)) freies netz werk )) KULTUR

Es wird einmal...

Search

 

 

 

 

 

 

Anfangen - immer wieder

Von Kati Trempler

In meiner letzten Kolumne schrieb ich über Hannah Arendt und ihre Definition von Macht, also der Fähigkeit, gemeinsam etwas zu bewegen. Die Philosophin und politische Theoretikerin fasziniert mich. Sie ist der Ansicht, dass jeder Mensch selbst ein Anfang ist und daher die Fähigkeit besitzt, Neues zu beginnen. Das Unerwartete zu tun, den Lauf der Dinge zu unterbrechen, ist für sie der Kern des politischen Handelns.

Kati Trempler - Foto: Line Beckmann
Kati Trempler - Foto: Line Beckmann

In Wuppertal hat sich diese Fähigkeit der Menschen in den letzten Wochen gezeigt. Akteure und Akteurinnen der freien Szene zogen durch die Fraktionen, um für ihre Einrichtungen zu kämpfen. Sie forderten entweder eine Erhöhung der Zuschüsse, um den Fortbestand der Einrichtungen zu garantieren, oder eine Aufnahme in die institutionelle Förderung – insgesamt handelt es sich um einen Mehrbedarf von 415 000 Euro. Öfter hörte ich in dieser Zeit Aussagen der Aussichtslosigkeit und Verzweiflung. Zu oft haben die Kulturschaffenden erlebt, dass an der Kultur gespart wird. Noch zwei Tage vor der Haushaltsabstimmung im Stadtrat standen entrüstend geringe Zahlen – ein Drittel der geforderten Zuschüsse – für die Kultur im Haushaltsplan. Und sogar die Verabschiedung des Haushaltsplans selbst stand in den Sternen.

Etwas Neues zu beginnen entzieht sich aller Absehbarkeit und Berechenbarkeit – doch selbst das Unwahrscheinliche hat in jedem Fall noch eine gewisse Wahrscheinlichkeit und darf erhofft werden, so Arendt. Und so kam es, dass am 7. Mai im Stadtrat ein Haushalt verabschiedet wurde, der 15 Einrichtungen der freien Kulturszene insgesamt 81 Prozent der geforderten Zuschüsse sichert. In einer Stadt mit desolatem Haushalt und in Zeiten, in denen überall gespart wird, ist das nicht selbstverständlich.

Dieser Moment verdient es, gefeiert zu werden. Nicht weil alles gut ist. Sondern weil er zeigt, dass Veränderung möglich ist. Kaum nachzuzeichnen ist, wie viele Menschen auf welchen Ebenen daran mitgewirkt haben. Kulturschaffende haben monatelang erklärt, überzeugt, nachgehakt, sich verteidigt und offene Briefe geschrieben – ohne jede Garantie auf Erfolg. Und sie wurden gehört.

Deshalb ein aufrichtiger Dank – an die Fraktionen der demokratischen Parteien, die in den letzten Tagen und Stunden vor der Ratssitzung gemeinsam über sich hinausgewachsen sind, und an alle Kulturschaffenden, die nicht aufgehört haben, zu reden, auch wenn es aussichtslos schien. Alle gemeinsam haben bewiesen, dass die Hartnäckigkeit des Gesprächs keine naive Tugend ist, sondern eine politische.

Arendt erinnert uns daran, dass politisches Handeln immer gemeinschaftlich ist – es ist nie das Werk einer einzelnen Person oder Partei. Der Wuppertaler Erfolg war gemeinschaftlich und stellt sich damit gegen den auf Bundesebene betriebenen Kulturkampf.

Und natürlich bleibt etwas offen: Drei Einrichtungen – der Jazz-Verein Open Sky, Pour Ensemble und die Glanzstoff-Akademie – haben nicht die gewünschten Mittel erhalten. Zwei davon sind inklusive Einrichtungen und es stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien dies entschieden wurde. Das ist keine Klage, sondern eine legitime politische Frage. Und sie verdient eine Antwort.

Handeln ist immer unvollständig und man weiß nicht, was man in Gang setzt. Die Wirkung entzieht sich dem Handelnden. Aber genau darin liegt auch die Einladung: Was jetzt nicht gelungen ist, ist der nächste Anfang, der noch wartet. Für die drei Einrichtungen, die leer ausgegangen sind, bin ich sicher: Es gibt Lösungen. Um sie zu finden, gehen wir weiter in Gespräche.

Wuppertal hat gezeigt, dass es Demokratie kann. Das ist kein kleines Ding. Applaus.

Ihre Meinung wie immer gerne an ➜ kolumne@fnwk.de

18

 

PARTNER & FÖRDERER

Stadtsparkasse Wuppertal

Stadt Wuppertal / Kulturbüro

 

Vorsitz / Vorstand

Dr. Kati Trempler // 1. Vorsitzende
Dr. Uta Atzpodien // 2. Vorsitzende
Beide sind einzeln vertretungsbefugt und bilden
laut § 26 BGB den Vorstand des Vereins.

Gisela Kettner // Vorstand
Lars Emrich // Vorstand

Vereinsregister –
Amtsgericht Wuppertal: VR 30873
Finanzamt Wuppertal-Elberfeld: 132/5901/5166

 


NEWSLETTER

Melden Sie sich für den Newsletter von )) freies netz werk )) KULTUR an !

Wichtig!

Nach dem Anmelden erhalten Sie eine E-Mail an die angegebene Adresse. Folgen Sie bitte den Anweisungen in dieser Nachricht und bestätigen Sie damit Ihre Anmeldung.
Nur so werden Sie zukünftig den Newsletter von )) freies netz werk )) KULTUR erhalten.

 

KONTAKT

Sie möchten mehr über unseren Verein und unsere Projekte erfahren?

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!


Postanschrift

)) freies netz werk )) KULTUR e.V.

c/o Atelier Gayk
Trooststr. 5
42107 Wuppertal

Konto- & Spendenverbindung

Stadtsparkasse Wuppertal
IBAN: DE87 3305 0000 0000 8343 66
BIC: WUPSDE33XXX
Konto: 8343 66
BLZ: 33050000

Webhosting / Redaktion

Zara Gayk

 

)) freies netz werk )) KULTUR – 2026 Nutzungsbedingungen Datenschutzerklärung
Nach oben