts, dessen Entwicklung auch für uns spannend sein wird.“ Interdisziplinär und spartenübergreifend sollen die Projekte sein. Musik, Schreiben, Ausstellungen, alles ist möglich. Daher haben sie sich auf Co-Creative-Work ausgerichtet. Für diesen gemeinschaftlichen Schöpfungsprozess finden lokale, nationale und internationale Akteure hier einen digitalen und analogen Raum. Unterschiedlichste Ausdrucksformen können so entwickelt werden. „Wir haben viele cross-over-Kontakte, die wir dafür nutzen können und auch schon informiert haben“, erzählt Mercy.

Pascal Merighi und Thusnelda Mercy - Foto: Stefan Fries
Pascal Merighi und Thusnelda Mercy gründeten 2014 ihre eigene Kompanie „merighi I mercy“ – Foto: Stefan Fries

Die Verbundenheit zum Ort und zu Wuppertal zeigt sich bereits im Logo, das in Form und Gestaltung an die Bahnhofsuhr mit seinem Schriftzug erinnert. Auf den Raum aufmerksam wurden sie durch Thomas Leipoldt, Pächter des Kiosks im Gebäude und Bruder von Christiane Rydl, Ehefrau des Wiener Kammersängers Kurt Rydl, dem Besitzer des Bahnhofs. „Er stellt uns die Räume dankenswerterweise zur Verfügung“, so Mercy.

Unterstützt und gefördert durch „Tanzpakt Reconnect“ von Diehl+Ritter, einem internationalen Kulturbüro, kann man auf eine gute digitale Ausstattung setzen. „So wird es möglich sein, dass Künstler sich weltweit in Kooperation begeben können“, erklärt Merighi. Ein Lernprozess findet dabei auf beiden Seiten statt, ist sich das Gründerteam sicher. Es geht auch darum, Erfahrungen zu teilen, sich zu unterstützen und voneinander zu lernen. Ob sich die jeweiligen Akteure mit einem Trailer, einem Live-Stream oder einem Teaser an die Öffentlichkeit wenden, entscheiden sie. Denn als Veranstaltungsort ist der Raum eher nicht gedacht. Überlegt wird an Gesprächsrunden, zu denen man sich anmelden kann. Ein Einblick in die Geschehnisse dort soll möglich sein, vielleicht in Form von Tagen der offenen Tür. Auch Kooperationen mit anderen Orten wird es geben, mit dem Ada zum Beispiel. „Wir bereiten und präparieren das Feld und lassen dann wachsen. Natürlich sollen auch junge Künstler hier eine Chance belommen“, so Merighi.

Mit der Idee, eine Plattform für Vernetzung, Begegnung und Präsentation in analoger und digitaler Form zu schaffen, beschäftigten sich die beiden Künstler schon länger. „In diesen Zeiten erst recht“, findet Mercy. Experimentelle Outdoorformate können mit Workshops, Indoor Trainings oder Residenzen verbunden werden. Formate wie „Co-create“ (gemeinsames gestalten). „support train“ (aus Erfahrung lernen) oder „Streamworld“ (Shows, Internationale workhops) werden angeboten.

Thusnelda Mercy und Pascal Merighi gründeten 2014 ihre eigene Kompanie „merighi I mercy.“ Als Choreografen und Tänzer sind sie in der Tanzszene unterwegs. „Ein mit und über Tanz in der Welt sein, ein künstlerisches Erforschen, das – von Begegnungen geprägt – sich menschlichen Momenten des Alltags widmet“, definieren sie es.

Interessenten können sich melden unter presse[at]tanz-station.de oder mobil: 0173 7070640

)) Quelle – Westdeutsche Zeitung // 15. Januar 2021

)) Im Netz – Facebook – Tanz Station Barmer Bahnhof

)) Im Netz – Kompanie merighi | mercy

 

Neue Wege für die Kunst

Kunst im Fenster bietet Denkanstöße im Vorbeigehen

Von Monika Werner-Staude

Die Corona-Krise verändert die gewohnte Welt, stellt nicht erst im zweiten Lockdown etablierte Formen der Kunst in Frage. Eine Chance sei das, ist sich Daniel Hoernemann sicher: „Dafür muss sich die Kunst aber bewegen und neue Wege finden“, appelliert der Künstler und Organisationsentwickler aus Bonn. Geht mit gutem Beispiel voran: Er hat sich neun Worte ausgesucht, die er an eine Fensterscheibe der „Zukunftsküche“ geschrieben hat. Worte, die im Vorbeigehen gelesen und bedacht werden können. Weil die Tür im Lockdown geschlossen bleiben muss, sendet die Einrichtung oberhalb des Wuppertal Instituts nach draußen Lebenszeichen.

Marc Sieczkareks Installation „Don’t be afraid“ kann von draußen betrachtet werden. Foto: Stefan Fries
Marc Sieczkareks Installation „Don’t be afraid“ kann von draußen betrachtet werden. Foto: Stefan Fries

Einen idealen „Möglichkeitsraum“ für Zusammentreffen von Kunst und Wissenschaft hatten die Kunstschaffenden Uta Atzpodien und Daniel Hoernemann in den ehemaligen Kantinenräumen des Wuppertal Instituts am Döppersberg für sich gefunden. Wollten hier eine „Zukunftsküche“ etablieren, deren Inhalte sie gemeinsam mit vielen Künstlern und Wissenschaftlern finden wollten. Die Coronakrise engte die Möglichkeiten ein, unterbindet nun jeden Besuch.

Also muss nach draußen gewirkt werden. „Die Veranstaltungen brechen weg, die Kunst ist still geworden, umso mehr freuen wir uns dank einer Förderung des Kulturbüros die Räume so bespielen zu können“, erzählt Atzpodien. Heißt: Per Zeitschaltuhr werden die Räume täglich von 17 bis 21 Uhr erhellt. Außerdem gestalten Künstler drei Fenster und eine Tür der verwaisten Restauranträume. Zu Anke Büttners Frau, die sie in stolzer und auffordernder Pose auf die Eingangstür gemalt hat, gesellen sich seit dieser Woche Arbeiten von Uta Atzpodien, Daniel Hoernemann und Marc Sieczkarek.

