Wuppertaler Schwebebahn als Lernort für Kunst im öffentlichen Raum 22. Juni 2026 Von Tine Lowisch Das Lehrgebiet „Darstellen und Gestalten“ im Fachbereich Architektur der Bergischen Universität Wuppertal bildet einen zentralen Denk- und Handlungsraum, in dem Studierende von Künstlerinnen und Künstlern lernen, Form, Inhalt, Raum, Körper und Kontext experimentell-künstlerisch und ästhetisch-taktil zu begreifen, mitten im Spannungsfeld zwischen theoretischer Planung und künstlerischer Praxis. Tine Lowisch - Foto: Claudia Scheer van Erp Nach dem Ausscheiden des derzeitigen Professors Heinrich Weid im Jahr 2030 wird dieses/sein Lehrgebiet keinen direkten Nachfolger bekommen, denn es soll mit den Fachbereichen Design und Kunstpädagogik zusammengeführt werden. Die Fusion führt zu grundsätzlichen Überlegungen und Fragen nach den Voraussetzungen einer künstlerischen Lehre als Basis für ein gestalterisches Studium. Im Fall des Studiums der Architektur ist und bleibt es gerade in Wuppertal wichtig, künstlerische Grundimpulse und Motivationen weiterhin durch Fachkräfte aus diesem beruflichen Umfeld vermitteln, lehren und lernen zu lassen, denn die Reflexion über künstlerisches Handeln ist für die Studierenden essenziell und sollte auch in der Rezeptur eines neu zusammengesetzten Lehrgebiets gut gewichtet bleiben. Ein Beispiel aus der Praxis: Das Lehrgebiet „Darstellen und Gestalten“ führte in diesem Sommer Semester ein Seminar mit dem Titel „Kunststationen“ durch, welches sich intensiv mit der Wuppertaler Schwebebahn als Stadtgestaltungsdenk- und merkmal auseinandersetzte. Neben verschiedenen Beobachtungsübungen an allen Stationen, nach zeichnerischen Auseinandersetzungen in Form von gemeinsamen Panoramazeichnungen und ornamentalen Interpretationen arbeiteten die Studierenden daran, alle 20 Schwebebahnstationen skulptural zu interpretieren. In den vergangenen Jahren intervenierten die Studierenden auf diese Weise zum Beispiel schon beim Living Lab am Mirker Bahnhof (2023), am Pina Bausch Zentrum (2024) oder auch auf dem Geschwister-Scholl-Platz in Kooperation mit der Kunsthalle Barmen (2025). Die Ergebnisse unter dem Titel „125 Jahre Schwebebahn – Kunststationen“ wurden am vergangenen Freitag am Campus Haspel öffentlich präsentiert und geprüft. Sie haben absolut begeistert. Gut gelernt, denn skulpturale Werke in den öffentlichen Raum einer Stadt zu platzieren, ist weder temporär noch dauerhaft einfach, die Vorgänge sind hochkomplex. Erst wenn der Ablauf von der Idee bis zur Umsetzung mit allen Beteiligten abgestimmt und nachvollziehbar gestaltet ist, haben stadtgestaltende künstlerische Interventionen den nötigen Rückhalt in der Stadtgesellschaft und werden von Passanten angenommen. Gestaltungselemente im Stadtraum entfalten ihre positive Wirkung an Ort und Stelle und auf Plätzen tatsächlich erst, wenn eine intensive Vorlaufphase gemeinsam durchlebt wird. Jetzt in den Sommerferien werden viele von Ihnen besondere Orte und Plätze in anderen Ländern und Städten erkunden. Sie werden auf der Suche nach unverwechselbaren architektonischen oder skulpturalen Einmaligkeiten andere Orte aufnehmen. Im Foto-Modus verwirklicht, werden diese zu Städte- oder Länder identifizierenden Dingen, zu einer jederzeit reproduzierbaren Erinnerung. Wieder zu Hause, erinnert dann ein Foto der Brücke von Ronda Sie vielleicht an Ernest Hemingway oder an das WM-Finale. Dass die Gegenwart nur als Foto bleibt, muss dabei gar nicht sein, denn fast jedes Mal, wenn ich über eines dieser riesigen Viadukte entlang der Nordbahntrasse radle, oder auch, wenn ich im Von der Heydt-Museum das Bild von Carl Grossberg „Brücke über die Schwarzbachstraße“ betrachte, erinnere ich mich an die Brücke von Ronda und die schöne Zeit, die wir dort einmal hatten. Ihre Meinung an ➜ kolumne@fnwk.de vorheriger Artikel Der Blick in die Nachrichtenflut steigert den Durst nach Hoffnung 0