Beherzt prüfen, beherzt handeln Klare Perspektiven mit Kultur // 7. Januar 2026 Von Uta Atzpodien „Beherztheit“ hat mich in dieses neue Jahr 2026 getragen. Groß stand der Begriff am 31. Dezember auf meinem Adventus-Kalender, der unsere Zukunft mit Abenteuerlust angeht und Anregungen von Ende November bis zum 6. Januar täglich auf den Weg gab. Uta Atzpodien - Foto: Ralf Silberkuhl An jenem letzten Tag des Jahres 2025 kam mir sofort Maria Kalesnikava in den Sinn, Ikone der belarussischen Protestbewegung, die nach langen ungewissen fünf Haftjahren endlich Mitte Dezember freikam. Stets lächelnd mit Händen, die ein Herz formen, hatte sich die Aktivistin, Künstlerin und Flötistin unerschrocken für Menschenrechte und Selbstbestimmung eingesetzt. Mir gab es Trost und Hoffnung für das Jahr 2026, sie als engagierten mutigen Menschen nun wieder in Freiheit zu wissen. Schwindelerregend haben uns seit der Neujahrsnacht Ereignisse aufgewühlt, in Trauer und Sorge gehüllt und weltweit unsere freiheitliche demokratische Grundordnung weiter aus dem Gefüge gebracht – trägt sie uns doch seit Jahrzehnten auf einem Weg hin zu mehr Gerechtigkeit, Transparenz und Würde. Der völkerrechtswidrige Angriff auf Venezuela am vergangenen Wochenende ist in vielerlei Hinsicht gefährlich, selbst wenn der entführte Präsident ganz klar ein Diktator ist. Nur wenn wir beherzt hinterfragen, widersprechen und genau prüfen, auf welchen Werten und Vereinbarungen Handlungen vollzogen werden, können uns errungene Strukturen weiter eine bessere Zukunft ermöglichen. Dafür steht in Deutschland das Grundgesetz. Genau auf diesem baute Rolf Köster als Vorsitzender des Wuppertaler Kulturausschusses auf, der bei der ersten Sitzung im Dezember flammend formulierte, welche Rolle Kunst und Kultur dafür innehaben. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“: Schon Paragraph 1 des GG machen schillernde Kulturaktivitäten greifbar, wie beispielsweise der WOW-Chor, die „Women of Wuppertal“ unter Leitung von Hayat Chaoui, mit ihrem Engagement für kulturelle Vielfalt und Verständigung. Gestern Abend erst traten sie in der Historischen Stadthalle auf. Fünf Landtagswahlen stehen in diesem Jahr an: Was können wir tun, um unser Grundgesetz zu schützen? Viele tragen bundesweit dazu bei, wie beispielsweise die kluge Politikökonomin Prof. Dr. Maja Göpel, die in ihrem Podcast „Neu Denken“ aufschlussreiche Gespräche über globale, digitale, ökologische, soziale und demokratische Sicherheit und Marktwirtschaft führt. Oder auch der Kabarettist und Politiker Nico Semsrott, der humorvoll mit seiner „PRÜF“-Initiative anregt, die Ordnung unserer Werte, das Grundgesetz zu schützen. Demonstrationen mit Kulturaktionen möchten an jedem zweiten Samstag im Monat in den Landeshauptstädten bewirken, dass der Bundesrat einfordert, dass das Bundesverfassungsgericht das Verbotsverfahren für rechtsextreme Parteien prüft, also solche, die die Demokratie abschaffen wollen. Von den notwendigen 35 Stimmen sind mit Bremen, Schleswig-Holstein und Berlin bereits elf Stimmen beisammen. Die nächste Demonstration in unserer Region ist am kommenden Samstag, 10. Januar, in Düsseldorf. Ob Bertolt Brecht, Robin Wall Kimmerer, Joseph Beuys oder Hildegard Kurt, wie in meinem Adventus-Kalender: Jede, jeder mag eigene Wegweisende haben, die mit viel Lebensweisheit zum wachen Gestalten und zur Beherztheit einladen. Auf höchster politischer Ebene ist dies – sinnlich erfahrbar – ebenso notwendig, wie mitten in der Gesellschaft. Also alle Sinne auf für Kunst, Kultur und kulturelle Bildung hier und dort, denn sie fördern Mut, Zusammenhalt und ein Miteinander: All dies brauchen wir mehr denn je. Feedback an ➜ kolumne@fnwk.de 234