„Don’t be afraid“ ist ein Satz, den der Tänzer, Choreograph und Kostümbildner Sieczkarek aus Kurt Weills „Die sieben Todsünden“ entnommen und für seine Installation mit anderen Inhalten aufgeladen hat. Über ein Jahr hat der Wahl-Wuppertaler dafür grüne Schnapsfläschchen an der Schwebebahnstation Hauptbahnhof gesammelt. Hat „aus der Energie der Menschen“, die sie leer getrunken haben, „etwas Schönes“ gemacht, erklärt er den Upcyclingsgedanken. Zwei unterschiedlich hohe Pflanzengestelle dienen als Lampen. Ihr Äußeres und der Wintermantel einer Schaufensterpuppe hat er feinsäuberlich mit den Fläschchen umkleidet. Mantel und Lampen stammen aus dem Stück „The tired queens garden“, das Sieczkarek 2015 mit Pina Bausch-Tänzern realisierte. Die bemäntelte Puppe schaut auf ein Bild an der Wand. Die darauf gemalte Waldlandschaft ist zu zwei Drittel unter schwarzer Farbe verschwunden. Eine Anspielung auf die Klimakrise. Die mehrdeutige Szene lädt zum Nachdenken über die Krisen dieser Welt ein.

Uta Atzpodien greift auf ihre Netzwerk- und Dramaturgie-Knowhow zurück, projiziert mit einem Overheadprojektor ein pflanzliches Muster auf eine meist weiße Wand. Sie hat sie aus den Pappwürfeln gebaut, die ehedem der kreativen Gestaltung durch Besucher dienten. Auf einem hat Dieter Jandt ein Gedicht geschrieben, „Spuren hinterlassen“, freut sich Atzpodien.

Hoernemann wiederum spielt mit den Begriffen, die beschreiben, „was wir hier machen“: Wissen (Wuppertal Institut), Körper (Kantine), Kunst (kunstschaffende Mieter). Ergänzt das Trio um Verstehen, Nähren, Gestalten sowie Sicherheit, Liebe, Freiheit. Gibt mit auf den Weg, dass die Kunst gerade in der Krise helfen könne, weil sie die Fähigkeit habe, die Perspektive zu wechseln, Freiräume zu schaffen. Und weil, so kritisiert Atzpodien die aktuelle Politik, „die Kunst als Expertin im Umgang mit Unsicherheit eigentlich systemrelevant ist“.

Bis in den Januar hinein wird die „Schaufensterkunst“ bleiben, später soll auch drinnen wieder Leben einkehren können. Mit dem Wuppertal Institut sind die Kreativen im Dialog. Ideen kreisen um Austausch, Gastronomie (vor der Coronakrise waren schon Gespräche mit einem Caterer geführt worden) und den Wunsch nach Gemeinsamkeit. Unabhängig davon appellieren die Kunstschaffenden an Ladeninhaber, Schaufensteranteile gerade jetzt auch als Ausstellungsfläche bereitzustellen.

Info // Schau mal rein

Die „Zukunftsküche“ nahm im September ihre Arbeit in den verwaisten Räumen der Kantine des Wuppertal Instituts am Döppersberg auf. Schon damals konnte man Kunst von draußen durch eine Fenster- beziehungsweise Türscheibe sehen. Neben Anke Büttners Frauen-Bild war dies eine Installation des Lichtkünstlers Gregor Eisenmann mit der Aufforderung beschrieben „Schau mal rein“.

)) Quelle – Westdeutsche Zeitung // 2. Dezember 2020


 

PANDEMiC & ARTS

Podiumsgespräch über die Kunst in Zeiten der Pandemie. Frank N und Zara Gayk vertraten bei der Böll Stiftung NRW den Blick aus Wuppertal auf das Thema unserer Zeit.

Böll Forum / PANDEMiC & ARTS

Mehr zum Thema hier...

)) Böll Forum 2020 – PANDEMiC & ARTS


 

Kunst und Wissenschaft loten Schnittmengen aus

Viele kreative Ideen für verwaiste Restaurant-Räume

Von Monika Werner-Staude

Das Restaurant hat schon bessere Tage gesehen. Die verschachtelt angelegten Räume mit Küche, Vorratskammern, Theke, Essensausgabe und -aufnahme sind schlichtweg verwaist. Und doch wieder nicht. Seit vier Wochen gehen Menschen ein und aus, verabreden sich, denken nach, hinterlassen Spuren. Etwa das Schild „Zukunftsküche“ über dem Eingang. „Wir wollen die Räume sukzessive auf ein höheres Energieniveau bringen“, sagt einer von ihnen.


Anke Büttner, Annika Greven, Uta Atzpodien und Daniel Hoernemann (v.l.) in der Zukunftsküche – Foto: Andreas Fischer

Daniel Hoernemann ist Künstler und Organisationsentwickler. Begleitete als solcher im letzten Jahr auch den Ämtertausch von Opernintendant Schneider und Wuppertal Instituts-Präsident Schneidewind. Damals wie heute geht es darum, Schnittmengen von Kunst und Wissenschaft auszuloten, sich auszutauschen und in die Gesellschaft zu wirken.

Erster Schritt war das Buch „Die Große Transformation – Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels“, mit dem das Wuppertal Institut, damals noch um seinen Präsidenten Uwe Schneidewind, den Begriff „Zukunftskunst“ einführte. Und das Institut auf dem Döppersberg für Ausstellungen und die Begegnung von Kunst, Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft öffnete.

In diesem Geiste standen auch der Film „MenschUtopia“ 2016, der Ämtertausch 2019 oder die Bergischen Klimagespräche. Beim Ämtertausch wurden die leerstehenden Räume neben dem Dürer-Haus „entdeckt“, die ehedem dem Institut als Kantine gedient hatten.

Idealer „Möglichkeitsraum“ für weitere Zusammentreffen von Kunst und Wissenschaft, eine „Zukunftsküche“, finden die Kunstschaffenden Uta Atzpodien und Daniel Hoernemann. Eine Küche, in der man sich nicht gegenseitig in die Töpfe guckt, sondern der Frage nach einer zukünftigen Nutzung nachgeht.

