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Warum die Kulturlandschaft jetzt laut werden muss

Über die Qualität der Leere // 4. November 2020

Im Frühjahr, zwei Tage nach dem großen Lockdown, habe ich an dieser Stelle geschrieben, dass die überwiegend prekär lebenden Freiberufler in Kunst-und Kulturberufen toptrainierte Manager sind, die trotz ihrer alltäglichen Krisen Zuversicht produzieren. Das stimmt natürlich immer noch, wird in diesen Berufen aber jetzt, wo der zweite Lockdown ein Kulturlockdown geworden ist, zunehmend schwerer. Für die, die Zuversicht produzieren, sollten jetzt ein paar Dinge anders, also weiter gedacht oder sogar grundsätzlich anders gemacht werden. Es geht jetzt nicht mehr, dass Kunst- und Kulturthemen on top of it verhandelt werden. Es geht jetzt auch nicht mehr, dass der gesellschaftliche Auftrag von Kunst und Kultur bei manchem unter dem Hashtag Zerstreuung und Bespaßung liegt. Da müssen Künstler und Künstlerinnen jetzt laut werden und deutlich über ihre Arbeit aufklären, die nachweislich zu gesellschaftlich zusammenführendem Engagement anregt.

Tine Lowisch –  Foto: Claudia Scheer van Erp
Tine Lowisch – Foto: Claudia Scheer van Erp

Aber wie soll das gehen, in diesem vollausgebremsten November? Darüber wünsche ich mir einen breit aufgestellten Diskurs. Was ist unser kulturelles Erbe und wie können wir es unter diesen Umständen weiterentwickeln und erhalten? Ohne Kunst und Kultur wird es still, so ist es dieser Tage überall im Internet zu lesen. Dies ist eine Tatsache. Eine Tatsache, die sich nicht ändert, auch nicht, wenn man sie unterschiedlich betrachtet. Wenn jetzt die angekündigten Überbrückungs- und Stabilisierungshilfen in den Kulturbereich fließen, gerne auch der fiktive Unternehmerlohn, darf sich dort trotzdem niemand zurücklehnen und muss sich auf dieser, nun viel zu lange dauernden Achterbahnfahrt auf Sicht, richtig feste anschnallen. Wenn jetzt aber den Worten aus Berlin und Düsseldorf Taten folgen, könnten wir es mit allerletzter Kraft schaffen, eine zukunftsfähige Infrastruktur für die Kunst -und Kulturlandschaft aufrechtzuerhalten.

Vielleicht wird sie nicht mehr so aussehen wie bisher, vielleicht wird sie in ihrer Gewichtung verändert und vielleicht wird sogar der Fokus auf Solo Selbstständige in kreativen Berufen gelegt werden. Denn gerade diese arbeiten ja mitten in einer immer komplexer werdenden Gesellschaft für die Harmonie und müssen sich dabei bei ihren täglichen Drahtseilakten zusätzlich auch noch selbst ausbalancieren. Komfortzonen sehen anders aus. Und trotzdem liefern sie immer wieder frische Impulse, um einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt zu erhalten, indem sie ihn immer wieder neu zu erreichen versuchen.

Wenn jetzt nicht nur mit neuen Schulden, sondern zusätzlich auch mit altem Vermögen neue Werte geschaffen würden, indem altes Geld zum Beispiel auch in neue künstlerische Positionen investiert würde, könnten wir die derzeit verordnete Stille kreativer nutzen, indem wir sie und ihre Folgen künstlerisch, also sehr intensiv, betrachten und auf der Basis der neugewonnenen Erkenntnisse auswerten, übersetzen und vermitteln. So sollte ein seit Jahrzehnten fälliger, gesellschaftlicher Wandel in dieser Frage nun endlich herbeigeführt werden können. Ein wertvoller Wandel, der jeden einzelnen mitnimmt und bei dem auch jeder Mensch einsieht, dass ein Umdenken bei ihm selbst zuerst stattfinden muss.

Die Kunst- und Kulturschaffenden müssen jetzt in allen Debatten und auf allen Kanälen laut werden, ohne zu brüllen, und sich mit guten Vorschlägen und durchdachten Konzepten, mit Erfahrungsberichten und angemessenen Forderungen in die kulturpolitischen Entscheidungsketten eingliedern. Daran arbeiten wir vom Freien Netzwerk Kultur bereits seit mehr als drei Jahren. Um unser Satzungsziel zu erfüllen, die Kunst- und Kulturlandschaft dieser Stadt zu vereinen und sie lokal, regional und überregional zu vernetzten, muss die Kunst auch in Wuppertal jetzt nicht mehr nur zu weit gehen, sie muss überhaupt erstmal weiter gehen - den ganzen langen Weg bis in die Politik.

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