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Torsten Krug // Ausgehustet / Das Publikum ist durch die Auflagen wegen der Corona-Pandemie rar geworden.

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Kunst & Kultur in Wuppertal im Radio vom 11. September 2020

 

Kultur-Austausch

Hilfe für Kölner Initiative

Von Eike Birkmeier

Bei der bis zum 12. September laufenden Veranstaltung liegt der Schwerpunkt auf Mobilität und Klima. Die Fahrt sollte ein Zeichen der Solidarität sein und den Ideenaustausch zwischen Wuppertal und Köln fördern. Mit dabei waren die Dramaturgin Uta Atzpodien, der Mobilitätsaktivist Tobias Maria Freitag, der Musiker Karlo Alaska Wentzel sowie OB-Kandidat Uwe Schneidewind, als Mitinitiator und Schirmherr der Aktion.

Tobias M. Freitag mit dem „jungen Engels“ Foto: Stefan Fries
Tobias M. Freitag mit dem „jungen Engels“ Foto: Stefan Fries

Sie verstehen sich als Botschafter für Kultur, Mobilität und Stadtentwicklung. Eine Gruppe von Wuppertalern machte sich am Sonntag mit Lastenfahrrädern von Vohwinkel nach Köln auf. Ziel war das Hope-Festival im Deutzer Zentralwerk für schöne Künste.

Ein Vorbild für die Kölner ist die Utopiastadt „Wir freuen uns auf einen konstruktiven Dialog“, betont der Oberbürgermeisterkandidat, der das Kölner Projekt schon länger begleitet und dort Beiratsmitglied ist. Der Austausch finde auf Augenhöhe statt. So gehe es bei dem Vorhaben darum, das Deutzer Gelände zu einem Ort des urbanen Experimentierens zu machen. Ein Vorbild sei dabei die Wuppertaler Utopiastadt.

Um ihre Unterstützung zu betonen, hatte die Gruppe einige Kulturgüter aus dem Bergischen Land im Gepäck. Dazu gehörten unter anderem ein Engels-Gemälde des Wuppertaler Malers Christian von Grumbkow, Ausgaben des Kunstmagazins „Die Beste Zeit“ und die Skulptur „Der Junge Engels“ von Eckehard Lowisch. „Ich freue mich sehr darüber, zu dieser Aktion etwas beitragen zu können“, so Lowisch bei der Übergabe an der Vohwinkeler Kunststation. Seine Figur stehe für den Willen zur Veränderung und die Überwindung von Missständen. „Wir wollen diesen Geist der Transformation nach Köln bringen“, ergänzt Tobias Maria Freitag.

Die Fahrt mit den Lastenfahrrädern hatte allerdings eher symbolischen Charakter und führte nur vom Stadtteilzentrum zum Vohwinkeler Bahnhof. Von hier aus nahm die Gruppe den Zug nach Köln. „Aus Rücksicht auf die empfindlichen Kulturgüter und den Zeitplan war das nicht anders machbar“, erläutert Uta Atzopodien. Für sie liegt der Schlüssel in der Kombination der klimafreundlichen Mobilitätsvarianten. „Deshalb liegt uns die Solidarität mit dem Kölner Projekt am Herzen“, so Atzpodien.

Im Vohwinkeler Bahnhof stand für die Gruppe noch ein Besuch des „Future Now“-Festivals auf dem Programm. In dessen Rahmen gab es einen Auftritt der mongolesischen Sängerin Badamkhorol Samdandamba. Die besondere Akustik der Schalterhalle sorgte dabei für Gänsehautmomente.

)) Im Netz – HOPE: DIE KUNST DER TRANSFORMATION 15.08 -12.09.2020 – Raum 13

)) Im Netz – Future Now Festival

)) Quelle – Westdeutsche Zeitung // 24. August 2020


 

Andreas M. Wieses „offizielles“ Porträt ist zu Gast in Eckehard Lowischs Ausstellung „Engels 2020 Skulptur“

Über den Wert der künstlerischen Arbeit

Zwei Künstler lassen nun ihre Engels-Bilder in einen Dialog treten: Andreas M. Wiese steuert das „offizielle“ Porträt bei, Eckehard Lowisch seine freie Skulpturvariante „Engels 2020“. In der Kunststation des Bildhauers im Bahnhof Vohwinkel treffen beide seit letztem Wochenende aufeinander.

