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Kunst gibt der Wahrheit eine Chance

26. Oktober 2022

Von Torsten Krug

Letztes Wochenende war ich gleich zweimal in der Oper: Samstags die Premiere von Luigi Nonos „Intolleranza“, sonntags „Die lustige Witwe“ – kontrastreicher geht es kaum. Beides waren gelungene Abende. „Intolleranza“ erinnerte mich an die Hochzeiten der Oper Stuttgart, die dieses schwer aufzuführende Stück ins Programm nahm und zu bedeutsamen Aufführungen führte. Der sonntägliche Besuch galt als Geburtstagsgeschenk meinem Vater, der keineswegs erklärter Operetten-Freund ist, dennoch gemeinsam mit uns Freude hatte an dieser Aufführung, die das Geschehen in biederen, schein-libertären 70er-Jahre-Welten ansiedelte, in der die transportierten Geschlechterbilder gerade noch so durchgehen mochten.

Torsten Krug - Foto: Andreas Fischer
Torsten Krug - Foto: Andreas Fischer

Dennoch, trotz aller Bemühungen und – im Falle von „Intolleranza“ grausamer – aktueller Bezüge, wirkten beide Aufführungen auf mich wie aus unserer Zeit gefallen. In Konkurrenz mit dem Rausch, in dem sich unsere Welt dreht, kommt die Kunst aktuell kaum hinterher. Was haben uns Luigi Nonos Schreckensbilder in Ton und Wort zu sagen? Was die Bebilderungen dieses immerhin auch schon sechzig Jahre alten, immer noch unerhörten Musiktheaters? Der künstlerische Ausdruck von Gewalt, Unterdrückung, Folter wirkte auf mich beinahe obszön angesichts der Nähe, in der dies tagtäglich geschieht. Schräg wirkt es auch, sich die Geschlechterklischees aus der Zeit Franz Lehárs in schönen Tönen anzuhören, und sich dabei zu fragen: Was soll das Ganze?

Haben wir nicht gerade Kim de l´Horizon den Deutschen Buchpreis verliehen, jener non-binären Person, die im September in Wuppertal im Rahmen der Literatur Biennale einen unvergesslichen Auftritt hinlegte? Haben wir nicht gerade Serhij Zhadans Friedenspreisrede gelauscht, in der er von der (literarischen) Stimme spricht, die der Wahrheit eine Chance gibt? Möglicherweise gelingt es ausgerechnet der guten alten Literatur, dieser langsamsten aller Künste, unser Weltgeschehen in Zeiten des Krieges und der Krisen einzufangen und für zukünftige Generationen zu bewahren.

Fast noch beeindruckender als Zhadans Rede fand ich die Laudatio von Sasha Mariana Salzmann – beide übrigens Gäste der letzten Wuppertaler Literatur Biennalen: „Wir wissen voneinander nicht aus den Geschichtsbüchern“, sagt sie, „sondern aus der Kunst. Wir wissen von der Innenseite des Menschlichen nicht aus den Wissenschaften, sondern von Malereien auf den Wänden der Steinzeithöhlen. Wir erfahren kaum etwas voneinander aus den Tagesnachrichten. Dort kommt das gelebte Leben nicht vor. Dort sind die Schockmomente, der Alarmismus, die Eskalation zu Hause. Dagegen kann die Poesie nichts tun.“

Selbstverständlich müssen Kunst und Kultur nicht ständig unsere Jetztzeit mitdenken – ganz im Gegenteil. Doch merke ich, wie ich anfälliger geworden bin für das Bedürfnis nach einer Verbindung mit anderen Menschen, die ich hier „Wahrhaftigkeit“ nennen möchte. Ich möchte etwas von mir, von uns in unserer Zeit erkennen, wenn ich, gemeinsam mit anderen, auf eine Bühne schaue.„Was Prosa, Poesie – Kunst überhaupt – nicht kann“, so Salzmann weiter, „ist, die Welt zu retten. Sie gewinnt keine Kriege. Sie liefert, wenn es ihr ernst ist, keine Heilsversprechen. Aber was sie kann, ist, den Augenblick herstellen, in dem man erleichtert, erstaunt oder verzückt aufatmet. Und dieses kurze Luftholen mag einen Moment des Friedens enthalten. Denn Luft holen ist immer auch ein Zeichen der Hoffnung.“

Anregungen und Kritik: kolumne@fnwk.de

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