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Mit der Kunst des Erinnerns in die Zukunft

Von Uta Atzpodien

„Wo du erzählst, wird Himmel. Deine Worte sind aus Lied geformt. Ich traure, wenn du schweigst.“ In feinen, eindringlichen Gesten werden die Worte von Else Lasker-Schüler in Gebärdensprache übersetzt. Zu den Klängen von „L‘chaim“ von Giora Feidmann entspinnt sich eine Choreographie für eine Gruppe von tanzenden Menschen. Mir stehen die Tränen in den Augen. Diese Szene bewegt mich. In der Aula der Musikschule an der Hofaue probt der tanzchor60+, eine Gruppe von über sechzigjährigen Menschen.

Uta Atzpodien - Foto: Ralf Silberkuhl
Uta Atzpodien - Foto: Ralf Silberkuhl

Der Großteil von ihnen ist über siebzig. Seit mehr als acht Jahren schon tanzen und singen sie zusammen, angeleitet von der Chorleiterin Hilde Kuhlmann und erstmals dem Tänzer Wigabriel Soto Eschebach. Ihre Arbeit „Goldenglück“ versteht sich selbst als szenisches Firmament, als Sternenhimmel mit golden wie schmerzhaft funkelnden Momenten der eigenen Lebenswege. Am 22. Februar feiert die Produktion im Theater am Engelsgarten ihre Premiere.

Was berührt mich so tief? Es sind die faszinierenden Menschen vom tanzchor60+, deren Engagement und Lebenslust singend und tanzend einen künstlerischen Ausdruck finden. Jahr für Jahr schreibe ich die Texte für ihr Programmheft. Sie sind mir ans Herz gewachsen, in ihrem Mut, ihrer Erzähl-, Tanz- und Sing­lust. Noch mehr fügt sich für mich zusammen. Kürzlich, am 27. Januar, war der Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Erstmals seit vielen Jahren habe ich die Serie „Holocaust“ wieder gesehen. Das hat mir zugesetzt, deutlich gemacht, wie wichtig es ist, mit der Kunst des Erinnerns in die Zukunft zu gehen. Die 94-jährige KZ-Überlebende Esther Bejarano singt beseelt mit der Microphon Mafia mehr als gegen das Vergessen, für eine erinnernde Zukunft. Schon vor ein paar Jahren war sie mir in dem Film „Mut zum Leben“ begegnet, einer „Botschaft der Überlebenden von Auschwitz“, einem Film über „Mut, Widerstand und die unzerstörbare Würde des Menschseins“. Dieser Film hat mir über die filmischen Porträts gezeigt, mit welcher Kraft die Kunst und das künstlerische Schaffen zu einem zukunftsweisenden und urmenschlichen Erinnern beitragen können.

In jeder Geschichte kann die Kunst des Erinnerns beginnen.

Letzten Freitag ist eine kleine Delegation von Freies Netzwerk Kultur mit Uwe Schneidewind, dem Präsidenten des Wuppertal Instituts zum Symposium Wandel@Kunst in die Kunsthalle nach Recklinghausen gefahren. Reiner Kaufmann vom Künstlerort Gelbes Haus hatte namhafte Personen dazugeladen, u.a. den Landtagsabgeordneten der Grünen Oliver Keymis, selbst Künstler, der die Veranstaltung gekonnt moderierte. Eingeschrieben haben sich mir die klaren Worte des Historikers Stefan Berger, der am Beispiel des Kulturwandels im Ruhrgebiet zu einem konstruktiven elipsenförmigen Zusammenspiel von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufrief.

„Pirasol“ ist ein Buch, das in poetischer Prosa die Geschichte einer 84-jährigen Frau erzählt, die sich ihr Leben lang zurückgenommen hat, von ihrer Kindheit im Krieg, dem Verlust der Eltern, der beklemmenden Ehe mit einem Papierfabrikanten und der Kunst, im hohen Alter den eigenen Weg zu finden und dafür einzustehen. Die preisgekrönte Jugendbuchautorin Susan Kreller kommt nach Wuppertal. Sie wird mit ihrem neusten Buch am 22. Februar zu Gast bei „Literatur auf der Insel“ im Café Ada sein. Wir freuen uns auf die erinnernde Kunst, mit ihr auf ein für uns alle zukunftsfähiges Leben. Sei es am 22. im Theater am Engelsgarten oder im Café Ada: In jeder Geschichte kann sie beginnen, die Kunst des Erinnerns.

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