Andreas M. Wiese und Eckehard Lowisch - Foto: Andreas Fischer
Engels-Treffen in der Kunststation in Vohwinkel: (v.l.) Andreas M. Wiese und Eckehard Lowisch - Foto: Andreas Fischer

Sich ein Bild von Engels machen – das ist in diesem Jahr in Wuppertal eine beliebte Aufgabe. Vor allem bei Kunstschaffenden. Schließlich jährt sich der Geburtstag des großen Barmer Sohns zum 200. Mal.

Von Monika Werner-Staude

Auch das Engelsjubiläumsjahr hat unter der Coronakrise gelitten. Was für den Maler bedeutete, dass die Tournee seines Bildes durch die Stadt unterbrochen werden musste. Dabei braucht es die Meinung der Menschen, die Wiese akribisch mit einem neun Punkte umfassenden Fragebogen ermitteln will, um am Ende über sein Schicksal zu befinden, dabei auch ein Übermalen nicht ausschließen will. Was die Spannung bis zur Abschlusspräsentation im Neuen Kunstverein Anfang 2021 erhöhen dürfte.

Warum er das tut? Weil er seine Arbeit als Künstler machen, also malen und den Wert dieser Arbeit erfahren will, erklärt er, was sich im Ge- oder Missfallen ebenso ausdrücke wie in der Bereitschaft dafür zu bezahlen oder nicht. „Es geht nicht um das, was Künstler machen, sondern um das, was andere davon denken. Wir sind wie die Arbeiter vom Kapital abhängig“, sagt er und ergänzt, dass er als Vorlage nur deshalb ein Foto des älteren Engelskopfes gewählt habe, weil es die beste Auflösung habe: „Im Grunde kann jeder das offizielle Engels-Bild machen.“

Um den Wert künstlerischer Arbeit geht es auch Eckehard Lowisch, der aber einen anderen Ansatz verfolgt. Er fragt, ob die Digitalisierung den Wert von Kunst gefährdet, wenn diese von Robotern erzeugt wird und grenzenlos reproduzierbar ist. Damit knüpft er bewusst bei Engels an, in dessen Zeit der Wert der Arbeit durch die Erfindung der Webmaschine stark verändert wurde. Lowischs „Engels2020 Skulptur“ basiert auf einer Plastik, die er einst für seine Tochter schuf, und verzichtet auf Engels’ Attribute wie den Rauschebart. Die Coronakrise verhinderte die Teilnahme seines Projekts an der großen Engels-Ausstellung in der Barmer Kunsthalle. Erst jetzt wurde seine Ausstellung mit mannigfachen Größen und Ausführungen der Figur eröffnet. Lowisch ist auf die Reaktionen der Menschen gespannt, die er nicht mittels Fragebogen, sondern mittels Kaufinteresse messen will.

Das Engelsjahr hat beiden Künstlern neue Erkenntnisse über den historischen, vor allem den privaten Revolutionär gebracht. Sie wollen dazu beitragen, dass das Interesse der Menschen in der Stadt an Engels noch wächst, zumal, so Lowisch, dieser Wegweisendes zu den Themen Arbeit, Natur und Nachhaltigkeit geschrieben habe. Ihr Beitrag dazu: Wieses Engels, der Ähnlichkeiten mit diesem hat, ohne, so der Künstler, eine Botschaft daran zu knüpfen. Und Lowischs ganz und gar unähnlicher Engels, der Projektionsfläche für die Auseinandersetzung mit ihm sein will. Im Übrigen schätzen die Künstler die Arbeit des jeweils anderen – wegen deren Idee.

Der Dialog der beiden „Engels-Bilder“ geht am 22. und 23. August, 15 bis 18 Uhr, in der Kunststation, Bahnhof Vohwinkel weiter. Lowischs Ausstellung bleibt danach, Wieses Porträt wandert weiter (weitere Stationen: VHS, Wuppertal Institut, Loch).

