Lasst die Kunst in Ruhe Herzliche Einladung in ein neues Forum für freie künstlerische Forschung // 14. Oktober 2026 Von Tine Lowisch Als Kind habe ich in der Börse (damals noch am Viehhof) einmal versehentlich an einem Trommelkurs für Erwachsene teilgenommen. – Das hat mich sehr beeindruckt, daher trommel ich heute mal für die Börse: Kulturschaffende aus ganz Deutschland haben die Möglichkeit, sich dort (heute an der Wolkenburg 100) für „ARTIFICIAL – das Kunst und KI Festival“ zu bewerben. Unter www.dieboerse-wtal.de/ARTIFICIAL können sie Projektideen für Performances, Ausstellungen, Workshops und Panels, die sich künstlerisch, kritisch, kreativ und experimentell mit KI auseinandersetzen, noch bis Ende November im Rahmen eines Open Calls einreichen. Tine Lowisch - Foto: Claudia Scheer van Erp Das Festival ist dann für den Zeitraum 19. bis 21. Februar 2027 geplant. Es lädt sowohl das entsprechende Fachpublikum als auch die breite Öffentlichkeit dazu ein, KI- generierte Kunst vor Ort zu erleben und sich darüber hinaus aktiv in die laufende Debatte, die dieses Thema begleitet, mit einzubringen. ARTIFICIAL legt bei der Auswahl der eingereichten Ideen den Fokus auf Arbeiten, die KI nicht ausschließlich als Werkzeug nutzen, vielmehr als ein mittlerweile unübersehbares und unüberhörbares artifizielles Gegenüber mit Reibungsfläche. Das ARTIFICIAL Festival- Team plant für den Februar 2027 zwölf Aufführungen und Ausstellungen sowie rund achtzehn Workshops und Panels. Insgesamt sollen bis zu 45 künstlerische Positionen vertreten sein. ARTIFICAL wird ein neues Forum für freie künstlerische Forschung werden. Mitten in Wuppertal platziert und dabei offen für die gesamte Republik. Die Frage ist ja tatsächlich: Wie geht es der Kunst, mitten in ihrem tiefgreifenden Wandel? Bleibt sie frei, wenn ihre Produzenten es meist nicht mehr sind und ihre Konsumenten, die sich in ihrem Verhalten sehr verändert haben, anders mit ihr in Kontakt kommen? Wird die Kunst gewinnen oder verlieren, wenn sie die neuen Denkweisen der anderen Kreativbranchen nicht mehr nur befragt, da sie die neuen Impulse aus Technologie, aus Medien, Mode oder auch im Design im Grunde immer mehr verinnerlicht? Wird im freien Spielfeld der Kunst in Zukunft vielleicht noch größerer Wert auf langfristigen Gegenwert durch Qualität gelegt? Wird es überhaupt noch vergleichbar sein, ob Kunst in Zukunft eher anorganisch oder organisch nachwächst? Stopp. Jetzt mache ich schon denselben Fehler – schon wieder … denn eigentlich bin ich der Meinung, dass die Kunst auf der Grundlage ihrer Autonomie gerne frei bleiben darf. Und das heißt dann eben auch, dass man ihr keinen allzu schweren Rucksack, voll mit ungelösten gesellschaftlichen Fragen, auf den Rücken packen sollte. Auf der Verleihung der diesjährigen Enno und Christa Springmann-Preise in der Stadthalle letzten Sonntag waren sich viele darüber einig. Es war ein die Kunst wertschätzender Festakt und den Satz von Tony Cragg in seiner Dankesrede: „Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben ohne die Freiheit der Kunst“, gilt es zu beherzigen, denn diese Übereinkunft ist in einer aufgeklärten Gesellschaft auf allen Ebenen mit aller Demut zu verteidigen. Und auch wenn die Kunst des Überlebens den Menschen zunehmend schwerfällt, müssen sie es doch immer weiter versuchen. Und wenn immer mehr künstliche Intelligenz und Maschinen in Zukunft den Menschen beim Schaffen helfen werden, gibt es vielleicht sogar irgendwann einmal ein bedingungsloses Grundeinkommen? Freiwillige Leistungsnachweise dafür wurden bereits von Generationen von Künstlerinnen und Künstlern erbracht… Ihre Meinung an ➜ kolumne@fnwk.de 38