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Künstler werden ist nicht schwer, Künstler bleiben aber sehr

Für immer Krieg … 11. März 2026

Von Max Christian Graeff

Wieder tobt ein Frühling und wieder blüht ein Krieg. Der eine wird in drei Monaten ein Sommer sein, vom anderen haben wir wenig zu ahnen. Auch jenen gibt es schon ewig; wir Menschen schufen ihn und verändern ihn beständig. Beide werden seit jeher besungen und in Zeilen gebannt. Der unbekannt gebliebene Dichter Georg Ott schrieb einst für die Wuppertaler Künstlergruppe „Der Turm“: „O Welt, die Kirche brennt! Die Türme leer, die Straßen von Flammen gestürzt, der Platz rast wie ein Tier, die hohen Fenster neigen sich: Das kann ich zeichnen. Der hellblaue Himmel, der Rauch das Feuer. Endlich ziellose Menschen!“ 80 Jahre später klingt dies nutzlos, fast romantisch verklärt, doch jeder schreibende Mensch muss auf der Höhe seiner Zeit nach dem Ausdruck suchen, der das Unfassbare erzählbar macht. Oder er fällt inmitten dieser Anstrengung ins Schweigen.

Max Christian Graeff- Foto: C. Paravicini
Max Christian Graeff- Foto: C. Paravicini

Viele vergangene Kriege waren in aller Grausamkeit noch berechenbar. Die Bilder der heutigen sind anders und blutleer; sie überfordern unser Wahrnehmen voll und ganz. Drohnen, Splitterbomben, Phosphor, Minen markieren die Länder einer neuen Welt. Präzisionsschläge mit „Irrtümern“, hybride Taktiken, Wirtschaftsterror, die Lüge der Wahrheit und Wahrheit der Lüge … Unser Schulterzucken über die eigene Wirkungslosigkeit, das Verstummen der noch als möglich gelernten Menschlichkeit im Kleinsten wie im Großen, das Verdampfen pazifistischer Ideale in den Sperrfeuern der Meinungskämpfe – gegen den Krieg zu sein, bedeutete noch nie ein friedliches Leben. Der Krieg steckt in jedem von uns und treibt uns auf individuelle Weise auseinander und in die eskalierende Rechthaberei jenseits aller philosophischen und künstlerischen Ergründungen, die uns helfen könnten, sicheren Stand zu finden.

In den Bugwellen der Desorientierung stehen sämtliche Oberflächen der Künste – ob institutionalisiert oder frei –, und im Umfeld die Bildungs-, Glaubens- und Fortschrittsfragen, die möglichen technologischen und ökologischen Wendungen zum Guten auf dem Prüfstand der Mächte. Maßregelungen von Großereignissen wie die Berlinale sind aufgrund der Staatsmillionen zumindest herleitbar. Die sozusagen kleinen Maßnahmen sind jedoch nicht minder gefährlich, als irrational destruktive Infiltrationen unseres Bildungsspektrums. Was der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Weimer, gerade mit dem Ausschluss nominierter linker Buchläden zum Deutschen Buchhandlungspreis anstellte, ist keine Petitesse, sondern setzt ein Zeichen für das Brandpotenzial unserer Situation. Die Angriffe des „Kulturkampfs“ jener, die sich skrupellos über andere stellen, binden enorm viele Ressourcen und lassen manch künstlerisches Handeln in Selbstgefälligkeit, Ratlosigkeit oder schlicht Müdigkeit erstarren. Die kleinen Zeichen malen das große Bild von dem, was die Zukunft bringt.

Im Von der Heydt-Museum und anderswo werden gelegentlich Freiheiten ausgestellt, welche sich die Künste in den Nachkriegsjahrzehnten herausnahmen. Sehnsüchtig schauen wir auf die Kraft und Relevanz jener unzähligen neuen Ausdrucksformen. Es ist wohl ein Trugschluss, dass sich damals alle einig waren. Doch sie hatten noch nicht verlernt, sich gegenseitig auszuhalten, um gemeinsam das Weltgeschehen auszuhalten: die endlosen Nöte aus reiner Gier, die Kriege als Abwesenheit von Frieden. Sie haben sich ausgehalten, um der Abwesenheit der Künste Einhalt zu gebieten. Fern aller Nostalgie könnten wir davon lernen.

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