)) Im Netz – Eckehard Lowisch: lowisch.de

)) Im Netz – Andreas M. Wiese: amwiese.de

)) Quelle – Westdeutsche Zeitung // 18. August 2020


 

Langsamer Kampf zurück in den Normalbetrieb

Kinder- und Jugendtheater Wuppertal

Von Monika Werner-Staude

Der Arbeitstag von Lars Emrich ist seit einiger Zeit ziemlich voll. Das hat damit zu tun, dass die Coronakrise auch beim Kinder- und Jugendtheater Wuppertal alles durcheinander gewirbelt hat und damit, dass der künstlerische Leiter seit April auch die kaufmännischen Geschäfte des Hauses führt, nachdem Barbara Sydow nach Düsseldorf gegangen ist.

Lars Emrich - Foto: Klaus Dilgerr
Lars Emrich – Foto: Klaus Dilger

Dem 50-jährigen Jubiläum der Einrichtung freilich ist das egal: Es steht für die nächste Spielzeit an. An konkrete Planungen ist der obigen Gründe wegen noch nicht zu denken, „aber“, so der 52-Jährige, „wir sind ja kreative Menschen, und feiern wollen wir so ein tolles Ereignis auf jeden Fall“. Die Bühne war noch im letzten Sommer im Hauruckverfahren erneuert worden, was das Team glücklich machte, weil es neue Möglichkeiten gewonnen hat, dem Publikum aber gar nicht auffalle, lächelt Emrich. Weil die neue Bühne aber großen Einsatz finanzieller und arbeitstechnischer Natur erforderte und die Coronakrise die Einnahmen drückte, verschiebt das Theater den Gedanken an einen eigenen Vorhang – erstmal.

Das Kinder- und Jugendtheater Wuppertal wurde am 24. April 1971 geboren, als zum ersten Mal eine Premiere stattfand. Damals wie heute ohne Vorhang. Damals aber noch als Kindertheater, die „Jugend“ kam im Namen erst später hinzu. Das erste Stück war „Räuber Hotzenplotz“ nach dem Buch von Otfried Preußler. Gespielt wurde damals hauptsächlich im Haus der Jugend in Barmen und im „Mendelssohnsaal“ der Historischen Stadthalle in Elberfeld.

An den 50 Prozent selbst erwirtschafteten Etat-Anteil ist derzeit nicht zu denken, wenn auch die meisten bereits erworbenen Karten nur selten zurückgegeben wurden, die meisten Zuschauer ihre Reservierungen aufrechterhalten, „ihr Stück ja sehen wollen“. Zwar freut sich Emrich aktuell über eine großzügige Spende des Rotarierclubs Wuppertal, das Theater brauche aber weitere Zuwendungen. Die institutionelle Förderung durch Stadt und Land reiche nicht. Die vom Bund gewährte Coronasoforthilfe von 9000 Euro wurde geparkt, bis geklärt ist, wofür sie verwendet werden darf. Außerdem, so Emrich, wird geprüft, ob das Theater die vom Bund angekündigte Förderung „Neustart“ in Anspruch nehmen darf.

Im März zankten sich „Zwei Monster“ zum ersten Mal auf der Bühne des Kinder- und Jugendtheaters. Foto: Lars Emrichr
Im März zankten sich „Zwei Monster“ zum ersten Mal auf der Bühne des Kinder- und Jugendtheaters – Foto: Lars Emrich

Die Premiere von „Zwei Monster“, nach dem Bilderbuch von David McKee ging Anfang März noch über die Bühne. Dann ging „von einem Tag auf den anderen“ nichts mehr. Zwei weitere Produktionen, acht von zehn Aufführungen wurden gecancelt. Dass die Pause drei Monate andauern würde, wurde dem Theaterteam erst allmählich bewusst. Es fuhr auf Sicht, spielte irgendwann verschiedene inhaltliche und finanzielle Szenarien durch, kämpfte und kämpft sich langsam zurück. Die sich immer wieder ändernden Coronaschutzverordnungen stets im Blick.