Im vergangenen März wollten die Wuppertalerin und der Bonner vor Ort nach einer Antwort suchen. Die Coronakrise kam dazwischen. Seither warteten sie auf das Go, um die rund hundert Quadratmeter zusammen mit anderen zu „erobern“. Nun sind sie endlich da – mit Zugeständnissen an die Coronakrise: Nur wenige Künstler und Wissenschaftler kommen wirklich, viele treten virtuell in Kontakt. Außerdem präsentiert man sich noch nicht der Öffentlichkeit.

Offener Raum für Reflexion und den Beginn eines Prozesses

Wer an dem Gebäude vorbeigeht und genau hinschaut, kann natürlich doch etwas sehen: Anke Büttner und Gregor Eisenmann haben nach außen sichtbare Zeichen hinterlassen. Die Malerin hat auf die Eingangstür eine ihrer typischen Frauenfiguren aufgebracht, in stolzer und auffordernder Pose. Der Lichtkünstler hat eine seiner faszinierenden Installationen hinter ein Fenster gestellt. „Wenn du willst, kannst du aufmachen“, hat Büttner zudem auf den Boden des Eingangsbereichs und Eisenmann „Schau mal rein“ auf die Fensterscheibe geschrieben.

Aufforderungen zum Handeln und Denken. Und zum Besuch. Vertreter der Sommerakademie für eine klimagerechte Kulturpolitik, die vor kurzem in Wuppertal tagte, schauten vorbei. Und diese Woche der Internationale Beirat. „Es tut sich wirklich viel“, freut sich Dramaturgin Atzpodien, verweist auch auf die gerade fertiggestellte Stadtlandkarte „Zukunftslabor Kunst und Stadt“ (siehe Kasten) und das Prozesshafte des Projekts: „Das ist hier ein offener Reflexionsraum. Wir wollen einen Prozess anleiern, anregen, das ist fast wie bei der sozialen Plastik von Beuys.“

Absprachen darüber, wer was in den Räumen macht, gibt es keine: An einer Wand hängt eine ausgedruckte Studie über Arbeit, an einer anderen wurde gebrainstormt, wieder an einer anderen hängt eine Wuppertal-Karte mit der Aufschrift „autofreie Stadt“.

Überall finden sich Sprüche – von „gemeinsam statt einsam“ bis „slow statt fast“. Auf einem Kochfeld steht „Wissen ist Nahrung“ und der erdende Zusatz „wie viel Kalorien?“, auf einem anderen wird festgestellt, dass Kunst und Wissenschaft „auf kleiner Flamme kochen“, wird Transformation angemahnt.

Überall stehen weiße Pappwürfel bereit, die Menschen gestalten können. Einer ist mit konkreten Raumnutzungsideen beschriftet, als Ort für Gutes oder für Fahrradverleih, für Einzigkartigkeit oder Kitchendance, für Yoga oder Essen.

Die Kreativität solle nicht von oben verordnet, sondern durch das Mitmachen aller erreicht werden, sagt Annika Greven, die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Wuppertal Instituts ist, sich als Sprachrohr von Kunst und Wissenschaft versteht und den Prozess wissenschaftlich begleitet.

Wann der endet, die „Besetzer“ die Küche wieder verlassen müssen, ist offen. Die Zukunft hat ja gerade erst begonnen.

Info Zukunftslabor

Im Zukunftslabor Kunst & Stadt wollen das Freie Netzwerk Kultur und das Wuppertal Institut Transformationspotentiale in der Stadt erforschen. Das Kernteam besteht aus der Dramaturgin Uta Atzpodien, dem wissenschaftlichen Mitarbeiter des Wuppertal Instituts, Matthias Wanner, dem Kulturmanager Christian Koch und dem Graphiker Jens Robbers. Gerade wurde eine Stadtlandkarte fertiggestellt, die „13 inspirierende Orte und ihre Impulse für Kunst, Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit für ein enkeltaugliches Wuppertal“ vorstellt, beispielsweise die Börse, die Kunststation, die Alte Feuerwache, Junior Uni oder das Loch.

)) Weitere Informationen zum Zukunftslabor

)) Quelle – Westdeutsche Zeitung // 4. Oktober 2020


 

Kultur-Austausch

Hilfe für Kölner Initiative

Von Eike Birkmeier

Bei der bis zum 12. September laufenden Veranstaltung liegt der Schwerpunkt auf Mobilität und Klima. Die Fahrt sollte ein Zeichen der Solidarität sein und den Ideenaustausch zwischen Wuppertal und Köln fördern. Mit dabei waren die Dramaturgin Uta Atzpodien, der Mobilitätsaktivist Tobias Maria Freitag, der Musiker Karlo Alaska Wentzel sowie OB-Kandidat Uwe Schneidewind, als Mitinitiator und Schirmherr der Aktion.

Tobias M. Freitag mit dem „jungen Engels“ Foto: Stefan Fries
Tobias M. Freitag mit dem „jungen Engels“ Foto: Stefan Fries

Sie verstehen sich als Botschafter für Kultur, Mobilität und Stadtentwicklung. Eine Gruppe von Wuppertalern machte sich am Sonntag mit Lastenfahrrädern von Vohwinkel nach Köln auf. Ziel war das Hope-Festival im Deutzer Zentralwerk für schöne Künste.

Ein Vorbild für die Kölner ist die Utopiastadt „Wir freuen uns auf einen konstruktiven Dialog“, betont der Oberbürgermeisterkandidat, der das Kölner Projekt schon länger begleitet und dort Beiratsmitglied ist. Der Austausch finde auf Augenhöhe statt. So gehe es bei dem Vorhaben darum, das Deutzer Gelände zu einem Ort des urbanen Experimentierens zu machen. Ein Vorbild sei dabei die Wuppertaler Utopiastadt.

