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Eine neue künstlerische Kultur des Wir-Bewusstseins

1. Februar 2023

Von Tine Lowisch

Seit langer Zeit ist der moderne Mensch als kultivierte Spezies schon so, wie wir heute sind: geschickt, neugierig, erfinderisch, durchsetzungsfähig und intelligent. Glaubt man dieser These der Archäologie, hört sich das gut an. Die Jagdhypothese vom Ursprung des Menschen allerdings geht davon aus, dass einige Affen genau in dem Moment zu Menschen wurden, als sie geschickt, neugierig, erfinderisch, durchsetzungsfähig und intelligent zu Werkzeugen griffen, um sie als Waffen einzusetzen. Nicht, um zu werkeln, sondern um zu töten. Diese Überlegung vom Menschen als Mörderaffen macht mir Angst – das Gefühl, das die Menschen laut einer Umfrage am stärksten motiviert.

Tine Lowisch - Foto: Claudia Scheer Van Erp
Tine Lowisch - Foto: Claudia Scheer Van Erp

Letzte Woche, da nach meiner Einschätzung gefragt, hatte ich geantwortet: Vertrauen. Und mein Mann vermutete im selben Atemzug: Liebe. Dass es die Angst ist, hat uns beide verblüfft. Über die Unterschiedlichkeit der Antworten hat da keiner gelacht. Ja, das ein oder andere Gespräch geht schon mal tiefer.

Auch Ereignisse können mich immer wieder tief beeindrucken. Da hat doch vor ein paar Tagen Unglaubliches in Wuppertal stattgefunden. Etwas, das vom Direktor unseres Von der Heydt-Museums als Jahrhundertereignis eingestuft wird. Das Museum erhält ein kunstgeschichtlich überaus bedeutendes Gemälde als Dauerleihgabe, welches bei einer Kunstauktion Ende letzten Jahres von einem Mäzen, der anonym bleiben möchte, ersteigert wurde. Dieses Meisterwerk ist in dreifacher Hinsicht ikonenhaft. Zum Ersten ist es ein Schlüsselwerk des Expressionismus, das in der Sammlung eine Brücke baut und somit eine Lücke schließt, zum Zweiten ist es ein außergewöhnlich schönes, weil expressiv, kubistisches Porträt der lesenden Dichterin Else Lasker Schüler, einer der bedeutendsten Wuppermenschen. Und zum Dritten wird für diese Wuppertaler Mona Lisa eigens ein Safe Space im ohnehin schon geschützten Raum Museum geschaffen.

Ein einzelner Mensch aus NRW, so liest man, hat sich außergewöhnlich großzügig bürgerschaftlich engagiert. An dieser Stelle löse ich mich kurz von der mir anerzogenen Übereinkunft, dass man über Geld nicht spricht: Nach einem Aufruf von 700 000 Euro wurde es nach einem langsamen, aber stetigen Bieterstreit für unfassbare 4,06 Millionen Euro inklusive Aufgeld nach Wuppertal geholt. Mit dieser Performance haben im Jahre 1912 sowohl der Schöpfer des Werks, Karl Schmitt-Rottluff, als auch der erstbesitzende Kunstfreund des Malers, der Kunstsammler Hermann Gerlinger, der es vom Brücke-Maler aufgrund eines freundschaftlichen Vertrauensverhältnisses erwerben durfte, sicher nicht gerechnet. Dieses Vertrauen hat sich jedoch bezahlt gemacht.

Ich empfehle Nachahmung. Künstler und Künstlerinnen, die einzeln oder auch kollektiv arbeiten, hat diese Stadt in überbordender Vielfalt. Potenzielle Unterstützer können ihnen vertrauen, sich mit ihnen befreunden. Angst, dass sich dieses bürgerschaftliche Engagement nicht auszahlen könnte, muss da niemand haben. Der Stand der Forschung zum Thema Individualität und Eitelkeit weist nach: Es gibt kein Ich ohne Wir.

In Zeiten, die sich wenden, wünscht sich der Zeitgeist offensichtlich eine künstlerische Kultur des Wir-Bewusstseins. Meinem bildhauenden Mann ist das schon lange klar, der denkt sowieso den ganzen Tag über neue Formen nach. Auch über gute Formen des gesellschaftlichen Umgangs miteinander. Dazu forschen wir nun schon im zehnten Jahr an einem Bahnhof und engagieren uns bürgerschaftlich mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen.

Anregungen und Rückmeldungen unterkolumne@fnwk.de

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