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Von Künstlerin zu Künstler: Wie der Einstieg gelingt

Über das Mentoring-Program der Folkwang-Uni.

Von Torsten Krug

Die Folkwang-Uni in Essen hat ein neues Mentoring-Programm, das bewusst interdisziplinär angelegt ist. Künstlerinnen und Künstler, die kurz vor ihrem Abschluss stehen, treffen dabei auf Freiberufler aus unterschiedlichen Fachrichtungen. Auf dem Weg nach Essen, als frisch berufener Mentor, denke ich mir: Was willst Du denen erzählen? Ist doch jede Künstlerinnenlaufbahn so individuell, gibt es kaum Vorbilder für das eigene Schaffen, und wenn ja, sollte man ihnen folgen? Ich denke mir: Bestenfalls lernst Du etwas über dich selbst.

Torsten Krug - Foto: Andreas Fischer
Torsten Krug - Foto: Andreas Fischer

Mir gegenüber sitzen eine Pianistin und ein Pianist, beide auch als Duo unterwegs, ein Jazz-Schlagzeuger und eine klassische Sängerin. Sie alle wirken ambitioniert. Der Schlagzeuger unterrichtet drei Tage die Woche und spielt bereits 50 bis 70 Konzerte im Jahr. Er fragt, wann er so etwas wie ein Leben haben könnte, „mal in den Wald“ gehen, wäre doch schön. Das Pianisten-Paar spielt zu unterschiedlichsten Anlässen, er auch gerne „Hintergrundmusik“, wie er sagt. Beide wollen sie eine Musikschule gründen. Die Sängerin hat die Oper für sich entdeckt, das singende Theater, und fragt sich: Wie durchstarten?

Sie alle eint ein Wissen darum, dass man einiges tun muss, um im Dschungel der Freischaffenheit zu überleben. Wenn ich meinen Beginn mit ihrem vergleiche, haben sie ungeahnte Möglichkeiten, sei es im Bereich des Recordings, der eigenen Vermarktung, des Netzwerkens. War es für mich als angehenden Musiker noch ziemlich aufwendig, eine Demo-Kassette zu produzieren, kann man darüber heute nur schmunzeln. Gleichzeitig sind die Anforderungen an eine Künstlerinnen-Laufbahn in punkto Selbstvermarktung und Professionalität immens gestiegen. Üben alleine reicht nicht. Durch alle Entwicklungen hindurch spüre ich eine Gemeinschaft, verbindende Themen, die wir bei Knabberzeug und Wasser besprechen. Im Anschluss verabreden wir uns zu weiteren Gesprächen, von Künstlerin zu Künstler.

Ganz persönlich bemerke ich im Abgang des Jahres eine vermehrte Sehnsucht nach Ordnung. Mein Arbeitszimmer spiegelt das Pensum eines vollen Jahres wider: Stapel mit vergangenen Projekten sind weder sortiert noch archiviert, neue Projekte liegen daneben, die Steuer ist im Dezember noch nicht gemacht, und Unterlagen kommender Arbeiten wandern frei durch die Wohnung. Insgesamt fällt mir auf, dass ich zu einem dominanten Teil mit Organisation, Korrespondenz und – in den letzten Monaten vermehrt – mit Geldbeschaffung sowie politischer Lobby-Arbeit beschäftigt bin. Ist es das, was ich mit heute antretenden Künstlerinnen und Künstlern teile?

Tatsächlich sage ich in der Vorstellungsrunde als erstes: Ich fühle mich genauso am Anfang wie ihr. Immer wieder. Natürlich gibt es Projekte, Aufführungen, Arbeiten, auf die ich mit Stolz oder Genugtuung zurückblicke, die mir Identität und Mut geben, weiterzumachen. Doch erlebe ich meine Arbeit als ständig neu und offen in die Zukunft entworfen. Als Mentor kann ich also lehren, keiner Lehre zu folgen. Macht euer Ding und vergleicht euch so wenig wie möglich.

Kommenden Samstag gehe ich zum letzten Jour fixe in diesem Jahr vom Freien Netzwerk Kultur. Um 16 Uhr in der Kunststation Vohwinkel trifft da die Kunst auf: die Kunst! Wie können wir uns und unsere Kunst gegenseitig besser unterstützen? Wie können wir Netzwerke und unsere Stadt kreativ vitalisieren? Irgendwie sind das auch gute Fragen für eine zukünftige Gesellschaft.

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