Seit Anfang Juni wird wieder gespielt. Als erstes fand ein Wochenende der Theaterschule mit vier Aufführungen und jeweils maximal 55 Zuschauern statt. Ein gelungener Testlauf mit einem erhebenden Moment für Emrich, als er wieder Publikum im Zuschauerraum begrüßen durfte. Außerdem wurde das Stück „Zwei Monster“ wieder gezeigt. Vor 60 Zuschauern pro Aufführung. Die Sommerferien werden mit einem ungewöhnlich großen Angebot der Theaterschule gefüllt, bevor im September die neue Spielzeit beginnt. Die holt die verschobene Produktion des Theaterclubs Lampenfieber „Jugend ohne Gott“ von Ödön von Horváth nach und Emrichs Stück über Cybermobbing im Smartphone-Zeitalter, „Das Internet findet dich überall“. Zu Weihnachten gibt es Michael Endes „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“. Und den Beitrag zum Engels-Jubiläumsjahr, ein Stück, das, so Autor Emrich, zum Nachdenken über die Jugendzeit des Revolutionärs anregen soll, wandert ins Frühjahr 2021. Um nicht im Herbst unterzugehen, wenn all die anderen Angebote nachgeholt werden. „Derzeit, gibt es einen ersten Entwurf. Das Stück soll aber mit seinen sechs Schauspielern in den Proben entwickelt werden“, benennt Emrich den Stand.

250 Plätze hat der Zuschauerraum des Theaters im Berufskolleg an der Bundesallee, jede zweite Reihe wurde rausgenommen, „damit die Zuschauer ein gutes und sicheres Gefühl haben, auch wenn die Abstandsgebote nicht mehr gelten“. Emrich will sie nach den Sommerferien weiter prüfen, die Auslastung gen 100 erhöhen, „um im Herbst langsam zur normalen Belegung zu gelangen“. Außerdem müssen die Besucher vorher angeben, mit welcher Gruppe sie kommen, so dass das Theater feste Plätze zuweisen und Rückverfolgbarkeit herstellen kann.

Ein großes Fragezeichen steht derzeit noch hinter den Angeboten für Kindergärten und Schulklassen, die wie die Kartengeschenke, die Unternehmen ihren Mitarbeitern zu Weihnachten machen, wichtige Einnahmequellen des Theaters sind. Einnahmen, die vielleicht auch einen eigenen Theatervorhang ermöglichen könnten.

)) Infos, auch zu Spielplan und Kartenreservierung, im Netz: kinder-jugendtheater.de

)) Quelle – Westdeutsche Zeitung // 23. Juli 2020


 

Handwerker und Künstler zugleich

Ralf Silberkuhl filmt und fotografiert seit vielen Jahren und ist aktuell mit Engels unterwegs.

Von Monika Werner-Staude

Seine Motive findet er überall, in der Welt und in Wuppertal, dieser „verrückt kratzigen Stadt“, in der er geboren wurde. Die der Filmemacher und Fotograf nie wirklich verlassen hat. Ihr und ihrer Schwebebahn setzte er mehrfach filmisch ein Denkmal – etwa in „Wuppertal - die ungeschminkte Stadt“. In diesem Jahr wird Ralf Silberkuhl 60 Jahre alt und beschäftigt sich wieder mit einem anderen Sohn seiner Heimatstadt: Er dokumentiert das Engels-Projekt „when robots make art“ des Bildhauers Eckehard Lowisch. Aktuell stehen die Schnittarbeiten an. Außerdem geht die Engelsfigur auf Tournee durch die Stadt.

Ralf Silberkuhl vor Eckehard Lowischs Engelsfigur. Foto: Andreas Fischer
Auch eine Drohne kann beim Filmen zum Einsatz kommen: Ralf Silberkuhl vor Eckehard Lowischs Engelsfigur. Foto: Andreas Fischer

Die Coronakrise stoppte alle Jobs, die mit Veranstaltungen zu tun haben. Und brachte neue Film-Aufgaben. Streamingarbeiten, eine Ausstellung in Remscheid, die nicht analog besucht werden konnte, ein Auftrag eines Herstellers von Beschichtungsmitteln, die Griffe haftungsresistent, auch gegen Viren, machen. Beim Engels-Projekt verhinderte die Pandemie Aufnahmen an der englischen Südküste, dort, wo die Asche von Friedrich Engels auf eigenen Wunsch im Herbst 1895 im Meer verstreut worden war. Also schneidet Silberkuhl die anderen Filme, die in Wuppertal – zum Beispiel in den Kalkwerken Oetelshofen, in Manchester und im Industriemuseum Textilfabrik Cromford in Ratingen – gedreht wurden. In seinem Unternehmen „6tant“, das er 1999 zusammen mit Lutz Martin Rieder gründet hatte.