Um ihre Unterstützung zu betonen, hatte die Gruppe einige Kulturgüter aus dem Bergischen Land im Gepäck. Dazu gehörten unter anderem ein Engels-Gemälde des Wuppertaler Malers Christian von Grumbkow, Ausgaben des Kunstmagazins „Die Beste Zeit“ und die Skulptur „Der Junge Engels“ von Eckehard Lowisch. „Ich freue mich sehr darüber, zu dieser Aktion etwas beitragen zu können“, so Lowisch bei der Übergabe an der Vohwinkeler Kunststation. Seine Figur stehe für den Willen zur Veränderung und die Überwindung von Missständen. „Wir wollen diesen Geist der Transformation nach Köln bringen“, ergänzt Tobias Maria Freitag.

Die Fahrt mit den Lastenfahrrädern hatte allerdings eher symbolischen Charakter und führte nur vom Stadtteilzentrum zum Vohwinkeler Bahnhof. Von hier aus nahm die Gruppe den Zug nach Köln. „Aus Rücksicht auf die empfindlichen Kulturgüter und den Zeitplan war das nicht anders machbar“, erläutert Uta Atzopodien. Für sie liegt der Schlüssel in der Kombination der klimafreundlichen Mobilitätsvarianten. „Deshalb liegt uns die Solidarität mit dem Kölner Projekt am Herzen“, so Atzpodien.

Im Vohwinkeler Bahnhof stand für die Gruppe noch ein Besuch des „Future Now“-Festivals auf dem Programm. In dessen Rahmen gab es einen Auftritt der mongolesischen Sängerin Badamkhorol Samdandamba. Die besondere Akustik der Schalterhalle sorgte dabei für Gänsehautmomente.

)) Im Netz – HOPE: DIE KUNST DER TRANSFORMATION 15.08 -12.09.2020 – Raum 13

)) Im Netz – Future Now Festival

)) Quelle – Westdeutsche Zeitung // 24. August 2020


 

Andreas M. Wieses „offizielles“ Porträt ist zu Gast in Eckehard Lowischs Ausstellung „Engels 2020 Skulptur“

Über den Wert der künstlerischen Arbeit

Zwei Künstler lassen nun ihre Engels-Bilder in einen Dialog treten: Andreas M. Wiese steuert das „offizielle“ Porträt bei, Eckehard Lowisch seine freie Skulpturvariante „Engels 2020“. In der Kunststation des Bildhauers im Bahnhof Vohwinkel treffen beide seit letztem Wochenende aufeinander.

Andreas M. Wiese und Eckehard Lowisch - Foto: Andreas Fischer
Engels-Treffen in der Kunststation in Vohwinkel: (v.l.) Andreas M. Wiese und Eckehard Lowisch - Foto: Andreas Fischer

Sich ein Bild von Engels machen – das ist in diesem Jahr in Wuppertal eine beliebte Aufgabe. Vor allem bei Kunstschaffenden. Schließlich jährt sich der Geburtstag des großen Barmer Sohns zum 200. Mal.

Von Monika Werner-Staude

Auch das Engelsjubiläumsjahr hat unter der Coronakrise gelitten. Was für den Maler bedeutete, dass die Tournee seines Bildes durch die Stadt unterbrochen werden musste. Dabei braucht es die Meinung der Menschen, die Wiese akribisch mit einem neun Punkte umfassenden Fragebogen ermitteln will, um am Ende über sein Schicksal zu befinden, dabei auch ein Übermalen nicht ausschließen will. Was die Spannung bis zur Abschlusspräsentation im Neuen Kunstverein Anfang 2021 erhöhen dürfte.

Warum er das tut? Weil er seine Arbeit als Künstler machen, also malen und den Wert dieser Arbeit erfahren will, erklärt er, was sich im Ge- oder Missfallen ebenso ausdrücke wie in der Bereitschaft dafür zu bezahlen oder nicht. „Es geht nicht um das, was Künstler machen, sondern um das, was andere davon denken. Wir sind wie die Arbeiter vom Kapital abhängig“, sagt er und ergänzt, dass er als Vorlage nur deshalb ein Foto des älteren Engelskopfes gewählt habe, weil es die beste Auflösung habe: „Im Grunde kann jeder das offizielle Engels-Bild machen.“

Um den Wert künstlerischer Arbeit geht es auch Eckehard Lowisch, der aber einen anderen Ansatz verfolgt. Er fragt, ob die Digitalisierung den Wert von Kunst gefährdet, wenn diese von Robotern erzeugt wird und grenzenlos reproduzierbar ist. Damit knüpft er bewusst bei Engels an, in dessen Zeit der Wert der Arbeit durch die Erfindung der Webmaschine stark verändert wurde. Lowischs „Engels2020 Skulptur“ basiert auf einer Plastik, die er einst für seine Tochter schuf, und verzichtet auf Engels’ Attribute wie den Rauschebart. Die Coronakrise verhinderte die Teilnahme seines Projekts an der großen Engels-Ausstellung in der Barmer Kunsthalle. Erst jetzt wurde seine Ausstellung mit mannigfachen Größen und Ausführungen der Figur eröffnet. Lowisch ist auf die Reaktionen der Menschen gespannt, die er nicht mittels Fragebogen, sondern mittels Kaufinteresse messen will.

Das Engelsjahr hat beiden Künstlern neue Erkenntnisse über den historischen, vor allem den privaten Revolutionär gebracht. Sie wollen dazu beitragen, dass das Interesse der Menschen in der Stadt an Engels noch wächst, zumal, so Lowisch, dieser Wegweisendes zu den Themen Arbeit, Natur und Nachhaltigkeit geschrieben habe. Ihr Beitrag dazu: Wieses Engels, der Ähnlichkeiten mit diesem hat, ohne, so der Künstler, eine Botschaft daran zu knüpfen. Und Lowischs ganz und gar unähnlicher Engels, der Projektionsfläche für die Auseinandersetzung mit ihm sein will. Im Übrigen schätzen die Künstler die Arbeit des jeweils anderen – wegen deren Idee.

Der Dialog der beiden „Engels-Bilder“ geht am 22. und 23. August, 15 bis 18 Uhr, in der Kunststation, Bahnhof Vohwinkel weiter. Lowischs Ausstellung bleibt danach, Wieses Porträt wandert weiter (weitere Stationen: VHS, Wuppertal Institut, Loch).

