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Einzigartig, irrational, verantwortlich.

Werkzeuge für Zukunftskünstler*innen // 15. September 2021

Von Daniel Hoernemann

Die vergangenen Monate haben mir gezeigt, dass wir uns tiefergehend mit dem "sowohl-als-auch", dem "und-und" sowie mit dem dazwischen entstehenden Spannungsfeld befassen müssen. Es scheint nämlich rational nicht erklärbar, dass ich mit Menschen zunächst in einen Raum mit Abstand und Masken einem Vortrag lausche, um im Anschluss mit denselben Menschen an einem Tisch zu sitzen und (natürlich ohne Masken) zu essen.

Daniel Hoernemann - Foto: Harald NeumannDaniel Hoernemann - Foto: Harald Neumann

Diese Irrationalität ist Alltag. Und genau das ist der Muskel, der trainiert werden muss, z. B. für eine Vertiefung unseres Demokratieverständnisses: das bewusste Wahrnehmen und das Aushalten von Unvereinbarem. Es ist beides da und es hat beides seine Berechtigung und es wird klar, dass ich keines beseitigen kann, ohne neue Probleme und weitere Unvereinbarkeiten zu erzeugen. In meiner Arbeit als bildender Künstler ist diese Spannung die Grundlage meiner Kreativität. „Es ist unvereinbar? Wie wunderbar, lass uns etwas damit machen.“ Die Unvereinbarkeit, der gegenseitige Ausschluss oder das "entweder-oder" stellen sich in Bezug auf Kreativität und Entwicklung nur kurzfristig als Blockade dar. In einem schöpferischen Prozess muss diese Blockade nicht nur überwunden, sondern akzeptiert und transformiert werden.

Und hier bringe ich das Übungsfeld der Künste ins Spiel. Als Künstler gehe ich mit der Blockade wie folgt um: Ich erkunde die Einzigartigkeit der Situation, der Blockade, meiner Erfahrungen und meiner Gefühle. Ich nehme alles, was ich finde, als wichtig und wertvoll wahr. Dann mache ich mir die Unvereinbarkeit, die Irrationalität und die Paradoxie der Situation bewusst und beobachte die Versuche, diese vorschnell aufzuheben. Ich verzichte auf die schnelle Lösung als entspannende Handlungsoption.

Und das stellt sich für mich als die Kunst der Zukunft dar, in der jeder Mensch ein Künstler ist: den Freiraum des bewussten Nichtwissens als „Atelier“ zu halten. Hier entsteht ein Raum der Wahrnehmung, der Gefühle, des Austausches und der Entwicklung. Schnelle Lösungsversuche aufgrund von alten Problemen verfestigen nur neue Unvereinbarkeiten, ohne sie zu nutzen. Wenn wir die Irrationalität als unsere Nationalität angenommen haben, können wir daran arbeiten, zusammenzukommen, Neues entstehen zu lassen und uns auf Handlungsweisen einigen zu können. Der Prozess scheint mir wiederum notwendig irrational.

Nur wenn ich mir meiner Einzigartigkeit immer wieder bewusst bin, kann ich die Einzigartigkeit der anderen wertschätzen. „Was fühle ich? Was will ich? Wer bin ich?“ Diese Fragen stellen in Zukunft die Grundlage von Zusammenarbeit an der Gegenwart und für die Zukunft dar. Mit ihnen gehe ich in den Raum der Irrationalität, des bewussten Nicht-Wissens.

„Wenn ich nicht für mich bin, wer dann? Und wenn ich nur für mich bin, was dann?“. Nach der Einzigartigkeit im Raum der Irrationalität kommt nun noch die Verantwortung, die Bereitschaft, zu antworten und in Beziehung zu treten, hinzu. Die Frage, die mich weiterführt, ist: „Für wen oder was bin (arbeite) ich hier?“ Und da wird heute zunehmend klar, dass der Rahmen nur heißen kann: für alle und alles auf diesem Planeten und wahrscheinlich auch darüber hinaus.

Aus der Einzigartigkeit kommend und der Irrationalität bewusst, braucht es Verantwortung und Verbundenheit. Erst wenn diese drei Zustände – einzigartig, irrational und verantwortlich – gemeinsam in Bewegung sind, entsteht ein Handlungsimpuls, der die Zukunft vorbereitet, indem er die Gegenwart gestaltet: ich_du_wir_alle(s): „Und wenn nicht jetzt, wann dann?“

Daniel Hoernemann alias Walbrodt arbeitet, aus der bildenden Kunst kommend, an kunstfernen Orten mit dem Ziel, künstlerisches Handeln aus der Freizeit zu holen. Er ging in Wuppertal zur Schule und entwirft hier seit 2019 Projekte zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft. Zurzeit sucht er gemeinsam mit der Dramaturgin Uta Atzpodien Ideen für die Zukunftsküche am Wuppertal Institut.

Anregungen und Kritik: kolumne@fnwk.de

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