Die Agentur „6tant“ erinnert mit ihrem Namen an den Sextanten, der dem Seefahrer half, seine Position zu bestimmen und sein Ziel zu finden. Entsprechend will das Team um Ralf Silberkuhl und Lutz Martin Rieder im Kommunkationsbereich arbeiten.

Das Projekt „when robots make art“ um Eckehard Lowischs Engelsfigur stand vor der Coronakrise im Zusammenhang mit der großen Engelsausstellung in der Kunsthalle Barmen. Nun soll die Figur Teil einer Ausstellung im Lichthof des Barmer Rathauses ab 3. August sein.

Mit zwölf Jahren begann das Interesse am Fotografieren, zunächst mit einem „Ritschratschapparat“, später nahm der 15-/16-Jährige eine Spielgereflexkamera zur Hand, entwickelte die Fotos in seiner flexiblen Dunkelkammer, die er im heimischen Keller auf- und abbaute. „Es faszienierte mich, dokumentarisch zu arbeiten, Partys festzuhalten, ohne sie in Szene zu setzen“, erinnert Silberkuhl, der den Menschen als Lieblingsmotiv benennt, „selbst wenn er gar nicht zu sehen ist, aber eingewirkt, seine Spuren hinterlassen hat“. Aufnahmen die wachsen, sich fügen, nicht vorgeplant werden.

Nach der Schule und mehreren Jobs sowie ausgiebiger Lehrstellensuche ließ sich Silberkuhl in Porträtstudios in Langenberg, Essen und Wanneeickel zum Fotografen ausbilden. Er interessierte sich fürs Videografieren, das in den 80er Jahren aufkam. Drehte erste Kurzfilme – aber analog, weil das von der Ästhetik schöner, wenn auch technisch aufwendiger sei.

Heute bevorzugt der Wuppertaler beim Filmen die digitale, beim Fotografieren die analoge Technik. Ein wiederkehrendes Genre dabei ist der Tanz, für den er eine eigene Leidenschaft entwickelte. Er drehte mit Robert Sturm vom Tanztheater Wuppertal oder mit dem ehemaligen Pina Bausch-Tänzer Jean Laurent Sasportes. Wurde Teil des Tanztheaterprojekts von Barbara Rüdiger. Die Professorin für Stochastik an der Bergischen Universität analysierte Bewegungen in Pina Bausch-Stücken und machte daraus ein eigenes Stück.

Auch wenn die Videoanfänge „mit Riesenkameras und grottenschlechter Qualität“ verbunden waren, blieb Silberkuhl dran, probierte aus. Das Experimentieren sei so etwas wie sein Stil, erklärt der Filmemacher, der nach absolvierter Lehre, Jobs in zwei Fotostudios und 13 Jahren als Leiter der Abteilung audiovisuelle Medien der Stadtwerke, in denen er sich auch zum Meister ausbilden ließ, seit 21 Jahren selbstständig arbeitet.Seine Agentur für Medien und Kommunikation deckt Foto, Print und Film ab, dreht hauptsächlich Industriefilme, Unternehmensporträts, Produktpräsentationen. Silberkuhl schätzt die breite Palette der Tätigkeiten, die Arbeit im Team. Malt oder bildhauert mit seinen Mitteln. Er versteht sich mehr als Handwerker und künstlerisch Forschender. Ein Handwerk, das er beherrscht und doch ständig perfektioniert.

