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Wat dat darf und wat dat kann

Von Max Christian Graeff

Am Rande einer Demo in einer fernen Stadt beobachtete ich eine Alltagssituation: Sehr kleine Kinder erklommen die Sockel einer klassizistischen Schmuckbebauung und einige Eltern begannen darüber zu diskutieren, ob sie dies dürften oder nicht. Man war sich bezüglich Respekt, Gefahren und Gruppenverhalten uneinig, während die Kinder trittsicher Höhenmeter gewannen und weit über den Köpfen der Alten herumfeixten, was diese aber nicht bemerkten; bei ihnen ging es inzwischen um Allergien.

Max Christian Graeff - Foto: C. Paravicini
Max Christian Graeff - Foto: C. Paravicini

Auch der Abstieg verlief ohne Fehltritt, die Musik spielte und schließlich gingen alle nach Hause. Am Abend lief im TV der kleine Film, mit dem die wegen Lebensrettung angeklagte NGO Sea-Watch – nach Diskussionen, ob und wie man dies denn dürfe – den Wahlwerbeplatz von Die Partei füllen durfte: Ein Kind ertrinkt, still, ausweglos und unbemerkt. Wir schauen zu wie seit über 20 000 Ertrunkenen, und so viele fragen sich immer noch, ob die das denn dürfen: einfach unser geliebtes Mittelmeer wegsaufen. Während Parteichef Sonneborn erklären muss, dass dies keine Satire sei, verschreckt Böhmermann den Nachbarn Österreich mit harten Worten, der ORF sendet und distanziert sich, der Showmaster wird angeklagt; es bleibt unklar, auf wie vielen Ebenen hier die Satire spielt.

In Venedig fragt man sich zugleich, was an einem Boot, in dem Hunderte untergingen, Kunst sein soll. Genau diese Frage wird zum Werk – denn Kunst darf ja alles, wenn wir denn festlegten, ab wann sie ist, was sie ist. Zur selben Zeit ballern im beschaulichen Wuppertal diejenigen, die eine weitere Prüfung des Seilbahnprojekts verhindern wollen, mit argumentativer Bizarrerie auf jene, die nicht aufgeben, neue Wege des ausweglosen Stadtverkehrs zu untersuchen.

Um was es geht, spielt kaum noch eine Rolle, vermutlich inzwischen um Allergien. Und dann kommt die Kanzlerin für bezaubernde Fotos ins Tal, und der Flieger, mit dem sie mangels Bodenkollision nicht mehr abreisen kann, nennt sich ausgerechnet „Global 5000“ … Der Zusatzband zur Studie „Global 2000“, der vor 38 Jahren (also vor gut einem halben Leben) erschien, hieß „Zeit zum Handeln“. Das ist ja schon fast zynisch…

Wuppertal ist eine Hochburg der satirischen Kunst, nicht nur der unbeabsichtigten. Die produktive Spannung des lustigen oder bitteren Verkehrens von Ernstem, um damit den Ernst der Sache zu verstärken, hat hier Tradition. Ausgenommen sind die Hochkultur, das Bürgertum, die Politik, die Religion, die freie Kunst, die Wirtschaft, die Liebe, die Fehlbarkeit des Menschen, die Zukunft und natürlich Else Lasker-Schüler.

Nach vielen Jahren außerhalb des Tals spüre ich: Wuppertal will über alles lachen, nur nicht über sich selbst. Wir fragen zu oft, ob man dies und jenes denn sagen darf und vertüdeln darüber, wie dies denn zu sagen sei, damit es weiterführe. Auch die Seilbahndiskussion wird gerade zur Karikatur einer sich zu ernst nehmenden Stadt, mit flachem Atem allergisch gegen jedwede Kritik. Doch dazu ist die Lage eigentlich nicht lustig genug.

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