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Von der Kunst, Kultur zu gestalten

Kunst und Kultur werden häufig in einem Atemzug genannt // 22. Juli 2020

Kunst ist nicht systemrelevant. Kunst ist frei. Kultur hingegen ist absolut systemrelevant. Dafür aber immer abhängig. Seltsam, dass beide Begriffe so oft und so selbstverständlich vertauscht, ja sogar gleichgesetzt werden.

David J. Becher - Foto: Sarah Hallepape
David J. Becher - Foto: Sarah Hallepape

Kultur ist es, die uns in gegenseitiger Abhängigkeit überhaupt erst Systeme zum Zusammenleben entwickeln lässt. Zum Beispiel Systeme der sozialen Absicherung. In den letzten Wochen und Monaten wurden Hilfs- und Rettungspakete geschnürt, korrigiert, umgebaut und nachgerüstet, trafen mal mehr, mal weniger, mal gar nicht die Betroffenen. Und unter allem lag stets die Grundsicherung. Kurz ALG 2, bekannter: Hartz IV. Als Gesellschaft haben wir damit ein kulturelles Format entwickelt, das uns helfen soll, niemanden in die nackte Armut stürzen zu lassen. Nun sollen in der Krise auch Freischaffende diese Basisunterstützung einfacher beantragen können. Zum Beispiel freischaffende Künstler:innen.

Wenn man auf die jüngst veröffentlichten Durchschnittsverdienste derselben schaut, ist die (bedingt) ausgesetzte Vermögensprüfung vermutlich für wenige das zentrale Problem. Die anhängenden Restriktionen aber sind es auf jeden Fall. Denn dieses Grundsicherungssystem ist das Gegenteil von Freiheit. Es steht ihr vielmehr absolut entgegen. Schließlich basiert es auf einer bevormundenden Grundhaltung: Auf »Fördern und fordern« als Prinzip konnten sich erschreckend viele politischen Parteien einigen. Sogar die, die explizit Freiheit im Namen trägt. Grundsicherung ist für eine Gesellschaft eine große kulturelle Leistung. Und je nachdem, wie sie ausgestaltet ist, prägt sie auch die kulturelle Entwicklung einer Gesellschaft.

Und da kommt wieder die Kunst ins Spiel: Etwas ausgestalten. Etwas wirklich von Grund auf entwickeln, gar erschaffen – das kann auch Kunst sein, wenn es sich nicht um ein Gedicht, eine Komposition oder eine Performance handelt: Je freier zum Beispiel ein gesellschaftliches Prinzip gedacht wird, bevor es in Verfassungen, Verordnungen, Gesetze gegossen wird, desto eher ist es eine Kunst. Wenn es dann noch gelingt, wirklich freiheitliche Aspekte bis in in diese Verfassungen, Verordnungen und Gesetze zu retten, ist es vielleicht sogar große Kunst. Hartz IV ist das sicher nicht.

Aber was wäre es stattdessen? Viele sagen: Bedingungsloses Grundeinkommen. Aber wäre das die Lösung? Nun – vermutlich nicht, wenn die Ausgestaltung der Bedingungslosigkeit auf den gleichen Wertevorstellungen wie die jetzige Grundsicherung entwickelt würde. Und hier gilt es genau auf dieses eine Wörtchen im letzten Satz zu schauen: Würde. Als Verb ein Konjunktiv, als Nomen laut Grundgesetz unantastbar. Es sei denn, man ist auf Grundsicherung angewiesen: Das Konjunktive, das als freiheitliches Entwicklungspotential auch in dem Hauptwort Würde steckt, ist durch hochbürokratische Kontrollinstanzen im Hartz IV-System förmlich ausgemerzt. Und doch steht sie im Grundgesetz: Die Würde. Als unantastbar. Als verfasste Entfaltungsmöglichkeit. Das ist Kunst.

Nun ist aber die Freiheit der Kunst so drastisch, dass sie ohne kulturelle Einordnung jede Gesellschaft sprengen würde, ja müsste: Denn wo Kunst eben absolut frei ist, bedeutet Kultur im Gegensatz dazu immer Abhängigkeit. Voneinander. Im besten Falle solidarisch. Im schlimmsten totalitär.

David J. Becher ist Unterhaltungskünstler, Moderator und Utopist und mit allen drei Funktionen auf den Bühnen der Republik unterwegs. Dazwischen macht er sich mal'n Kaffee. Und Gedanken.

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