)) Im Netz – Eckehard Lowisch: lowisch.de

)) Im Netz – Andreas M. Wiese: amwiese.de

)) Quelle – Westdeutsche Zeitung // 18. August 2020


 

Langsamer Kampf zurück in den Normalbetrieb

Kinder- und Jugendtheater Wuppertal

Von Monika Werner-Staude

Der Arbeitstag von Lars Emrich ist seit einiger Zeit ziemlich voll. Das hat damit zu tun, dass die Coronakrise auch beim Kinder- und Jugendtheater Wuppertal alles durcheinander gewirbelt hat und damit, dass der künstlerische Leiter seit April auch die kaufmännischen Geschäfte des Hauses führt, nachdem Barbara Sydow nach Düsseldorf gegangen ist.

Lars Emrich - Foto: Klaus Dilgerr
Lars Emrich – Foto: Klaus Dilger

Dem 50-jährigen Jubiläum der Einrichtung freilich ist das egal: Es steht für die nächste Spielzeit an. An konkrete Planungen ist der obigen Gründe wegen noch nicht zu denken, „aber“, so der 52-Jährige, „wir sind ja kreative Menschen, und feiern wollen wir so ein tolles Ereignis auf jeden Fall“. Die Bühne war noch im letzten Sommer im Hauruckverfahren erneuert worden, was das Team glücklich machte, weil es neue Möglichkeiten gewonnen hat, dem Publikum aber gar nicht auffalle, lächelt Emrich. Weil die neue Bühne aber großen Einsatz finanzieller und arbeitstechnischer Natur erforderte und die Coronakrise die Einnahmen drückte, verschiebt das Theater den Gedanken an einen eigenen Vorhang – erstmal.

Das Kinder- und Jugendtheater Wuppertal wurde am 24. April 1971 geboren, als zum ersten Mal eine Premiere stattfand. Damals wie heute ohne Vorhang. Damals aber noch als Kindertheater, die „Jugend“ kam im Namen erst später hinzu. Das erste Stück war „Räuber Hotzenplotz“ nach dem Buch von Otfried Preußler. Gespielt wurde damals hauptsächlich im Haus der Jugend in Barmen und im „Mendelssohnsaal“ der Historischen Stadthalle in Elberfeld.

An den 50 Prozent selbst erwirtschafteten Etat-Anteil ist derzeit nicht zu denken, wenn auch die meisten bereits erworbenen Karten nur selten zurückgegeben wurden, die meisten Zuschauer ihre Reservierungen aufrechterhalten, „ihr Stück ja sehen wollen“. Zwar freut sich Emrich aktuell über eine großzügige Spende des Rotarierclubs Wuppertal, das Theater brauche aber weitere Zuwendungen. Die institutionelle Förderung durch Stadt und Land reiche nicht. Die vom Bund gewährte Coronasoforthilfe von 9000 Euro wurde geparkt, bis geklärt ist, wofür sie verwendet werden darf. Außerdem, so Emrich, wird geprüft, ob das Theater die vom Bund angekündigte Förderung „Neustart“ in Anspruch nehmen darf.

Im März zankten sich „Zwei Monster“ zum ersten Mal auf der Bühne des Kinder- und Jugendtheaters. Foto: Lars Emrichr
Im März zankten sich „Zwei Monster“ zum ersten Mal auf der Bühne des Kinder- und Jugendtheaters – Foto: Lars Emrich

Die Premiere von „Zwei Monster“, nach dem Bilderbuch von David McKee ging Anfang März noch über die Bühne. Dann ging „von einem Tag auf den anderen“ nichts mehr. Zwei weitere Produktionen, acht von zehn Aufführungen wurden gecancelt. Dass die Pause drei Monate andauern würde, wurde dem Theaterteam erst allmählich bewusst. Es fuhr auf Sicht, spielte irgendwann verschiedene inhaltliche und finanzielle Szenarien durch, kämpfte und kämpft sich langsam zurück. Die sich immer wieder ändernden Coronaschutzverordnungen stets im Blick.

Seit Anfang Juni wird wieder gespielt. Als erstes fand ein Wochenende der Theaterschule mit vier Aufführungen und jeweils maximal 55 Zuschauern statt. Ein gelungener Testlauf mit einem erhebenden Moment für Emrich, als er wieder Publikum im Zuschauerraum begrüßen durfte. Außerdem wurde das Stück „Zwei Monster“ wieder gezeigt. Vor 60 Zuschauern pro Aufführung. Die Sommerferien werden mit einem ungewöhnlich großen Angebot der Theaterschule gefüllt, bevor im September die neue Spielzeit beginnt. Die holt die verschobene Produktion des Theaterclubs Lampenfieber „Jugend ohne Gott“ von Ödön von Horváth nach und Emrichs Stück über Cybermobbing im Smartphone-Zeitalter, „Das Internet findet dich überall“. Zu Weihnachten gibt es Michael Endes „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“. Und den Beitrag zum Engels-Jubiläumsjahr, ein Stück, das, so Autor Emrich, zum Nachdenken über die Jugendzeit des Revolutionärs anregen soll, wandert ins Frühjahr 2021. Um nicht im Herbst unterzugehen, wenn all die anderen Angebote nachgeholt werden. „Derzeit, gibt es einen ersten Entwurf. Das Stück soll aber mit seinen sechs Schauspielern in den Proben entwickelt werden“, benennt Emrich den Stand.

250 Plätze hat der Zuschauerraum des Theaters im Berufskolleg an der Bundesallee, jede zweite Reihe wurde rausgenommen, „damit die Zuschauer ein gutes und sicheres Gefühl haben, auch wenn die Abstandsgebote nicht mehr gelten“. Emrich will sie nach den Sommerferien weiter prüfen, die Auslastung gen 100 erhöhen, „um im Herbst langsam zur normalen Belegung zu gelangen“. Außerdem müssen die Besucher vorher angeben, mit welcher Gruppe sie kommen, so dass das Theater feste Plätze zuweisen und Rückverfolgbarkeit herstellen kann.