Als Mitglied des freien Netzwerks Kultur kennt er Lowisch, bespielte letztes Jahr im Rahmen der Woga einen Raum in dessen Kunststation im Bürgerbahnhof Vohwinkel. Über eine große LED-Leinwand flimmerten Videos, darunter natürlich auch ein Tanzfilm. Silberkuhl zeigt seine Filme gerne als Installation, über Monitore in Schaufenstern, Unterführungen, Hauswänden. Denkt auch über eine Zusammenarbeit mit dem Wuppertaler Lichtinstallatiionskünstler Gregor Eisenmann nach.

Das Fotografieren vergisst er darüber nicht, will manche Techniken wie etwa die Großbildfotografie oder das Edeldruckverfahren vor dem Aussterben bewahren. Bei der Jahresschau 1999 war er mit drei Akten vertreten, die er als Fotogramme schuf. Denn, so ist Silberkuhl überzeugt, die Digitalisierung werde das analoge Arbeiten gänzlich verdrängen.

)) Info – Ralf Silberkuhl

)) Info – Eckehard Lowisch

)) Quelle – Westdeutsche Zeitung // 21. Juli 2020


 

Im Ada-Gebäude an der Wiesenstraße finden erste Kurse statt. Der Verein Insel renoviert das Obergeschoss und plant Veranstaltungen.

Es wird wieder getanzt auf der Insel

Von Monika Werner-Staude

Torsten Krug ist voller Tatendrang:  „Wir wären doch keine Insel, wenn wir keinen geschützten Raum anböten“, sagt der Insel (Ada)-Vorsitzende. Die Coronakrise hat der im Oktober gegründete Verein genutzt, um im Obergeschoss des Hauses Wiesenstraße 6, direkt über dem Café Ada, klar Schiff zu machen. Sein Ziel: Eine Heimstatt für die verschiedensten kulturellen Aktivitäten, ein „offener Ort auch für Projekte, die woanders nicht funktionieren“. Etwa für die Salsa-Kurse, die wieder im Haus stattfinden und eine alte Tradition im Ada fortführen.

Zara Gayk - Foto: Stefan Fries
Zara Gayk und die anderen Insel-Verein-Mitglieder haben momentan viel aufzuräumen in ihrem Veranstaltungsraum. Foto: Stefan Fries

Die Coronakrise traf den Verein in seinen Anfängen. Noch im Februar hatte man mit großem Enthusiasmus in dem 360 Quadratmeter großen Raum im Ada-Gebäude zur Probe gewohnt, hatte Pläne für Renovierung und Programm geschmiedet und Kontakte zum kreativen Umfeld geknüpft, allen voran zu Mehmet Dok vom Café Ada im Erdgeschoss. Hatte fasziniert den tänzerischen und performativen Aktivitäten des Choreografen Matias Tripodi im Haus zugeschaut. Der Lockdown fuhr jäh dazwischen.

Während sich Regisseur Krug mit dem Gedanken tröstete, dass noch nichts unterschrieben war, also keine finanziellen Verbindlichkeiten bestanden, empfand Zara Zoë Gayk vom Vorstand „totalen Frust“: „Ich sah mich allein zuhause mit meiner Malerei ohne einen einzigen Menschen“, erinnert sich die Künstlerin. Doch rasch entwickelte sich eine rege Kommunikation im digitalen Raum, die sie bis heute in Atem hält. Ein „Mietvertrag unter Coronabedingungen“ wurde geschlossen, mit Luft für einen durchdachten Anfang: „Wir können es uns leisten, langsam vorzugehen, können gerade in einer Zeit der Stagnation vorankommen“, freut sich Krug.

Auf 25 Menschen ist der Verein angewachsen. Darunter viele Künstler, die sich für die Magie des Ortes erwärmen, eine Magie, die auch die Umgebung erreicht, weshalb „plötzlich von überall her Leute auftauchen und helfen“, so Gayk. Gerade erst beim Ausräumen des Dachbodens, bei dem so manches Schätzchen geborgen werden konnte – ein altes Blechschild des Cafés oder Plakate des Tanztheaters Pina Bausch, das das Ada ehedem für sich entdeckt und bekannt gemacht hatte. Inventur- und Streicharbeiten wurden erledigt, die Lampen von der Decke geholt. Der Raum soll wie eine Blackbox genutzt werden können, weshalb neue angeschafft werden sollen. Um mehr Tageslicht reinzulassen, wurden die Fenster hinter der Theke geöffnet, Gleiches könnte mit denen hinter der Bühne geschehen. Noch auf der Agenda steht das Thema sanitäre Anlagen.

