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Allianzen für den Zusammenhalt

Mit Kultur den Demokratie- und Empathiemuskel trainieren // 24. Juni 2026

Von Uta Atzpodien

Flirrend liegt die Hitze über unserer Stadt. Vielseitig fordert sie uns, wir schwitzen und ächzen. Je dichter die urbanen Flächen, desto heißer und unangenehmer wird es. Was tun? Ein wohltuendes Paradies fand ich radelnd frühabends auf der geliebten grünen Nordbahntrasse mit ihren erfrischenden Tunneln. Fantastisch, was gebündelte Kraft bewirken kann: Die Wuppertalbewegung hat das gezeigt und feiert am kommenden Sonntag zwanzig Jahre Trasse. Das tut not, denn nicht nur die Klimafolgen konfrontieren uns weltweit mit großen Herausforderungen und umfassenden Verlusten. Tröstend und ermutigend ist es dann, mit engagierten Akteurinnen ins Gespräch zu kommen, die konkret handelnd Lösungen suchen.

Uta Atzpodien - Foto: Ralf Silberkuhl
Uta Atzpodien - Foto: Ralf Silberkuhl

Das zeigte kürzlich das Interview „Glokale Werte: Kultur als nachhaltige Praxis“, das ich zusammen mit dem Nachhaltigkeitswissenschaftler Matthias Wanner moderieren durfte. Gästinnen waren zwei kompetente Frauen, die im internationalen Austausch und lokal wirkend, Kultur und Digitalität über Kompasse wie die SDGs (Nachhaltigkeitsziele) oder die Erdcharta konkret anwenden. Warme Empfehlung, ihren Stimmen nachzugehen: Möglich ist das auf der Webseite oder dem YouTube-Kanal der Kulturpolitischen Gesellschaft.

Diese feierte kürzlich in Berlin ihr 50-jähriges Jubiläum: Jahrzehnte von kulturpolitischen Aushandlungsprozessen für unsere Demokratie. „Wi(e)der die Wut! Kulturpolitische Netzwerke gegen Autoritarismus“ hieß der daran anschließende und zusammen mit der Bundeszentrale für politische Bildung organisierte Bundeskongress, der – angesichts des wachsenden Populismus und der im Herbst anstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern – drängende Fragen unserer Zeit zusammenführte. Die „wohltemperierten Zeiten der Demokratie sind vorbei“, bemerkte der Staatssekretär für Kultur und Medien Weimer. Mit vielen aufschlussreichen Impulsen – zur Akzeptanz von Verlusten, der Bedeutung von Haltung und Kunstfreiheit, paradoxen Allianzen, Brückenbauen und Netzwerken – entstand eine suchende und zugleich entschlossene Stimmung. Der Kulturamtsleiter der Stadt Unna formulierte ganz treffend: „Kultur ist das Immunsystem der Demokratie — nicht, weil sie schützt, sondern weil sie trainiert“.

Das weiß sicher auch unser vor einer Woche im Rat der Stadt gewählte neue Dezernent für Kultur, Sport, Sicherheit und Ordnung Hagen Lippe-Weißenfeld. Glückwunsch! Im WZ-Interview sprach er mit visionären Funken von einem „Dezernat für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ und äußerte sich begeistert zu den Potenzialen der Kultur an sich, der freien Szene und hob das Pina Bausch Zentrum hervor, dem der Rat im September, so hoffe ich, Rückendeckung gibt.

Um der „Singularisierung“, wie sie auf dem Kongress hervorgehoben wurde, mit mehr Miteinander, Werten und daraus entstehender Resilienz entgegenzuwirken, braucht es nun konkrete Schritte, Aushandlungsprozesse und Lösungen. Hier in Wuppertal sind pilothaft über engagierte Begegnungen weitere Allianzen zwischen Politik und Freier Szene entstanden. Noch stehen jedoch dringend Lösungen für die aufgrund von Missverständnissen vernachlässigten drei Ensembles aus: Wege für das Open-Sky-Festival zeichnen sich ab, aber noch nicht konkret für die bewährte Glanzstoff-Akademie für Inklusive Künste und das renommierte inklusive Pour Ensemble.

Kann Zusammenhalt ohne Inklusion entstehen? Mit konkreten Kulturerfahrungen weist derzeit das Theater Wege: Morgen ist das inklusive Schauspiel Bamboo mit „Raum Expedition“ im Pina Bausch Zentrum zu sehen. Parallel lädt „Wer ein rotes springendes Herz hat“ ins Theater am Engelsgarten ein, ein imaginärer Dialog zwischen Else Lasker-Schüler und Anne Frank. Nichts wie hin: Mit beiden lässt sich der Demokratie- und Empathiemuskel trainieren.

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