Ein großes Fragezeichen steht derzeit noch hinter den Angeboten für Kindergärten und Schulklassen, die wie die Kartengeschenke, die Unternehmen ihren Mitarbeitern zu Weihnachten machen, wichtige Einnahmequellen des Theaters sind. Einnahmen, die vielleicht auch einen eigenen Theatervorhang ermöglichen könnten.

)) Infos, auch zu Spielplan und Kartenreservierung, im Netz: kinder-jugendtheater.de

)) Quelle – Westdeutsche Zeitung // 23. Juli 2020


 

Handwerker und Künstler zugleich

Ralf Silberkuhl filmt und fotografiert seit vielen Jahren und ist aktuell mit Engels unterwegs.

Von Monika Werner-Staude

Seine Motive findet er überall, in der Welt und in Wuppertal, dieser „verrückt kratzigen Stadt“, in der er geboren wurde. Die der Filmemacher und Fotograf nie wirklich verlassen hat. Ihr und ihrer Schwebebahn setzte er mehrfach filmisch ein Denkmal – etwa in „Wuppertal - die ungeschminkte Stadt“. In diesem Jahr wird Ralf Silberkuhl 60 Jahre alt und beschäftigt sich wieder mit einem anderen Sohn seiner Heimatstadt: Er dokumentiert das Engels-Projekt „when robots make art“ des Bildhauers Eckehard Lowisch. Aktuell stehen die Schnittarbeiten an. Außerdem geht die Engelsfigur auf Tournee durch die Stadt.

Ralf Silberkuhl vor Eckehard Lowischs Engelsfigur. Foto: Andreas Fischer
Auch eine Drohne kann beim Filmen zum Einsatz kommen: Ralf Silberkuhl vor Eckehard Lowischs Engelsfigur. Foto: Andreas Fischer

Die Coronakrise stoppte alle Jobs, die mit Veranstaltungen zu tun haben. Und brachte neue Film-Aufgaben. Streamingarbeiten, eine Ausstellung in Remscheid, die nicht analog besucht werden konnte, ein Auftrag eines Herstellers von Beschichtungsmitteln, die Griffe haftungsresistent, auch gegen Viren, machen. Beim Engels-Projekt verhinderte die Pandemie Aufnahmen an der englischen Südküste, dort, wo die Asche von Friedrich Engels auf eigenen Wunsch im Herbst 1895 im Meer verstreut worden war. Also schneidet Silberkuhl die anderen Filme, die in Wuppertal – zum Beispiel in den Kalkwerken Oetelshofen, in Manchester und im Industriemuseum Textilfabrik Cromford in Ratingen – gedreht wurden. In seinem Unternehmen „6tant“, das er 1999 zusammen mit Lutz Martin Rieder gründet hatte.

Die Agentur „6tant“ erinnert mit ihrem Namen an den Sextanten, der dem Seefahrer half, seine Position zu bestimmen und sein Ziel zu finden. Entsprechend will das Team um Ralf Silberkuhl und Lutz Martin Rieder im Kommunkationsbereich arbeiten.

Das Projekt „when robots make art“ um Eckehard Lowischs Engelsfigur stand vor der Coronakrise im Zusammenhang mit der großen Engelsausstellung in der Kunsthalle Barmen. Nun soll die Figur Teil einer Ausstellung im Lichthof des Barmer Rathauses ab 3. August sein.

Mit zwölf Jahren begann das Interesse am Fotografieren, zunächst mit einem „Ritschratschapparat“, später nahm der 15-/16-Jährige eine Spielgereflexkamera zur Hand, entwickelte die Fotos in seiner flexiblen Dunkelkammer, die er im heimischen Keller auf- und abbaute. „Es faszienierte mich, dokumentarisch zu arbeiten, Partys festzuhalten, ohne sie in Szene zu setzen“, erinnert Silberkuhl, der den Menschen als Lieblingsmotiv benennt, „selbst wenn er gar nicht zu sehen ist, aber eingewirkt, seine Spuren hinterlassen hat“. Aufnahmen die wachsen, sich fügen, nicht vorgeplant werden.

Nach der Schule und mehreren Jobs sowie ausgiebiger Lehrstellensuche ließ sich Silberkuhl in Porträtstudios in Langenberg, Essen und Wanneeickel zum Fotografen ausbilden. Er interessierte sich fürs Videografieren, das in den 80er Jahren aufkam. Drehte erste Kurzfilme – aber analog, weil das von der Ästhetik schöner, wenn auch technisch aufwendiger sei.

Heute bevorzugt der Wuppertaler beim Filmen die digitale, beim Fotografieren die analoge Technik. Ein wiederkehrendes Genre dabei ist der Tanz, für den er eine eigene Leidenschaft entwickelte. Er drehte mit Robert Sturm vom Tanztheater Wuppertal oder mit dem ehemaligen Pina Bausch-Tänzer Jean Laurent Sasportes. Wurde Teil des Tanztheaterprojekts von Barbara Rüdiger. Die Professorin für Stochastik an der Bergischen Universität analysierte Bewegungen in Pina Bausch-Stücken und machte daraus ein eigenes Stück.

Auch wenn die Videoanfänge „mit Riesenkameras und grottenschlechter Qualität“ verbunden waren, blieb Silberkuhl dran, probierte aus. Das Experimentieren sei so etwas wie sein Stil, erklärt der Filmemacher, der nach absolvierter Lehre, Jobs in zwei Fotostudios und 13 Jahren als Leiter der Abteilung audiovisuelle Medien der Stadtwerke, in denen er sich auch zum Meister ausbilden ließ, seit 21 Jahren selbstständig arbeitet.Seine Agentur für Medien und Kommunikation deckt Foto, Print und Film ab, dreht hauptsächlich Industriefilme, Unternehmensporträts, Produktpräsentationen. Silberkuhl schätzt die breite Palette der Tätigkeiten, die Arbeit im Team. Malt oder bildhauert mit seinen Mitteln. Er versteht sich mehr als Handwerker und künstlerisch Forschender. Ein Handwerk, das er beherrscht und doch ständig perfektioniert.

