In Umbrüchen Zukunft finden Kurs halten mit Weitsicht und Herz / 28. Oktober 2026 Von Uta Atzpodien Bunt und schillernd leuchten die herbstlichen Blätter, Bäume und Wälder. Mitunter peitschen Regenstürme durch die Straßen und werden mir als Fahrradfahrerin zum Abenteuer. Wenn dann der Himmel wieder aufreißt, kündigen auch die gegen Süden ziehenden Vögel Veränderung an. Uta Atzpodien - Foto: Ralf Silberkuhl Mit der Zeitumstellung, wie dieser Tage, kommt das Erleben ebenso ins Wanken. Nicht nur die Jahreszeiten stehen mit ihrem Kommen und Gehen für Umbrüche. Viel drastischer erfordern die weltweiten gesellschaftlichen Ereignisse in all ihren Polaritäten ein Neusortieren, Aufstellen und einen klaren moralischen Kurs: Für soziale Gerechtigkeit, bessere Bildung und Gleichheit gehen seit Tagen (junge) Menschen in Frankreich und anderen Ländern auf die Straße, fordern vielerorts friedlich, mit Musik, Kultur und ihren Stimmen mehr Weitsicht. Sukzessive werden sie von eskalierender Gewalt überdeckt, übertönt und von der extremen Rechten instrumentalisiert. Der bewegende Wahlausgang in Serbien und Brasilien hat gezeigt, was (junge) Menschen gegen Rechtspopulismus und für Demokratie und damit auch für unseren Planeten mit viel Herz bewirken können. Wie lässt sich mehr Zukunft in meist apokalyptisch anmutenden Umbrüchen finden? „Kunst und Kultur schaffen Verbindung, ermöglichen politische Wirksamkeit, fördern den Nachwuchs und unterstützen dabei, uns selbst zu entdecken und uns weiterzuentwickeln“: Mit berührenden Einsichten startete letzte Woche quirlig, wach und lebendig das Kultur-Campus-Seminar, das ich als Lehrbeauftragte der Bergischen Uni vor ein paar Jahren vom Mitgründer Björn Krüger übernahm. Hier darf ich Studierende begleiten, sie im Studium empowern, an sich zu glauben und – indem sie erste eigene Kulturprojekte durchführen – sich mit der Kulturszene der Stadt Wuppertal zu verbinden. Bewegend sind sie Teil eines großen Mosaiks, lernen Zukunft zu gestalten, zu dem beizutragen, was Wuppertal im Großen und Kleinen zukunfts- und demokratiefähig macht, unsere über sich stetig hinauswachsende Kulturstadt. Im September brachte der Kulturgipfel vieles zur Sprache, selbstwirksam war hier von Wuppertal als zukünftiger Kulturhauptstadt die Rede. Prominente Schreibende sprachen erst kürzlich in der WZ – inspiriert von der pulsierenden Kulturszene, dem entstehenden Pina Bausch Zentrum, der Stadtbibliothek im Kaufhofgebäude und der BUGA31 – von einer Kulturvision 2040. Ja, gerade angesichts klammer Haushalte und großer Umbrüche sind Weitblick, Herz und Zeit dafür gefragt, gemeinsam schöpferisch zu handeln und so neue Zuversicht zu erlangen. Dazu gehört, dies auch in den Haushalten mit einzuplanen. Im Gesprächsband „Schöpfen und Erschöpfen“ leiten die Politökonomin Maja Göpel und die Philosophin Eva von Redecker aus dem „Aufstand der Erschöpften gegen die erschöpfenden Verhältnisse“ ab, Kurs zu halten für notwendige weitreichende gesellschaftliche Veränderungen, für Werte, Freiheit, Teilhabegerechtigkeit, Kreislaufwirtschaft und Regeneration (auch unseres Planeten). Um dies als Kultur auch in Wuppertal weiter zum Blühen zu bringen, braucht es Zeit, Raum und ein Gewebe von Stimmen, die sich dafür stark machen. Dafür steht auch das Pina Bausch Zentrum: Am kommenden Sonntag lädt das Projekt des Forums Wupperbogen „1000 Stimmen“ unter Leitung des Künstlers Horst Konietzny ein. Zukunft im Umbruch braucht aus vollem Herzen Weitblick und Teilhabe, das machen die Proteste wie auch die Wahlen in Serbien und Brasilien ebenso berührend wie nun konkret herausfordernd greifbar. „Wer ein rotes, springendes Herz hat“: Das magische Live-Hörspiel über Anne Frank und Else Lasker-Schüler trägt morgen im Theater am Engelsgarten kulturell sensibilisierend dazu bei. Feedback an ➜ kolumne@fnwk.de 790