Neue Marmorskulpturen auf dem Ölberg 10. Juni 2026 Von Tine Lowisch Der Anspruch der eigenen Wirksamkeit und Sichtbarkeit ist ein starkes, menschliches Grundbedürfnis auf dem sozialen Attraktivitätsmarkt, auf dem genauso gehandelt wird wie auf jedem anderen Markt. Auch hier, auf dem Markt der Aufmerksamkeiten, wird fabriziert, angeboten und nachgefragt. Kreativität, Durchhaltevermögen und Talent sind dabei kulturelle Ressourcen, auf die bei der persönlichen Profilbildung zurückgegriffen werden kann, wenn sie denn durch gute Rahmenbedingungen zutage gefördert werden. Tine Lowisch - Foto: Claudia Scheer van Erp Und wenn nicht? Wie kann ich zeigen, was ich kann, wenn die Rahmenbedingungen um mich herum noch nicht stimmen? Viele bildende Künstlerinnen und Künstler kennen dieses Dilemma. Viele geben an dieser Erkenntnisstelle der vergebenen Liebesmüh erst einmal auf und verschieben den Wunsch, von ihrer Kunst und für die Kunst zu leben, auf später – sie hoffen auf bessere Zeiten mit ehrlicheren Strukturen und neutraleren Kriterien. Sehr viele Künstlerinnen und Künstler, die weiterhin mit ihrem Material sein wollen, ziehen sich in Subkulturen zurück und entsagen den negativen Auswirkungen des Kulturkapitalismus. Nur sehr wenige trotzen den daraus resultierenden, schwierigen Begleitumständen. Sie lassen sich dabei immer wieder neu antreiben von innerer, von widersprüchlicher Energie, die sie aus ihren experimentellen, künstlerischen Arbeitsprozessen ziehen. Sie wollen die Verhältnisse für alle verbessern. Ob sie das schaffen, regelt, wie wir es in spätkapitalistischen Gesellschaften akzeptieren, leider auch hier der Markt, der allerdings keine Entfesselungskünstler schätzt. Und doch: Von Originalität, von handwerklicher Kunstfertigkeit, von der Einzigartigkeit des Augenblicks, von Empathie, von Selbstentfaltung als Methode, um den Sinn der eigenen Existenz zu verstehen sowie von der Begeisterung, wenn es gelingt, werden die Menschen immer weiter träumen, nicht nur die bildenden Künstler. Denn die Gedanken, Träume und Wünsche, sich zu entfalten und sich dabei zu bewähren, sind und bleiben frei. Ich denke, jetzt ist der passende Moment für die Wiederentdeckung künstlerischer Manufaktur, denn die Ergebnisse eignen sich hervorragend als Artefakte, als stellvertretende Modelle von analogen Identitäten, um den digitalen Assistenten nicht das gesamte Feld der Gestaltung und des bildnerischen Ausdrucks zu überlassen. Mit den eigenen Händen, von innerer Empfindung getrieben, nach außen gestülpte Gegenbilder oder auch andere wirksame Sehnsuchtsformen zu schaffen – diese Motivation wird in einer digitalen Zukunft immer wichtiger für uns Menschen werden als Ausgleich oder Freiraum. Mein Tipp: Besuchen Sie die dazu anregende Blockbuster-Ausstellung von Eckehard Lowisch in der Galerie Kunstkomplex. Dort finden sich skulpturale Werke und Wandobjekte aus Marmor, die eine wundersame, geduldige Ruhe ausstrahlen und gleichzeitig über eine enorm beredte Präsenz verfügen, mit einer spürbaren Liebe zum Material und einem sensiblen Gefühl für Form und Bewegung. In einer Qualität, die im Umgang mit dem klassischen Bildhauermaterial Marmor heute nur noch sehr selten zu finden ist. Die Ausstellung läuft noch bis zum 18. Juni 2026 und kann zu den Öffnungszeiten der Galerie besucht werden. Am Sonntag, den 14. Juni, sogar von 11 bis 18 Uhr, während in direkter, kollegialer Nachbarschaft der Ölberger Kunstmarkt in diesem Jahr sein 20. Jubiläum feiert. Ihre Meinung an ➜ kolumne@fnwk.de vorheriger Artikel Reisende Gedanken zur Kunst der Arbeit 20