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Ausstellungen als ein fortlaufender Prozess

Über einen Schatz, der Geist und Seele mit gestern, heute und morgen verbindet.

Von Tine Lowisch

In den letzten Wochen habe ich sehr intensiv über das Ausstellungsmachen nachgedacht und auch darüber, was ich dabei in den letzten Jahren gelernt habe. Und immer, wenn ich meine Neugier stille, die ich am liebsten in künstlerische Aussagen vertiefe, die ich zunächst nicht verstehe, lerne ich etwas dazu. Manchmal sogar etwas, von dem ich anfangs dachte, dass es mich gar nicht interessiert. Mittlerweile bin ich felsenfest davon überzeugt, dass sich Kunstausstellungskonzepte immer aus sorgfältig geführten Gesprächen mit Künstlern entwickeln sollten und natürlich auch durch sorgetragende Arbeit für Künstler, an der sie sich, wenn sie noch leben, sehr gerne beteiligen dürfen.

Tine Lowisch - Foto: Claudia Scheer van Erp
Tine Lowisch - Foto: Claudia Scheer van Erp

Denn auch, wenn manche das schade finden, werden Kunstwerke in Museen und anderen Ausstellungsräumen ja schon lange nicht mehr gezeigt, um kulturelle, bisher noch menschliche Errungenschaften als Zeichen eines geschichtlichen Fortschritts einzurahmen und damit abzugrenzen. Auch geht es nicht mehr um die Bewahrung von neuen Dingen, mit denen man sich gerne umgibt, zwischen denen man lustvoll, am liebsten alleine, umherstreifen möchte.

Allgemeiner Konsens ist im Moment, dass gut gemachte Ausstellungen wohlgehütete und jetzt doch öffentlich gemachte Geheimnisse eines künstlerischen Ausdrucks lüften und versteckte Verbindungen zwischen historischer und zeitgenössischer Kunst kommunizieren. Eine Ausstellung, die begeistert, ist einfach eine kreative Methode, etwas zu präsentieren, auf das das Wissen des Kunstbetrachters in ihn selbst projiziert wächst. Die optimale Ausstellung bewahrt Orte, an denen Ideen und Konzepte entstehen können. Eine für mich funktionierende Ausstellung ist nicht statisch – aber sie dauert und dauert und dauert und passt sich in einem fortlaufenden Prozess immer wieder neu an. Sie dokumentiert, reflektiert und initiiert unsere Wirklichkeit, in der es ja bald nichts mehr gibt, das wieder verschwinden wird.

In diese weltbeste Kunstausstellung, von der ich träume, kommen die Besucher nicht nur zur Eröffnung, sie kommen immer wieder gerne zurück und suchen begeistert die sensibel vorgenommenen Veränderungen im Raum. Dabei gehen sie vielleicht vor wie Wissenschaftler oder auch wie Fast-Food-Betrachter. Egal. Hauptsache, sie sammeln sich oder teilen sich mit in dieser spektakulär reflektierenden Wunderkammer der Zeit, die das Rationale mit dem Irrationalen endlich wieder ganzheitlich betrachtet und miteinander verbindet.

Denn es reicht nicht aus, sich einen thematischen Überbau zu überlegen, die sogenannten Werke von Künstlern einfach auszusuchen oder neu zu ordnen und das Ganze dann auch noch wie leuchttürmende Perlen neben – oder hintereinander aufzureihen und damit künstlerisches Tun nur zu beschreiben. Das Konzept einer zufälligen „Hängung“ von Bildinformationen zum Beispiel, hört sich modern an, lässt aber unsere Sehgewohnheiten verkümmern.

Diese Idee, ich nenne sie mal Instagram-Anordnung, erinnert mich irgendwie an die akademische Salon-Hängung des 18. Und 19. Jahrhunderts, allerdings ohne Rahmen. Ich wünsche mir, dass wir durch den Besuch von wirklich anregenden Kunstausstellungen dem Sog entrinnen können, der durch zu viel Information entsteht und wir in einem, vielleicht sogar in unserem Museum, den Schatz finden, der Geist und Seele mit gestern, heute und morgen bei freiem Eintritt verbinden kann.

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