Helle Sterne mögen unsere Stadt leiten Kultur und Natur für unser Miteinander // 13. Mai 2026 Von Uta Atzpodien „Der frühe Tag, frisch angebrochen, wie ein Versprechen“: In meinem Morgengrauen zwitschern die Vögel. Die Grüntöne der Stadtwälder berauschen. In der lebendigen Vielfalt der sprießenden Blütenpracht tummeln sich Insekten. Im verlockenden Mai setzt das dichte Kulturangebot eigene Akzente: Die Wuppertaler Literatur Biennale „Die Wut“ startete im renommierten Club „Open Ground“ mit Literatur und Schreibenden eine aufrüttelnde Wanderung durch ungewöhnliche Orte. Legendär luden derweil am Arrenberg der Restaurant Day oder am Fuße der Nordstadt das Luisenfest zum quirligen Miteinander ein. Performativ zogen auf dem Ölberg zwei Papphäuser „aufgewaldet“ mit Grünzeug und Wachs durch die engen Straßen bis zur Backstubengalerie (siehe oben). Unweit eröffnete in der Galerie Kunstkomplex die Ausstellung „block buster“ des lange in der Kunststation in Vohwinkel, im Pina Bausch Zentrum oder im Museum für Industriekultur mit seiner Kunst präsenten Bildhauers Eckehard Lowisch. Oder auch das Tanzfilmfestival „on move/move on“: Sie und viele mehr machen das noch weitaus üppiger funkelnde Sternenfirmament unserer Kultur- und Naturstadt Wuppertal aus, steigern die Lebensqualität und prägen unser Miteinander. Uta Atzpodien - Foto: Ralf Silberkuhl Zum Miteinander trug auch der unsere Stadt steuernde Rat bei: Der in der letzten Woche errungene Haushalt samt Änderungen für 2026/27 sichert – hoffentlich auch bald abgenickt von der Bezirksregierung in Düsseldorf – über die Zuschusserhöhung die so wichtige Praxis vieler Kulturorte und -schaffenden. Dank so vieler! Zugleich gab es in den ruckeligen Aushandlungsprozessen auch Schwachstellen. Helle Sterne für unsere (politische) Kultur sind mehr denn je gefragt, um unsere Stadt zukunftsfähig zu machen. Dies vermag die (freie) Kulturszene als Motor zu unterstützen. Wir brauchen eine wertschätzende, transparente und offene Kommunikation: Erst spät kamen beispielsweise alle demokratischen Parteien in einen umfassenden Austausch. Auch fehlt es noch an transparenten Kriterien. Solidarität ist uns enorm wichtig, denn wenig nachvollziehbar bleibt, warum das OpenSky-Festival, das Pour Ensemble und die Glanzstoff Akademie auf der Strecke blieben, letztere zeugen von bundesweit renommierter inklusiver Arbeit! Fokus auf Barrierefreiheit braucht es und fachliche Kompetenz, um eine bestmögliche Zukunft zu sichern. Daher an die Politik: Warum wird bei vakanten Stellen das Parteibuch vor die Kompetenz gestellt? Aktuell geht es um die Besetzung der Kämmerei und des Dezernats für Kultur, Sport, Sicherheit und Ordnung: Warum nicht die eindeutig besten Bewerberinnen raussuchen und dann Parteibedarfe abgleichen? Beim Wuppertal-Plan-Workshop unserer Stadtspitze war auffällig, wie sehr hier Nachhaltigkeit, Mobilitätswende und Kultur gewünscht wurden. Dieser Fokus ist elementar, denn unsere Demokratie ist in Gefahr. Umfragewerte bundesweit zeugen davon. Erst kürzlich hat der kulturpolitische Reporter Peter Grabowski auf die gefährlichen Handlungen des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Weimer hingewiesen. Über Literatur lerne ich gerade aus der Vergangenheit: Mit ihrem Buch „Die Wut ist ein heller Stern“ ist am Freitag die für den Leipziger Buchpreis nominierte Autorin Anja Kampmann bei Literatur auf der Insel zu Gast, Teil der Biennale. Poetisch packend entführt sie uns ins Hamburg der 30er Jahre, macht erfahrbar, wie hassgetrieben die Nationalsozialisten die Gesellschaft umkrempelten. Hier wurde die Wut zum hellen Stern, der in zerreißender Ungerechtigkeit Kraft und Zuversicht gab. Die Haltung der Protagonistin, das Schreiben und somit die Kunst, berühren, bewegen, mahnen. Feedback an ➜ kolumne@fnwk.de vorheriger Artikel Das Leben als Baustelle 6