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Kein Prestigeobjekt. Ein Gemeinschaftswerk.

7. Oktober 2026

Von Christian Günther

Haben Sie vergangene Woche Rats-TV gesehen? Der neue Kulturdezernent Hagen W. Lippe-Weißenfeld warb engagiert für das geplante Pina Bausch Zentrum (PBZ). Mein Höhepunkt aber war der Beitrag von Ratsmitglied Rolf Köster. Er erinnerte daran, dass das PBZ lange als „Expertengeschichte“ und „elitäres Projekt“ galt. Das habe sich „vehement geändert“. Gut so. Denn ein Kulturprojekt dieser Größenordnung darf keine Sache weniger Eingeweihter bleiben.

Christian Günther - Foto: Bettina Oswald
Christian Günther - Foto: Bettina Oswald

Das neue PBZ soll kein repräsentativer Vorzeige-Kulturbau für einen kleinen Teil der Stadtgesellschaft werden. Tanztheater, internationale Theaterproduktion, Pina Bausch Foundation und eine breite, lebendige Bürgerbeteiligung sollen gleichberechtigt unter einem Dach vereint werden. Das ist der besondere Clou des Projekts!

Köster zeigte sich beeindruckt von den fast 1.000 Menschen, die am 13. September auf der B7 im strömenden Regen mit Pina Bauschs Nelken Line ein deutliches Zeichen setzten. Ebenso würdigte er die vielen Veranstaltungen der vergangenen Jahre im und vor dem alten Schauspielhaus. Sein Fazit: Der Gedanke an ein neues PBZ hat „in der Stadt richtig Fuß gefasst“. Diese Statements sind eine Feierstunde der Demokratie. Hier öffnet sich ein Fenster für ein gutes Miteinander, mehr Partizipation, ein innovatives Kulturangebot, eine gemeinsame Vision und die Bereitschaft, trotz klammer Kassen etwas zu wagen. Das trifft in Wuppertal auf eine besonders engagierte Stadtgesellschaft. Auch die freie Szene beweist seit Jahren, wie viel kulturelle Kraft in Wuppertal steckt. Kultur ist kein schmückendes Beiwerk. Sie ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Der Transformationsprozess für noch mehr Teilhabe im künftigen PBZ hat bereits begonnen. Seit mehr als einem Jahr arbeiten Menschen aus der Stadt und der freien Szene im Forum Wupperbogen an einem vielversprechenden Konzept für moderne Bürgerbeteiligung. Der kürzlich vorgestellte Entwurf fand viel Beachtung und großen Anklang im Stadtrat. Nun darf er nicht in einer Schublade verschwinden.

Gleichzeitig zeigt Bettina Milz im PBZ under construction, was an diesem Ort möglich ist: ein hochkarätiges, vielfältiges und sorgfältig kuratiertes Programm. Die Kooperation mit Ehrenamtlichen, Schulen, Universitäten und sozialen Einrichtungen sind dabei keine Zugabe, sondern zentral. Wuppertal besitzt in der internationalen Tanzwelt enorme Zugkraft – und Bettina Milz nutzt sie. Zum Jubiläum des Graubner Baus am 26. September machte die berühmte Tanz-Ikone Germaine Acogny, die „Pina Bausch des afrikanischen Kontinents“, Station im PBZ. In einer offenen Probe zeigte ihr Weltklasse-Ensemble hautnah sein Können. Ein weiterer Glanzpunkt war Annika Komparts berührende Choreografie „Was bewegt uns?“, die sie generationenübergreifend mit 45 Menschen aus der Stadtbevölkerung erarbeitet hat.

Die Strahlkraft von Pina Bausch ist ein wichtiger Standortvorteil für unsere Stadt. Vieles spricht für das neue PBZ. Doch Zustimmung allein baut noch kein Zentrum, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Für die Umsetzung wünsche ich Dr. Lippe-Weißenfeld ein gutes Händchen – und dem Rat den Mut, seiner Einigkeit eine Entscheidung folgen zu lassen.

Also dann, bis zum nächsten Rats-TV am 16. November – oder besser persönlich bis zum 1. November im PBZ. Dort feiert das partizipative Kunstprojekt „1000 Stimmen“ des Forums Wupperbogen seine Premiere. Menschen sind in diesem Mitmachprojekt bis in die Ränder der Stadt vorgestoßen und haben dort eine Vielfalt berührender Stimmen eingesammelt. Jeder kann noch dabei sein. Am 1. November kommt es zur Uraufführung einer ungewöhnlichen Klangskulptur, in der die Alltagsstadt Wuppertal zum Klingen gebracht wird.

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