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Inszenierung von Politik

Das Freie Netzwerk Kultur lädt zur Debatte über „Kunst gegen Rechts“.

Von Torsten Krug

Seit Sonntag ist auf zdf.de der Versuch eines Interviews mit Björn H. zu sehen. Indem ich davon schreibe, werde ich schon Teil des Problems. Herr H. wird in diesem Video vorgeführt, möchte man meinen, doch gleichzeitig bekommt er eine Menge Aufmerksamkeit, die wir ihm doch gerade nicht geben wollen. Haben Sie`s gesehen?

Torsten Krug - Foto: Andreas Fischer
Torsten Krug - Foto: Andreas Fischer

Worum geht es? Herr H. ist zu einem Fernseh-Interview geladen, in dem es laut Absprache zwischen seinem Sprecher und dem Journalisten auch um die Sprache des Herrn H. gehen soll. Das Interview beginnt mit einem Einspieler, in dem AfD-Abgeordneten Zitate des Herrn H. vorgelesen und sie gefragt werden, ob diese aus „Mein Kampf“ von Herrn H. oder von Herrn H. stammten. Die Kollegen geben sich jovial, lachen viel, haben keine Ahnung, der eine meint schließlich: wohl eher aus „Mein Kampf“. Sie geben zu, weder das Buch des Herrn H. noch das von Herrn H. gelesen zu haben, worauf Herr H. im Studio in Großaufnahme beleidigt wirkt. „Schade“, sagt er leise, mit einem Lächeln, das eine Verletzung überspielen soll. Und spätestens hier beginnt sie: seine Opferrolle.

Das Interview geht noch gute sieben Minuten weiter, da schaltet sich sein Sprecher ein: Herr H. habe verständlicherweise sehr emotional auf diese bösen Fragen und Unterstellungen reagiert, schließlich sei er darauf nicht vorbereitet gewesen. Er schlägt vor, das Interview nicht zu verwenden, quasi als eine Probe zu sehen und das Ganze zu wiederholen, dann mit einem gefassten, souveränen Herrn H. Dies lehnt der Journalist mit Bezug auf die Pressefreiheit ab, und die nun folgende Diskussion wird weiter aufgezeichnet. Herr H. bleibt die ganze Zeit im Bild, mal in halbnaher, mal in Großaufnahme. Er wirkt jetzt immer verletzlicher.

Das Ganze hätte das Zeug zu einem Video wie das damals heimlich aufgenommene mit Herrn S. auf Ibiza: eine Demaskierung, eine Bloßstellung! Doch möglicherweise ist es das Gegenteil: In den Netzwerken und vom ZDF wird die „Drohung“ des Herrn H. hervorgehoben, sozusagen mit ihr geworben. Tatsächlich stammelt er am Ende ein wenig, es wirkt improvisiert: „Wir wissen nicht, was kommen wird … Es ist klar, dass es mit mir kein Interview mehr für Sie geben wird.“ Dann weitet er die Augen, senkt den Kopf und sieht den Journalisten an, als habe er unser aller Vernichtung bereits geplant. „Ist das eine Drohung?“, fragt dieser. „Nein“, sagt Herr H. und lächelt. Schon wieder wird er so missverstanden. Das sei nur eine Aussage, denn er sei auch nur ein Mensch. „Ich bin auch nur ein Mensch“, wiederholt er. „Was könnte kommen?“, fragt der Journalist. Herr H. chargiert zwischen Arroganz und naiver Bescheidenheit: „Vielleicht werde ich auch mal eine interessante politische Person in diesem Lande … Könnte doch sein?“ Auch die wunderbare Antwort des gelassen bleibenden Journalisten „Dann wünsche ich Ihnen viel Glück für Ihre Karriere“ macht den Film leider nicht zu einem Sieg für die Pressefreiheit.

Glaubte ich an Verschwörungstheorien, so wäre dieses abgebrochene Interview ein inszeniertes Glanzstück der Demagogie. Herr H. sagt, was er droht, als Opfer. Er ist auch nur ein Mensch. Und bleibt immer im Zentrum. Mir schwebt vor, solche Interviews nachzuspielen. Erst auf der Bühne, sozusagen im Rahmen, wird es vielleicht für alle erfahrbar.

Kommenden Samstag um 19 Uhr lädt das Netzwerk übrigens in die Bandfabrik zur Debatte: „Kunst gegen Rechts?“.

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