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Kultur stärkt das demokratische Miteinander

30. November 2022

Neulich war ich wieder einmal bei den Hörspieltagen der ARD in Karlsruhe, einem dreitägigen Festival nur für das Hörspiel. Das gemeinsame Hören der nominierten Stücke zum Deutschen Hörspielpreis mit anschließender Jury-Diskussion, dem ich immer gerne beigewohnt habe, wurde leider aus dem Programm gestrichen – wohl aus Gründen der Geldknappheit. Das kann man jetzt nur noch im Netz. Auslöser dafür waren ursprünglich die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, sprich Kontaktbeschränkungen. Jetzt wurde es einfach dabei belassen. Na ja.

Torsten Krug - Foto: Andreas Fischer
Torsten Krug - Foto: Andreas Fischer

Was ich eigentlich erzählen wollte: Den Juryvorsitz hatte in diesem Jahr wieder die Schriftstellerin und Journalistin Jenni Zylka. Ihr Vorwort im Programmheft fand ich bemerkenswert: Sie sei sehr glücklich darüber, erneut diese Aufgabe übernehmen zu dürfen, juchhu, doch es sei nur ein begrenztes Juchhu. Es komme ihr nämlich sehr – schönes Wort – „eskapistisch“ vor. Alles komme ihr im Moment eskapistisch vor: „Wir setzen uns einfach hin und sprechen über Kultur. Während die Welt gewissermaßen auseinanderfällt, auf verschiedenen Ebenen und aus verschiedenen, miteinander verknüpften Gründen. Dürfen wir das?“ Natürlich beantwortete sie ihre Frage gleich selbst: „Wir müssen sogar. Wir müssen Kultur ernst nehmen, erhalten, besprechen und vorstellen.“ Und (sehr schön) weiter: „Kultur ist ein von uns allen gestalteter Spiegel der Welt. Sie zeigt uns die gegenwärtigen Schwierigkeiten und bietet Lösungsmöglichkeiten.“

Das empfinde ich ähnlich. Das gemeinsame Diskutieren über Ästhetik, Poesie, Verständnis, Intention oder Dringlichkeit ist friedlich, gesund und nachhaltig. Es ist allgemein bekannt, dass diktatorische Politik zuerst die Kontrolle über die Kultur zu erlangen sucht, im Idealfall jeden subversiven Diskurs, jede kritische oder utopische Stimme unterbinden möchte. Im Gegenzug stärkt und bereichert Kultur erwiesenermaßen ein freies und demokratisches Miteinander. Und kann uns wärmen wie ein uraltes Lagerfeuer.

Dementsprechend spitzte ich die Ohren, als unser Oberbürgermeister Uwe Schneidewind bei einem Treffen der freien Szene in der Börse vor einigen Monaten sinngemäß sagte: Durch diesen Winter kommen wir nur mit der Kultur.

Sehr spürbar wurde das für mich wieder am vergangenen Freitag in der Begegnung mit Emine Sevgi Özdamar bei „Literatur auf der Insel“ im ADA. „Es ging immer ums Glücklichwerden“, heißt es in ihrem großen Lebensroman „Ein von Schatten begrenzter Raum“: „Das Feuer des Glücks durchs Erzählen nähren, damit das Feuer nie ausgeht.“ Mit dem Erzählen sei hier nicht nur die Literatur im engeren Sinne gemeint. Das Nicht-Erzählen, das Schweigen führt demnach zu Unglück. „Im Schlaf der Völker stehen die Generäle auf“, heißt es an anderer Stelle. Nur die Kunst rettet uns. Eine Kunst, die das Leben und mit ihm die Welt poetisiert, ist mithin auch eine politische Kunst.

Seit Monaten höre ich von vielen Seiten, dass es in der Kommunikation untereinander knirsche. Im Büro, im sozialen Bereich, mit der Familie im Homeoffice – wohin man sich wendet offenbar überforderte Menschen. Die Diagnose dazu ist lang und in großen Teilen bekannt, ein Spiegelkaleidoskop der uns umgebenden Krisen. Die Kultur kann uns aus diesem ermüdeten Dasein herausheben, uns sagen: Eine andere Welt ist doch möglich.In diesem Sinne werde ich weiter täglich versuchen, freundlich und streitbar zu bleiben, sprachsensibel zu sein und nichts und niemanden zu annektieren.

Anregungen und Kritik: kolumne@fnwk.de

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