Wuppertal ist eine Kunstarbeiterstadt 2. September 2026 Von Tine Lowisch Künstlerinnen und Künstler wissen um ihre, sich selbst verpflichtende Aufgabe, das Lebensgefühl ihrer Zeit zum Ausdruck zu bringen. Wie sie das machen, ist immer wieder bemerkenswert, inspirierend und oft nicht leicht zu entschlüsseln, denn es ist tatsächlich eine Aufgabe für sehr viele Hände. Zum Glück haben wir in Wuppertal eine große, lebendige Kunst- und Kulturszene, die sich selbstlos engagiert, sich je nach Bedarf immer wieder neu organisiert und sich gerne freiwillig daran abarbeitet, sich nicht unterkriegen zu lassen. In einer Stadt am Fluss mit einem zum Teil sehr experimentierfreudigen Publikum, das diesen kreativen Standortfaktor schätzt. Aus meiner Sicht steht einer Transformation zur Kunstarbeiterstadt also nichts mehr im Wege. Tine Lowisch - Foto: Claudia Scheer van Erp Ich bin froh, dass die Sommerpause endlich zu Ende ist und die Spiele, die die Zeit hinterfragen, auf offener Bühne wieder beginnen können, denn nicht nur die Zeit wendet sich, auch die Kunstarbeit und auch die Kultur wandelt sich im Moment enorm. Wir brauchen jetzt poetische Symbole, die dem Wunsch dieser Welt zu entfliehen, hinterher spüren. Die Kunstarbeit, Schieflagen aller Art offen zu legen, ist Bekenntniskunst. Dies garantiert eine Freiheit der Gedanken als Fundament einer Stadt und auch eines Staates in guter Verfassung. Wenn heute nicht nur die Schule, sondern auch alles andere in unserem Land wieder beginnt, sich alle wieder kümmern, weil sie wieder oder neu zu Hause sind, so wie unser Kulturdezernent, kann die Kunst endlich weitergehen. Ich freue mich auf das Kulturratstreffen heute Abend, diesmal beim Medienprojekt in der Hofaue, auf den ersten Wuppertaler Kulturgipfel in der Börse am 10. September, auf ein hoffentlich einstimmiges Votum im Stadtrat zum Pina Bausch Zentrum (das schaue ich mir live im RatsTV an), auf einen Besuch im Skulpturenpark mit neuer Ausstellung, einen Besuch im neu eröffneten Museum Industriekultur oder auch im Zoo, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Ich werde mir den Kultur-Kalender wieder richtig vollpacken, vielleicht die Kulturpreis-Verleihungen von geschätzten Kolleginnen und Kollegen besuchen oder auch dabei zuschauen, wie die Wuppertalerinnen und Wuppertaler zusammen mit dem Ensemble die Nelken-Line tanzen. Dazu muss ich heute noch kurz auf dem Bahnhofsvorplatz in Vohwinkel nach dem 5Nischenprojekt sehen, der fünfteiligen Skulpturengruppe aus Marmor, denn es hat heute Geburtstag. Wenn ich daran denke, wie wir die fünf großformatigen seltenen Erden damals in nur einer Nacht in den Nischen installiert haben, kann ich immer noch nicht glauben, wie wir das damals (2015) überhaupt geschafft haben. Ich weiß nur noch, dass wir 5 Minuten vor 12 Uhr, bevor der damalige Oberbürgermeister Peter Jung das 5Nischenprojekt offiziell einweihte und danach der Künstlerkollege Holger Bär vom Vorstand des Neuen Kunstvereins eine Rede hielt, gerade erst damit fertig geworden waren. Just in time sozusagen. Und ich kann ihnen gar nicht mehr sagen, warum alle Gäste auf den Fotos der Eröffnung ein Hörnchen Eis in der Hand hielten. Was ich sagen kann, ist, dass die Skulpturengruppe heute (seit 2019) dem Von der Heydt Museum gehört und sich die Kunstwerke in nur noch fünf Jahren ab jetzt darüberhinaus auch sehr gut eignen werden als Ersteindruck für überregional am Bahnhof Vohwinkel anreisende Gäste, dem Eingangstor der Bundesgartenschau 2031. Wir kunstarbeiten weiter … und vielleicht machen wir ja auch bald wieder Station. Ihre Meinung an ➜ kolumne@fnwk.de 17