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Veranstaltung „Körper. Teilhabe. Natur“

Bericht von der Veranstaltung im BOB Campus am 27. Oktober 2022

Physarium
Am 27. Oktober haben Künstler:innen und Bürger:innen auf Einladung von und.jetzt! die Gastfreundschaft des BOB-Campus mit seinem verborgenen Garten und der interaktiven Fassadenprojektion des Schleimpilzes „Physarum“ der Raum-Zeit-Piraten genossen. Das Motto des Nachmittages, das sich beim und.jetzt!-Barcamp im Mai als brennendes Thema herausgestellt hat, war „Körper. Teilhabe. Natur.“.

 

Konkret: Wie sehen die Außenflächen rund um unsere Kulturorte in Wuppertal aus? Welchen Raum gibt die Kultur der Natur? Wie sieht unser Zusammenleben mit den Tieren der Stadt aus? Wie begegnen wir uns?

Der gemeinsame Nachmittag startete auf der Terasse des neu eröffneten Nachbarschafts-Zentrums mit einer atemberaubenden Aussicht über Wichlinghausen und Oberbarmen. Zu Beginn konnten alle Teilnehmer:innen ihre Emotionen im Hinblick auf die Klimakatastrophe kundtun. Auf einer Tafel konnte jede:r für sich dokumentieren, wie traurig, freudig, wütend oder ängstlich er/sie sich fühlte.

Tafel

Elina Schniewind, Projektleiterin des BOB Campus, stellte uns den Ort mit dem entstehendem Bürgerpark und seinem Angebot zum Urban Gardening und der Nachbarschaftsetage als offenes Bürger:innenzentrum für das Quartier vor. Finanziert wird dieses gemeinwohlorientierte Angebot durch Vermietungen an die benachbarten Schulen, an eine Kindertagesstätte und die Vermietung von Wohnraum.

Aussicht

Der Körper ist unser Zugang und unser Organ zur Welt.

Gemeinsam mit dem Tänzer Pascal Merighi lenkten wir unsere Wahrnehmung auf unsere Körper und darauf, wie die Erde uns trägt. In gemeinschaftlichen Körperübungen wurden wir wach und bewegten uns aufeinander zu. Für Ende Oktober war es im verborgenen Garten des BOB-Campus angenehm warm, der Klimawandel ist angekommen. Aber er hat nicht nur angenehme Seiten …

Pascal Merighi im Garten

In der weitläufigen und offenen Nachbarschaftsetage, die mit dem Garten ein werdender dritter Ort für das Quartier ist, stellte Michael Felstau die Organismendemokratie vor: Durch den Körper haben wir Menschen Teil an der Natur, ja sind selbst Lebensraum für unser Mirkrobiom auf der Haut, im Darm. Wir sind nur ein Teil der Natur und nicht die Herrscher über sie, auch wenn wir das Potential zur Vernichtung der Erde entwickeln. Menschen stellen lediglich 0,06% der Biomasse unseres Planeten dar.

Menschliches Handeln hat jedoch massive Auswirkungen auf alle Lebewesen. Daher bräuchte es eine Staatsform, die im Interesse aller Lebewesen Entscheidungen trifft, die der Natur einen Platz in unserem Rechtssystem gibt. Gärten sind in ihrer menschengemachten Ordnung immer schon politische Orte. Welche ästhetische und kulturelle Bildung brauchen wir Menschen, um ein anderesVerhältnis zur Wildnis zu entwickeln und diese als Lebensräume zu verstehen?

Arbeitsgruppe

In Gruppenarbeiten betrachteten wir die Außenanlagen vier Wuppertaler Kultur-Orte und suchten nach Optimierungsvorschlägen für dort lebende oder anzusiedelnde Lebewesen.

  • So sollte eine 200-Jahre alte Buche vor der Färberei nicht gefällt werden. Sie schützt vor Hitze und bietet Lebewesen wie dem Specht einen Lebensraum. Boden sollte wo möglich entsiegelt und Autos verbannt werden.
  • Das Café ADA reduziert nachts seine Beleuchtung für mehr Fledermäuse. Michael Felstau lädt in den geplanten INSEL Kulturgarten ein, um dort ganz konkret im Frühjahr 2023 Boden zu entsiegeln und einen Spaltengarten sowie ein Hochbeet mit Regenwassernutzung gemeinsam zu schaffen.
Abschlussrunde
  • Die börse nimmt ihr grünes Umfeld mit Klophauspark und Bendahler Bach in den Blick, dort können konkrete Bausteine im und am Haus geschaffen werden, die die umliegenden Biotope ergänzen und seltenen Arten ein Zuhause bieten, evt. sogar der Nachtigall.
  • Der Wupperbogen am alten Schauspielhaus könnte dem zukünftigen Pina-Bausch-Zentrum als idealer Ort für Lachstreppen dienen. Der Vorplatz könnte massenhaft mit Wanderbäumen bestückt oder gar komplett entsiegelt und neu bepflanzt werden, wogegen wahrscheinlich der Denkamlschutz spricht. Bereits jetzt gedeiht in dem japanischen Garten im Innenhof des alten Schauspielhauses wertvolle Natur, weil diese Orte generell nicht betreten werden und reine Schaugärten sind.
Physarium

Abschließend präsentierte nach Einbruch der Dunkelheit Tobias Daemgen von den RaumZeitPiraten im Rahmen ihres und.jetzt!-Stipendiums die weiterentwikelte, organisch improvisierte Multimedia-Umgebung „Physarum“ im Garten des BOB-Campus.

Das intelligente Verhalten eines real existierenden Schleimpilzes wurde digitalisiert und soll erstmals über eine Wetterstation beeinflusst werden. Zudem wurde Philip Stoll, ebenfalls und.jetzt! Stipendiat und Flötist eingeladen, Teil der digitalen Installation zu werden und mit seinem athmospärischen Flötenspiel das Wachsen und die Erscheinung des Schleimplizes zu beeinflussen. Dazu las Tobias Daemgen Bruchstücke eines Textes über die Intelligenz der Schleimpilze vor – an dem lauen, leicht windigen Herbstabend ein schöner Ausklang einer gelungenen und.jetzt!-Station.

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