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Was Hannah Arendt mit der Wuppertaler Kulturszene zu tun hat 8. April 2026

Von Kati Trempler

Ich habe mich in der letzten Zeit viel mit Hannah Arendt und ihren Gedanken beschäftigt. Ihre Ausführungen zum Thema Macht und Verzeihung haben mich sehr angerührt. Sie sagt, dass wir unsere Taten nicht rückgängig machen können, aber dass wir durch das Verzeihen die Konsequenzen besser ertragen können. Ein schöner Gedanke, den mir Olaf Reitz und Andre Enthöfer bei einer Lesung im Fritz Bauer Forum in den Kopf gepflanzt haben.

Kati Trempler - Foto: Line Beckmann
Kati Trempler - Foto: Line Beckmann

Arendt unterscheidet Macht von Gewalt. Macht entsteht, wenn Menschen zusammen handeln, etwas gemeinsam auf die Beine stellen, Vertrauen und Zustimmung füreinander spüren. Solange Menschen aufeinander hören und miteinander handeln, bleibt Macht lebendig und wird zu einer gemeinsamen Superkraft (Übertreibung der Autorin). Und wer dann die Perspektive der anderen einnehmen kann, ermöglicht Verzeihen und Versöhnung. Arendt – selbst Jüdin – wusste, wovon sie spricht. Ihre Beziehung zu Martin Heidegger, der sich zeitweise dem Nationalsozialismus anschloss, zeigt, wie widersprüchlich und zugleich möglich Verzeihen sein kann.

Ständig höre ich im Moment – wie spannend – den Ausspruch „Aber es gibt auch noch die andere Seite“. Eigentlich auf den ersten Blick ein Anlass zur Freude, denn die andere Seite zu sehen, könnte bereits ein Ansatz kritischer Auseinandersetzung sein. Leider vermute ich hinter der Aussage oft nur ein Zeichen dafür, die eigenen Haltungen nicht verlassen zu müssen. Ein spannendes Phänomen der Gegenwart.

Wem kann ich es verübeln – in Zeiten multipler Krisen? Irgendwann sind es einfach zu viele Perspektiven und Bedrohungen und Mensch macht einfach dicht. Funktionales Verdrängen würde ich das nennen. Es ist dann ganz angenehm, sich mit Wolf und Wal zu beschäftigen. Oder – wie bei uns zu Hause – mit der Weltraummission. Dazu noch mystisches Osterlicht. Oder auch die Techliberalen, die sich unterdessen die Frage stellen, wie wir unsere ohnehin schon perfekten Menschen noch perfekter machen können – vorgeburtlich natürlich. Ob es irgendwann Menschen ohne Kriegs-Gen und mit bedingungsloser Naturliebe geben wird? Et voilà!

Diese Abschweifungen sind notwendig – Verdrängen und Ablenken erhalten uns handlungsfähig und geben uns das Gefühl, wenigstens etwas im Griff zu haben.

Und nun denken Sie sich bitte selbst eine rhetorisch perfekte Überleitung zum Thema freie Kulturszene Wuppertals aus. Diese organisiert sich gerade sehr aktiv in Kulturrat und im )) freies netz werk )) Kultur (fnwK). Falls Sie den Unterschied nicht kennen – da sind Sie nicht allein.

Alle, die sich für kulturpolitische Fragen interessieren, können am Kulturrat teilnehmen. Zusammen diskutieren wir die Themen aus dem Kulturausschuss und planen gemeinsam, wie wir die Ziele der freien Szene umsetzen können – zurzeit geht es beispielsweise um die Zuschusserhöhungen der Kulturinstitutionen der freien Szene. Dabei arbeitet er eng mit dem fnwK zusammen. Dazu geht es im fnwK um das Netzwerk der freien Szene und um den Austausch. Wir arbeiten an einer gemeinsamen Haltung – und vielleicht auch an einer gemeinsamen Sprache. Noch in diesem Jahr plant das fnwK drei Veranstaltungen, die für die gesamte Wuppertaler Kulturszene geöffnet sein werden. Einladungen zum Mitdenken, Mitreden und vielleicht auch zum Perspektivwechsel.

Vielleicht ist es genau das, was Arendt mit Macht meint: die Fähigkeit, gemeinsam etwas zu bewegen. In den Treffen der Kulturszene läuft längst nicht alles reibungslos – unterschiedliche Meinungen treffen aufeinander, und manche Projekte brauchen länger. Trotzdem zeigt sich: Wer zuhört, mitmacht und die unterschiedlichen Perspektiven aushält, bringt die Szene Schritt für Schritt voran. Genau das hält die freie Kulturszene lebendig – trotz allem.

Für Anregungen und Feedback sind wir offen. E-Mail an➜ kolumne@fnwk.de

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laut § 26 BGB den Vorstand des Vereins.

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