Lebendige Kontinuität und Teilhabe mit Kultur Mit gewachsenen Potenzialen weiterwirken // 18. Februar 2026 Von Uta Atzpodien „Ein Herz in meiner Faust“: Unter die Haut geht mir dieser Titel, der im Schauspiel Bochum letztes Wochenende Instrumentalmusik, Performances und ein gemeinsames persisches Essen verband. Weltweit führte der Aktionstag für „Freiheit, Würde und Selbstbestimmung im Iran“ enorm viele Menschen zusammen. Etliche Kulturbetriebe, wie das Theater an der Ruhr, Schauspiel Köln oder auch die Berlinale lenken die Aufmerksamkeit auf das gewaltige Leid im Iran. Der Sänger Shervin Hajipour trifft mitten ins Herz mit seinem Song „Iranam“, filmisch aufreibend mit Bildern lebensfroh wirkender junger Menschen, sie alle, die kürzlich getötet wurden. Viele weitere künstlerische Beiträge, ob als Musik, Gedichte und andere Kunstformen, zeigen derzeit, wie Kultur solidarisch verbinden kann. Uta Atzpodien - Foto: Ralf Silberkuhl In den USA haben buddhistische Mönche mit ihrem „Walk for peace“ ein Zeichen für Frieden, Mitgefühl und Gewaltlosigkeit gesetzt. Auf ihrem über drei Monate dauernden Weg auf 3700 Kilometern begegneten sie vielen Menschen und berührten mit ihrem Lauf in Stille. In Wuppertal bewegte Ende letzter Woche die weltweite Kampagne „One billion rising“, die jährlich auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam macht. Angeleitet wurde sie von der Choreografin Janneth Wegener. Gemeinsam vor dem Rathaus tanzend kamen das Aufbegehren gegen Gewalt und Übergriffe und das immer noch so notwendige Engagement für Gleichstellung zum Ausdruck. Nun geht mit dem Aschermittwoch die Karnevalszeit zu Ende, die einige zum gemeinsamen (rauschhaften) Feiern verlockte, um Alltagsrollen außen vor zu lassen und sich mal frank und frei zu allem zu äußern. Andere gönnten sich einfach eine Auszeit. Nun rufen die kontinuierlichen Rituale zur Fastenzeit auf, zur Besinnung auf das Wesentliche. Spielt nicht genau das bei der Kultur per se eine wichtige Rolle? Erst kürzlich gab es flammende Wortmeldungen zur Kultur, die der Stadt „Würde, Ausstrahlung und Anerkennung weit über die Stadtgrenzen“ hinaus verleiht, so Lambert Koch, langjähriger ehemaliger Rektor der Bergischen Uni, nun Präsident des deutschen Hochschulverbandes, oder Gunter Wölfges, lange Vorstand der Stadtsparkasse, nun Sprecher des Kunst- und Museumsvereins Wuppertals, er betont, dass „Kultur keine freiwillige Nebenaufgabe der Kommune ist, sondern ein tragender Bestandteil des urbanen Lebens“. Die quirlige Kulturszene Wuppertals funkelt mit ihren vielfältigen Angeboten. Besonders kontinuierlich sind Strukturen von unten gewachsen, voller Lebendigkeit, Teilhabe, Vernetzung und in hoher künstlerischer Qualität. Davon hat erst kürzlich der Landespreis für Kulturelle Bildung gezeugt, der für das NRW weite Alleinstellungsmerkmal Wuppertals, dem Zusammenwirken der Freien Szene und der Verwaltung verliehen wurde. Da unsere Stadtgesellschaft in unserer herausfordernden Zeit noch mehr Selbstwirksamkeit und zukunftsfähiges Zusammenwirken braucht, ist die Begleitung der Kultur über ein mit Expertise besetztes (Kultur-)dezernat gefragt, um die für die Stadt so wichtigen Bedarfe souverän und mit Zeit dafür nach innen und außen zu begleiten: sei es die Kulturszene als Ganzes, die Freie Szene und die für sie so wesentliche angemessene Institutionelle Förderung oder das lokal bis global gefragte und von vielen Engagierten unterstützte entstehende Pina Bausch Zentrum. So wie es gestern im Kulturausschuss der Stadt deutlich wurde: Mit ihrem kontinuierlichen Wirken stärkt und bereichert Kultur den Lebens- und Wirtschaftsstandort Wuppertal. Anregungen an ➜ kolumne@fnwk.de 61