Fortschritte macht auch die Finanzierung: Der Verein erhält institutionelle Förderung von der Stadt, Förder-Anträge bei „Neustart“ des Bundes und als Startup bei der Wirtschaftsförderung Wuppertals werden vorbereitet. Bei „Gut für Wuppertal“ wird um Gelder für die Sanierung des Flügels geworben.

Mitte Juni kehrte der Tanz ins Haus zurück. Salsa und Bachata, in Kooperation mit Mehmet Dok und unter strengen Sicherheitsauflagen. Nicht als offene Veranstaltung, sondern als Kurse, die sowohl im Erd- als auch im Obergeschoss stattfinden. Mit freischaffenden Lehrern und festen Paaren, die auf vier erlaubten und auf dem Boden mit Klebebändern markierten Quadratmetern üben. Mit Personalienangabe, um eine Nachverfolgung im Infektionsfall zu ermöglichen.

Mitte August sollen auch Tangokurse angeboten werden. Der soziale Tanz lebe eigentlich vom Partnertausch und von den Milongas, erzählt Gayk. Kontaktsport mit bis zu 30 Personen sei auch wieder erlaubt, so Krug. Aber man wolle langsam vorgehen, ohne die Menschen zu gefährden: Der Tangokurs sei erst mal mit festem Partner gedacht, die Milongas wohl erst 2021 wieder denkbar.

Andere Termine stehen fest: ein Konzert mit Lesungen am Antikriegstag, 1. September, das die Armin T. Wegner Gesellschaft gemeinsam mit dem Schriftstellerverband (VS) organisiert. Am 28. August startet wieder die „Literatur auf der Insel“-Reihe. Verena Güntner kommt ins Café und bringt ihren Roman „Power“ mit. Im Rahmen der verkleinerten Literaturbiennale im Herbst ist eine Veranstaltung mit regionaler Literatur im Ada geplant. Nicht zu vergessen die weiteren Angebote von Theater über klassische Musik, Ausstellungen, Kurse bis hin zu Schulungen, die der Verein anbieten will.
Der Kalender fülle sich für den Herbst, freuen sich Gayk und Krug: „Die Leute sind so glücklich, dass es wieder losgeht, denn sie haben Hunger nach Kultur.“

Info // Insel Verein

Der gemeinnützige Verein Insel wurde im Oktober 2019 gegründet. Er will auch die Geschichte des Hauses Wiesenstraße 6 erforschen. Deshalb freut er sich über Fotos, Geschichten und Informationen. Der Internet-Auftritt des Vereins ist in Arbeit, er ist aber auf Facebook vertreten.

)) Neue Insel Website – insel.news

)) Aktuelles auf Facebook – facebook.com/ADAbedeuetInsel

)) Quelle – Westdeutsche Zeitung // 15. Juli 2020


 

„Out and about – Kunst geht raus“ wird verlängert – auf analogen und digitalen Plakatwänden im Stadtgebiet

Projekt erbrachte bereits mehr als 4000 Euro für den „Eintopf“

von Monika Werner Staude

Von Anfang an gingen sie ihr Ziel „wir helfen uns selber“ auf zwei Wegen an: Akquirierten Gelder für den Solidarfonds „Eintopf“ und schufen zugleich Arbeit. „Wenn wir keine Jobs haben, machen wir uns welche“, fasst Frank N kurz zusammen.

Kunst statt Werbung - Foto: Anna Schwartz
Kunst statt Werbung: Hier ein Werk von Ulrike Möltgen (r.) neben einem von Frank N. Foto: Anna Schwartz

Der Wuppertaler Film- und Fotokünstler hat derzeit einen Fulltimejob, der zwar nicht unbedingt den Mindestlohn einfahre, aber auch keine Selbstausbeutung sei, sagt er. Frank N ist das Herz des Projekts „Out and about - Kunst geht raus“, das seit Ende April die Stadt in eine temporäre Galerie verwandelt. Indem es freie Plakatwände der Firma Ströer nutzt. Diese Woche wurden in einer fünften Runde 30 Bilder geklebt.

