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Manege frei für die Zukunft

Ein neuer Stadtplan zeigt 13 inspirierende Orte // 23. September 2020

Von Uta Atzpodien

Tätäretää! Gelb-blau gestreift ragt in Utopiastadt ein riesiges Zirkuszelt in die Luft. Das Herz geht mir auf. Da meldet sich das Kind in mir. Mehr noch: Letzte Woche haben sich hier Sehnsucht, Notwendigkeit und Lust auf Weiterkommen miteinander verwoben, begleitet von einer Portion Abenteuerlust. Was in den letzten Monaten recht schwierig war: Austausch mit Abstand gibt wieder den Rhythmus an.

Uta Atzpodien - Foto: Ralf Silberkuhl
Uta Atzpodien - Foto: Ralf Silberkuhl

Vor einer Woche machte unsere Präsentation der Stadtlandkarte „Zukunftslabor Kunst und Stadt“ des Freien Netzwerkes Kultur den Auftakt, eine Kooperation mit dem Wuppertal Institut. „In der Petrischale lebt und arbeitet es“ heißt es auf dem auffaltbaren Stadtplan, der – gestaltet von Jens Robbers – in Übermorgenrot-Tönen in einer „Versuchsanordnung 1“ 13 inspirierende Orte vorstellt, ihre Impulse für Kunst, Stadtentwicklung, Nachhaltigkeit und ein enkeltaugliches Wuppertal in den Fokus rückt. Zu haben ist die Karte bald an Kulturorten der Stadt.

Stadtentwicklung als Anliegen begleitet uns im Kommunalwahlkampf als mehr oder weniger schillernder Wortwirbel. Doch Worte reichen nicht. Taten sind gefragt. Im Zelt machte der Vortrag „Die große Transformation in Kunst, Kultur, Politik“ von dem Sozialwissenschaftler Davide Brocchi markant deutlich, wie sehr Kultur und Kunst neben ökonomischer, ökologischer, sozialer Transformation Säule und Fundament sind und sein können. Er selbst hat als Mitgründer der Stadtviertel-Verwandlung „Tag des Guten Lebens“, die vor einigen Jahren in Köln startete, seine Einsichten in konkretes Handeln münden lassen. Und genau das ist die Frage, die uns seit Jahrzehnten angesichts des Klimawandels beschäftigt: Was braucht es, um ins konkrete Handeln zu kommen?

Mit „Von der Zukunft her: Sommerakademie für eine klimagerechte Kulturpolitik“ startete am letzten Donnerstag eine auf zwei Tage angelegte Expedition der Kulturpolitischen Gesellschaft im Utopiastadtzelt. Zur genannten Frage ließ sie Menschen bundesweit aus Kulturpolitik, Kunst und Kultur, Verwaltung und Politik anreisen und durch vier Wuppertaler Kulturorte wandern. Im frischen Wind hielt mein Mitmoderator, der kulturpolitische Reporter Peter Grabowski, seine Jugendlektüre, den „Report Global 2000“ aus dem Jahr 1980 in die Höhe. Ja, Jahrzehnte ist es her, seit die Auswirkungen des Klimawandels bekannt sind. Umso erquickender war es letzte Woche, mit Best practise-Beispielen aus Kunstsparten, Film, Tanz, Theater, Performance, aus Museen, Bibliotheken und vom Fonds Soziokultur zu erfahren, was schon getan wird und welche formalen Bedingungen es braucht, um Nachhaltigkeit konkreter in der Gesellschaft zu verwurzeln.

Noch fühlen sich viele am Anfang. Doch diese zwei Tage haben Mut gemacht. Der Zwischenruf der Pionierin Hildegard Kurt regte im Verein Insel /Café Ada an, die sinnliche Qualität eines „Von der Zukunft her“-Handelns in den Alltag zu integrieren. Auch die in der Börse präsentierte Studie zur Nachhaltigkeit in der Soziokultur „Jetzt in Zukunft“ der Uni Hildesheim und das Finale im Wuppertal Institut waren substanziell. Nur gemeinsam kann aus Aufbruch konkretes Handeln entstehen.

Auch wenn das Wort Zukunft fast inflationär auftaucht: In allen Ansätzen und dem hier in Wuppertal präsentierten, vom BKM geförderten „Aktionsnetzwerk zur Nachhaltigkeit in Kultur und Medien“ wird vertrauensbildend greifbar, wie es konkret weitergehen kann. Ab dem 27. September ist das hier aufgezeichnete WDR-Forum „Braucht es einen Nachhaltigkeitskodex für Kultur(politik)?“ zu hören. Denn: In der Zukunftsmanege weist das Teilen von Wissen den Weg.

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