Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen 1. Juli 2026 Von Nadine Zollfrank Es sind oft die kleinen Momente, die in Erinnerung bleiben: Ein Kind, das sich im Unterricht eher zurückhält, steht plötzlich selbstbewusst auf einer Bühne. Eine Gruppe entwickelt gemeinsam eine Choreografie. Schülerinnen und Schüler diskutieren über einen selbst gedrehten Film. Oder eine Melodie, die zunächst vorsichtig gesungen wird, füllt auf einmal den ganzen Raum. Solche Momente erleben wir an der Gemeinschaftsgrundschule Hesselnberg immer wieder. Sie zeigen, was kulturelle Bildung bewirken kann. Kinder probieren Neues aus, bringen eigene Ideen ein und entdecken Fähigkeiten, die im Schulalltag nicht immer sichtbar werden. Sie erleben, dass ihre Gedanken zählen und dass sie mit ihren Talenten Teil einer Gemeinschaft sind. v.l. // Savvas Apostolidis / Nadine Zollfrank Die Auszeichnung mit dem diesjährigen Entwicklungspreis Kulturelle Bildung NRW hat uns deshalb besonders gefreut. Nicht allein wegen der Anerkennung, sondern weil sie sichtbar macht, welchen Stellenwert kulturelle Bildung für unsere Schule hat. Sie bestätigt einen Weg, den wir seit vielen Jahren gehen. Kulturelle Bildung verstehen wir nicht als zusätzliches Angebot neben dem Unterricht. Sie ist Teil unseres Bildungsverständnisses. Kinder lernen nicht nur durch Lesen, Schreiben und Rechnen. Sie lernen auch durch Musik, Bewegung, Gestaltung und kreatives Handeln. Sie lernen zuzuhören, sich auszudrücken, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam Ideen zu entwickeln. An unserer Schule gehören Musik, Tanz, Theater, Film und bildende Kunst deshalb selbstverständlich zum Alltag. Dies zeigt sich eindrücklich in konkreten Projekten: Im Filmworkshop zum Thema „Einsamkeit“ in Kooperation mit dem Kulturzentrum „Die Börse“ setzten sich die vierten Klassen in eigenen Filmen kreativ mit Gefühlen, Empathie und Gemeinschaft auseinander. Im Kunstprojekt „Ich mal mir die Zukunft pink/ Kinderutopien“ mit Avan Weiß gestalten Kinder Zukunftsvisionen und erleben Wahrnehmung und Wertschätzung. Im Tanzprojekt „Unsere Welt in Bewegung“ mit Milton Camilo erzählen Kinder mit unterschiedlichen kulturellen Erfahrungen ihre Geschichten durch Bewegung und Tanz. Auch die enge Kooperation mit der Bergischen Musikschule mit der SingPause und dem Ensemble prägt unseren Schulalltag. Natürlich sind Aufführungen, Ausstellungen oder Präsentationen besondere Höhepunkte, doch der eigentliche Wert liegt im Prozess. Kinder erleben gemeinsam, dass aus Ideen Wirklichkeit werden kann. Sie erfahren, dass unterschiedliche Sichtweisen eine Bereicherung sind und dass jede und jeder etwas zum Gelingen eines Projekts beitragen kann. Möglich wird dies durch die Zusammenarbeit mit freien Künstlerinnen und Künstlern und Kultureinrichtungen, die ihre Erfahrung, ihr Wissen und ihre Kreativität in die Arbeit mit Kindern einbringen. Die Auszeichnung würdigt deshalb nicht nur die Arbeit unserer Schule. Sie ist zugleich eine Anerkennung für die vielen Kulturschaffenden in unserer Stadt, die sich mit großem Engagement für Kinder einsetzen. Die gemeinsamen Projekte zeigen, wie lebendig Bildung sein kann. Gerade in einer vielfältigen Stadtgesellschaft hat kulturelle Bildung eine besondere Bedeutung. Sie fördert gegenseitigen Respekt und eröffnet Kindern die Möglichkeit, ihre eigenen Stärken zu entdecken. In der Zusammenarbeit zwischen städtischer Institution und Kulturleben wird Kunst zu einer Vermittlerin für „Unaussprechliches“ – zu einem Sprachrohr für Gemeinschaft in der Vielfalt, für unsere Schulgemeinschaft, aber auch darüber hinaus für das Zusammenleben in unserer bunten Stadt Wuppertal. Feedback an ➜ kolumne@fnwk.de vorheriger Artikel Allianzen für den Zusammenhalt 306