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Wie werden wir Kunst und Kultur machen können?

Keine Angst, nichts bleibt beim Alten // 4. August 2021

Von Torsten Krug

Heute blicke ich von einer hohen Warte ins Tal der Wupper. Der Wanderurlaub in den Bergen der Steiermark entrückt das Kulturleben zu Hause. Der Blick in die Weiten lässt manche Sorgen an ihren Platz fallen oder sich gar in Luft auflösen.

Eine Frage jedoch lässt mich nicht los: Wie werden wir in naher Zukunft Kunst und Kultur machen können und welchen Stellenwert werden wir ihr geben?

Torsten Krug - Foto: Andreas Fischer
Torsten Krug - Foto: Andreas Fischer

Wie viele Künstlerinnen und Veranstalter wünsche ich mir Weitblick auch in Bezug auf unser Kulturschaffen. Ein erneutes Schließen von Kultureinrichtungen scheint undenkbar, doch schien es das nicht schon vor einem Jahr?

Helge Schneider, der große Improvisator, will nicht vor Autos oder vor Strandkörben mit gastronomischem Service auftreten und stößt damit Veranstalter wie Publikum vor den Kopf. Viele spenden ihm eben dafür Beifall. Eine Sängerin, zu der mein Kollege Uwe Becker auf Facebook meinte, sie sei „das neue N-Wort“, ruft ihr Publikum dazu auf, Hygienevorschriften, unter denen ihr Konzert stattfinden kann, zu ignorieren – und darf dann auch aufhören. Viele finden das dämlich bis sträflich. Auch ich denke, solche Aktionen schaden uns allen. Vor allem jenen Künstlerinnen, die auf ihre Konzerte mehr angewiesen sind als sie, die ja ihre 99 Luftballons hat.

Ich selbst denke als Insulaner über unser dreitägiges Festival zu Ehren Peter Brötzmanns nach. Flüge und Hotels des internationalen Line-ups sind gebucht, Zuhörer reisen zum Teil aus den USA an, um die Konzerte im Ada zu erleben. Das „Problem“: Dank Corona-Schachbrett-Bestuhlung sind die Tage seit Wochen schon ausverkauft. Täglich erreichen uns Kartenwünsche von Menschen, die dieses Ereignis nur noch im Internet werden verfolgen können, wenn sich die Inzidenz weiter so entwickelt. Die Möglichkeiten, die Inzidenz neu zu bewerten und entsprechend neue Maßnahmen zu formulieren, erwarte ich mit Ungeduld – und habe gleichzeitig doch meine Zweifel.

Vor zwei Wochen war der Singer-Songwriter Max Prosa auf der Insel zu Gast. Etliche im Publikum waren von weiter her gekommen und saßen schon eine Stunde vor Beginn in der ersten Reihe. Ein Konzert mit einer intensiven Intimität, wie ich sie lange nicht mehr live erlebt habe. Am Ende singen wir alle gemeinsam, vergessen die Welt – und vergessen sie doch gerade nicht.

Von einem Kollegen, dessen Publikum unter freiem Himmel sitzt, höre ich, dass manche Besucher sich zu eng platziert fänden. Manche verlangen nach strengerer Handhabung der Corona-Hygieneschutz-Maßnahmen, während andere die erlaubten Lockerungen einfordern.

Letztes Wochenende im österreichischen Kurstädtchen Bad Aussee besuchen wir ein Kammerkonzert im Kultur- und Congresszentrum, die Karten sind ortstypisch teuer. Als wir nach der Maskenpflicht fragen, heißt es, das bräuchten sie hier nicht, der Besuch sei eh nur mit den drei G‘s gestattet. Als wir unsere Impfungen nachweisen möchten, antwortet die junge Frau: Na, des basst scho! Und so sitzen wir dann inmitten des halbvollen Saals, die Klimaanlage gibt an wie eine Tüte Mücken und verspannt uns die Schultern. Um uns – so müssen wir denken – allesamt unkontrolliertes Publikum ohne Masken. Doch ich gestehe: Vollständig geimpft und dankbar bereit, alles Elend zu vergessen, habe ich mich auch hier unsterblich gefühlt.

Und so bleibt es kompliziert. Eine Berg- und Talfahrt mit ungewissem Ausgang, einem lachenden und einem weinenden Auge. Oder, wie es bei Max Prosa heißt: Keine Angst, nichts bleibt beim Alten.

Anregungen und Kritik: kolumne@fnwk.de

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