Am Anfang waren sie zu viert, im Juni machten 100 Künstler mit, nun kamen acht weitere hinzu, eine weitere Warteliste bildet sich bereits. Zeitweise hingen über 170 Arbeiten aus, einige davon seit April. Zahlen, die die Wandlungsfähigkeit des Vorhabens spiegeln. Das setzte der Lähmung durch den Lockdown der Coronakrise zunächst die Wahrnehmung des „wir sind noch da“ entgegen, wurde im Juni zur beeindruckenden Kunstdemonstration des „wir sind da und wir sind viele“. Seit kurzem heißt es auch Kunst goes digital: 20 ausgewählte Arbeiten flimmern über riesige Infoscreens, die Ströer im Stadtgebiet aufgestellt hat. Das Vermarktungs-Unternehmen hatte den Künstlern das attraktive Angebot gemacht, ihre Bilder auch hier zu präsentieren. Ein Tag Mehrarbeit für Frank N, der die dafür nötigen Filme von den Kunstwerken anfertigte.

Die Resonanz sei nach wie vor gut, Zerstörungen gebe es kaum, Überklebungen finden natürlich immer wieder statt, berichtet der Filmemacher. Einmal heftete ein Unbekannter einen kleinen Zettel mit einer Schlüsselbundsuche auf ein Bild von Birgit Parduhn, ein andermal verschwanden zwei Arbeiten von Andrea Raak und Uwe Becker samt Plakatwänden. Der vermeintliche Kunstraub beschäftigte tagelang die Sozialen Medien, bis herauskam, dass die Reparaturabteilung von Ströer die baufälligen Wände abgebaut hatte, nicht wissend, dass diese gerade für die Ausstellung genutzt wurden. Mittlerweile hängen die Bilder wieder. „Wir fahren die Stationen ab, können natürlich nicht alles im Blick haben“, erzählt Frank N. Mit der Kontrolle wird die Website aktuell gehalten, die über die Kunstwerke informiert und Interessierten sagt, wo sie diese finden können.

Knapp über 4000 Euro sind mittlweile für den „Eintopf“ zusammengekommen, mehr als 800 Euro davon durch Anmeldegebühren der dritten Runde, 3200 Euro durch Bilderverkauf. Weitere Spenden nicht ausgeschlossen. In den Ferien sollen einige Minirunden folgen, um in Erinnerung zu bleiben, man werde weniger, ohne einfach zu verschwinden. Überlegungen kreisen um eine große finale Runde mit allen Teilnehmern im Herbst. Die aber hänge von vielem ab, so Frank N – von Ströer, von externer Unterstützung, um Künstler und Organisatoren zu entlasten. Geliebäugelt wird auch mit einer Publikation, die das Projekt festhält, mit attraktiven Bildern und Informationen. „Da müssten dann alle rein, das wären mindestens 200 Seiten“, überlegt der Künstler und sagt: „Über die Finanzierung denken wir nach, wenn wir für uns klar sind.“

)) Mehr über „Out and about – Kunst geht raus“

)) Weiter zum EinTopf Solidarfonds

)) Quelle Westdeutsche Zeitung // 8. Juli 2020


 

Kunst und Kultur regen den Stoffwechsel unserer Stadt an. Sie verbessern die Lebensqualität und gestalten das Selbstportrait von Stadt und Region.

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/Idee

 

PARTNER & FÖRDERER

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Stadt Wuppertal / Kulturbüro

 

Vorstand

Lars Emrich, Zara Gayk

Beide sind einzeln vertretungsbefugt und bilden laut § 26 BGB den Vorstand des Vereins.

Uta Atzpodien, Tine Lowisch, Thomas Hilbig

Vereinsregister –
Amtsgericht Wuppertal: VR 30873
Finanzamt Wuppertal-Elberfeld: 132/5901/5166

 


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