Als Mitglied des freien Netzwerks Kultur kennt er Lowisch, bespielte letztes Jahr im Rahmen der Woga einen Raum in dessen Kunststation im Bürgerbahnhof Vohwinkel. Über eine große LED-Leinwand flimmerten Videos, darunter natürlich auch ein Tanzfilm. Silberkuhl zeigt seine Filme gerne als Installation, über Monitore in Schaufenstern, Unterführungen, Hauswänden. Denkt auch über eine Zusammenarbeit mit dem Wuppertaler Lichtinstallatiionskünstler Gregor Eisenmann nach.

Das Fotografieren vergisst er darüber nicht, will manche Techniken wie etwa die Großbildfotografie oder das Edeldruckverfahren vor dem Aussterben bewahren. Bei der Jahresschau 1999 war er mit drei Akten vertreten, die er als Fotogramme schuf. Denn, so ist Silberkuhl überzeugt, die Digitalisierung werde das analoge Arbeiten gänzlich verdrängen.

)) Info – Ralf Silberkuhl

)) Info – Eckehard Lowisch

)) Quelle – Westdeutsche Zeitung // 21. Juli 2020


 

Im Ada-Gebäude an der Wiesenstraße finden erste Kurse statt. Der Verein Insel renoviert das Obergeschoss und plant Veranstaltungen.

Es wird wieder getanzt auf der Insel

Von Monika Werner-Staude

Torsten Krug ist voller Tatendrang:  „Wir wären doch keine Insel, wenn wir keinen geschützten Raum anböten“, sagt der Insel (Ada)-Vorsitzende. Die Coronakrise hat der im Oktober gegründete Verein genutzt, um im Obergeschoss des Hauses Wiesenstraße 6, direkt über dem Café Ada, klar Schiff zu machen. Sein Ziel: Eine Heimstatt für die verschiedensten kulturellen Aktivitäten, ein „offener Ort auch für Projekte, die woanders nicht funktionieren“. Etwa für die Salsa-Kurse, die wieder im Haus stattfinden und eine alte Tradition im Ada fortführen.

Zara Gayk - Foto: Stefan Fries
Zara Gayk und die anderen Insel-Verein-Mitglieder haben in ihrem Veranstaltungsraum momentan viel aufzuräumen – Foto: Stefan Fries

Die Coronakrise traf den Verein in seinen Anfängen. Noch im Februar hatte man mit großem Enthusiasmus in dem 360 Quadratmeter großen Raum im Ada-Gebäude zur Probe gewohnt, hatte Pläne für Renovierung und Programm geschmiedet und Kontakte zum kreativen Umfeld geknüpft, allen voran zu Mehmet Dok vom Café Ada im Erdgeschoss. Hatte fasziniert den tänzerischen und performativen Aktivitäten des Choreografen Matias Tripodi im Haus zugeschaut. Der Lockdown fuhr jäh dazwischen.

Während sich Regisseur Krug mit dem Gedanken tröstete, dass noch nichts unterschrieben war, also keine finanziellen Verbindlichkeiten bestanden, empfand Zara Zoë Gayk vom Vorstand „totalen Frust“: „Ich sah mich allein zuhause mit meiner Malerei ohne einen einzigen Menschen“, erinnert sich die Künstlerin. Doch rasch entwickelte sich eine rege Kommunikation im digitalen Raum, die sie bis heute in Atem hält. Ein „Mietvertrag unter Coronabedingungen“ wurde geschlossen, mit Luft für einen durchdachten Anfang: „Wir können es uns leisten, langsam vorzugehen, können gerade in einer Zeit der Stagnation vorankommen“, freut sich Krug.

Auf 25 Menschen ist der Verein angewachsen. Darunter viele Künstler, die sich für die Magie des Ortes erwärmen, eine Magie, die auch die Umgebung erreicht, weshalb „plötzlich von überall her Leute auftauchen und helfen“, so Gayk. Gerade erst beim Ausräumen des Dachbodens, bei dem so manches Schätzchen geborgen werden konnte – ein altes Blechschild des Cafés oder Plakate des Tanztheaters Pina Bausch, das das Ada ehedem für sich entdeckt und bekannt gemacht hatte. Inventur- und Streicharbeiten wurden erledigt, die Lampen von der Decke geholt. Der Raum soll wie eine Blackbox genutzt werden können, weshalb neue angeschafft werden sollen. Um mehr Tageslicht reinzulassen, wurden die Fenster hinter der Theke geöffnet, Gleiches könnte mit denen hinter der Bühne geschehen. Noch auf der Agenda steht das Thema sanitäre Anlagen.

Fortschritte macht auch die Finanzierung: Der Verein erhält institutionelle Förderung von der Stadt, Förder-Anträge bei „Neustart“ des Bundes und als Startup bei der Wirtschaftsförderung Wuppertals werden vorbereitet. Bei „Gut für Wuppertal“ wird um Gelder für die Sanierung des Flügels geworben.

Mitte Juni kehrte der Tanz ins Haus zurück. Salsa und Bachata, in Kooperation mit Mehmet Dok und unter strengen Sicherheitsauflagen. Nicht als offene Veranstaltung, sondern als Kurse, die sowohl im Erd- als auch im Obergeschoss stattfinden. Mit freischaffenden Lehrern und festen Paaren, die auf vier erlaubten und auf dem Boden mit Klebebändern markierten Quadratmetern üben. Mit Personalienangabe, um eine Nachverfolgung im Infektionsfall zu ermöglichen.

Mitte August sollen auch Tangokurse angeboten werden. Der soziale Tanz lebe eigentlich vom Partnertausch und von den Milongas, erzählt Gayk. Kontaktsport mit bis zu 30 Personen sei auch wieder erlaubt, so Krug. Aber man wolle langsam vorgehen, ohne die Menschen zu gefährden: Der Tangokurs sei erst mal mit festem Partner gedacht, die Milongas wohl erst 2021 wieder denkbar.

