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Nichts hat keinen Grund

21. Dezember 2022

Von Andreas Bär

Da fragte mich einer, ob ich etwas schreiben könne, und ich antwortete, dass ich eventuell nichts Neues zu erzählen hätte. Grund dieses Ausweichmanövers waren Sorgen um die bevorstehende Aufführung meiner drei Kurzopern „Hinfort mit dem Schleier“, „Gli Sparafucili“ (frei übersetzt: „Die Schrotflinten“) und „Irgendwas mit Beethoven“. Ich befürchtete krankheitsbedingte Ausfälle im Ensemble, ausbleibendes Publikum und finanziellen Ruin. Als ich andeutete, dass meine Gedanken den Lesern vielleicht nichts böten, versicherte man, mir fiele schon was ein. Da schien mir schon der Glaube daran das Nichts parodieren zu wollen.

Andreas Bär
Andreas Bär

Nichts hat aber keinen Grund. Es braucht auch keinen. Es zerzaust seit je die Frisuren der denkenden Menschen und es klopft an die Türen der zu spät Aufstehenden. Alle reiben sich verwundert die Augen und fragen: „Warum habe ich es nicht geschafft? Wie ist die Zeit nur so schnell verstrichen und wieso habe ich alle Gelegenheiten verpasst?“ Schließlich verhallen all diese Fragen ins Nichts, wo kein Ohr existiert, kein Sinn, keine Wahrnehmung, kein Gefühl. Einst wird alles Leben des Planeten dorthin gewandert sein.

Kurzoper „Stroboskop mit Langzeitintervall“

„Ein Winter liegt auf bleichen Wäldern. / Kahles Geäst zwischen frierenden Feldern. / Der Mond eine silberne Scheibe wie Eis. / Die irdene Schwester, gekleidet in Weiß. // Dort hat eine eisige Flocke aus Schnee / die Erde in einsamer Stille geküsst, / dass zärtlich bedeckend einst schmelzendes Weh / ihr frierendes Antlitz nun wärmen müsst.“ – So klingt die finale Arie meiner letzten Kurzoper „Stroboskop mit Langzeitintervall“ über das Ende der zyklischen Wiederholung von Machtmissbrauch, welches wahrscheinlich mit dem Ende der Welt zusammenfällt. Davon sind wir, in Zeiträumen von Lebensspannen gedacht, wohlwollend mindestens zwei bis drei Zyklen entfernt. Dann werde ich bereits mit dem großen Nichts Bekanntschaft gemacht haben.

Was haben wir nicht alles erschaffen? Und all das, sagt man, sei unsere Kultur. Der übrige Rest: die Natur. Da sind die Anteile der Kunst am gesamten Geschehen doch relativ bescheiden. Deshalb ist es ratsam, immer nur einen speziellen Ausschnitt der Kultur zu beobachten, den speziellen Teil des kulturellen Lebens, der sich mit Kunst beschäftigt. Dann fällt es auch leichter, das Spiel um den Wert von Kunst zu bemerken. In diesem Spiel scheint Behauptung die Politik der Künstler zu sein. Und Kulturpolitik die Kunst des Möglichen. Und darum wird sogleich für die Kunst ein Debakel daraus, weil es um Wert, Preis, Relevanz, Öffentlichkeit und Förderung von Projekten, Künstlern und Spielstätten geht.

Alles strebt nach sicheren Räumen, in denen Technik, Ökonomie, Common Sense und öffentliche Präsenz die Rahmenbedingungen für die Rezeption gestalten. Kulturpolitik trachtet allzu gerne danach, der Kunst ein Profil zu geben, das in das Soziotop hineinpasst. Aber was Kunst aus Menschen herausbrausen lässt, sind ihre individuellen Entscheidungen. Wenn diese sich stets an den Bedürfnissen, Profilen und Juroren der Kulturförderung orientieren müssen, wird Kunstschaffen schnell funktionalisiert. Aber das Therapieren, das Erklären der Welt und das Unterhalten der Leute kann ja auch Kunst werden, und zwar so massiv, dass einem gar nicht mehr auffällt, dass Kunstwerke auch autonom sein dürfen.

Jetzt schaue ich aus meinem beschlagenen Doppelkastenfenster ins Tal hinaus auf die glitzernden Lichter des Städtchens. Die Christmas-Zeit hat schon am 4. September mit Spekulatius und Dominosteinen begonnen. Es soll sogar schon bald wieder wärmer werden.

Rückmeldungen bitte an: kolumne@fnwk.de

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