Andere Termine stehen fest: ein Konzert mit Lesungen am Antikriegstag, 1. September, das die Armin T. Wegner Gesellschaft gemeinsam mit dem Schriftstellerverband (VS) organisiert. Am 28. August startet wieder die „Literatur auf der Insel“-Reihe. Verena Güntner kommt ins Café und bringt ihren Roman „Power“ mit. Im Rahmen der verkleinerten Literaturbiennale im Herbst ist eine Veranstaltung mit regionaler Literatur im Ada geplant. Nicht zu vergessen die weiteren Angebote von Theater über klassische Musik, Ausstellungen, Kurse bis hin zu Schulungen, die der Verein anbieten will.
Der Kalender fülle sich für den Herbst, freuen sich Gayk und Krug: „Die Leute sind so glücklich, dass es wieder losgeht, denn sie haben Hunger nach Kultur.“

Info // Insel Verein

Der gemeinnützige Verein Insel wurde im Oktober 2019 gegründet. Er will auch die Geschichte des Hauses Wiesenstraße 6 erforschen. Deshalb freut er sich über Fotos, Geschichten und Informationen. Der Internet-Auftritt des Vereins ist in Arbeit, er ist aber auf Facebook vertreten.

)) Neue Insel Website – insel.news

)) Aktuelles auf Facebook – facebook.com/ADAbedeuetInsel

)) Quelle – Westdeutsche Zeitung // 15. Juli 2020


 

„Out and about – Kunst geht raus“ wird verlängert – auf analogen und digitalen Plakatwänden im Stadtgebiet

Projekt erbrachte bereits mehr als 4000 Euro für den „Eintopf“

von Monika Werner Staude

Von Anfang an gingen sie ihr Ziel „wir helfen uns selber“ auf zwei Wegen an: Akquirierten Gelder für den Solidarfonds „Eintopf“ und schufen zugleich Arbeit. „Wenn wir keine Jobs haben, machen wir uns welche“, fasst Frank N kurz zusammen.

Kunst statt Werbung - Foto: Anna Schwartz
Kunst statt Werbung: Hier ein Werk von Ulrike Möltgen (r.) neben einem von Frank N. Foto: Anna Schwartz

Der Wuppertaler Film- und Fotokünstler hat derzeit einen Fulltimejob, der zwar nicht unbedingt den Mindestlohn einfahre, aber auch keine Selbstausbeutung sei, sagt er. Frank N ist das Herz des Projekts „Out and about - Kunst geht raus“, das seit Ende April die Stadt in eine temporäre Galerie verwandelt. Indem es freie Plakatwände der Firma Ströer nutzt. Diese Woche wurden in einer fünften Runde 30 Bilder geklebt.

Am Anfang waren sie zu viert, im Juni machten 100 Künstler mit, nun kamen acht weitere hinzu, eine weitere Warteliste bildet sich bereits. Zeitweise hingen über 170 Arbeiten aus, einige davon seit April. Zahlen, die die Wandlungsfähigkeit des Vorhabens spiegeln. Das setzte der Lähmung durch den Lockdown der Coronakrise zunächst die Wahrnehmung des „wir sind noch da“ entgegen, wurde im Juni zur beeindruckenden Kunstdemonstration des „wir sind da und wir sind viele“. Seit kurzem heißt es auch Kunst goes digital: 20 ausgewählte Arbeiten flimmern über riesige Infoscreens, die Ströer im Stadtgebiet aufgestellt hat. Das Vermarktungs-Unternehmen hatte den Künstlern das attraktive Angebot gemacht, ihre Bilder auch hier zu präsentieren. Ein Tag Mehrarbeit für Frank N, der die dafür nötigen Filme von den Kunstwerken anfertigte.

Die Resonanz sei nach wie vor gut, Zerstörungen gebe es kaum, Überklebungen finden natürlich immer wieder statt, berichtet der Filmemacher. Einmal heftete ein Unbekannter einen kleinen Zettel mit einer Schlüsselbundsuche auf ein Bild von Birgit Parduhn, ein andermal verschwanden zwei Arbeiten von Andrea Raak und Uwe Becker samt Plakatwänden. Der vermeintliche Kunstraub beschäftigte tagelang die Sozialen Medien, bis herauskam, dass die Reparaturabteilung von Ströer die baufälligen Wände abgebaut hatte, nicht wissend, dass diese gerade für die Ausstellung genutzt wurden. Mittlerweile hängen die Bilder wieder. „Wir fahren die Stationen ab, können natürlich nicht alles im Blick haben“, erzählt Frank N. Mit der Kontrolle wird die Website aktuell gehalten, die über die Kunstwerke informiert und Interessierten sagt, wo sie diese finden können.

Knapp über 4000 Euro sind mittlweile für den „Eintopf“ zusammengekommen, mehr als 800 Euro davon durch Anmeldegebühren der dritten Runde, 3200 Euro durch Bilderverkauf. Weitere Spenden nicht ausgeschlossen. In den Ferien sollen einige Minirunden folgen, um in Erinnerung zu bleiben, man werde weniger, ohne einfach zu verschwinden. Überlegungen kreisen um eine große finale Runde mit allen Teilnehmern im Herbst. Die aber hänge von vielem ab, so Frank N – von Ströer, von externer Unterstützung, um Künstler und Organisatoren zu entlasten. Geliebäugelt wird auch mit einer Publikation, die das Projekt festhält, mit attraktiven Bildern und Informationen. „Da müssten dann alle rein, das wären mindestens 200 Seiten“, überlegt der Künstler und sagt: „Über die Finanzierung denken wir nach, wenn wir für uns klar sind.“

)) Mehr über „Out and about – Kunst geht raus“

)) Weiter zum EinTopf Solidarfonds

)) Quelle Westdeutsche Zeitung // 8. Juli 2020


 

Kunst und Kultur regen den Stoffwechsel unserer Stadt an. Sie verbessern die Lebensqualität und gestalten das Selbstportrait von Stadt und Region.

)) freies netz werk )) KULTUR e.V. ist ein interdisziplinäres Bündnis für alle, die die starke und vielfältige Kultur in Wuppertal und Umgebung ermöglichen, unterstützen, erleben und ausbauen wollen. Weiterlesen...

 

 

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Finanzamt Wuppertal-Elberfeld: 132/5901/5166

 


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